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Reiseführer Kreta:Essen & Trinken

Speisen auf kretische Art: Ein gutes Essen bedeutet auf Kreta vor allem fröhliche Geselligkeit in großer Tafelrunde

In einer solchen Tischgemeinschaft, von den Kretern paréa genannt, bestellt keiner für sich allein. Man lässt zunächst eine Vielzahl verschiedener Salate und leckerer Vorspeisen auffahren, von denen jeder nimmt, was und wie viel er mag. Danach wird Fisch oder gegrilltes Fleisch auf großen Platten bestellt, die dann wiederum für alle gemeinsam auf den Tisch kommen. Auf einen Nachtisch verzichten viele Kreter, da ohnehin die Mengen großzügig bemessen waren und immer viel übrig bleibt. Völlig leer gegessene Teller und Platten würden nämlich zeigen, dass man knausrig war.

Möchten Sie allein oder in trauter Zweisamkeit essen, können Sie natürlich auch auf gewohnte Art bestellen – mehr Spaß aber macht auf jeden Fall die kretische Gepflogenheit, möglichst viele verschiedene Gerichte zu ordern. Und wenn der Kellner leer gegessene Teller zwischendurch nicht abräumt, ist das Höflichkeit und folgt demselben Ursprung: Die anderen Gäste sollen sehen, dass Sie sich ein üppiges Essen haben leisten können. Übrigens: In einer kretischen Tischgemeinschaft zahlt immer einer für alle. Wenn Sie sich diesem Brauch nicht anschließen möchten, erklären Sie das dem Kellner besser schon bei der Bestellung.

Vor allem in den Urlaubsorten ist man aber auf andere Gewohnheiten von Urlaubern eingestellt, dekoriert seine Taverne folkloristisch und bringt das Essen heiß auf den Tisch. In den letzten Jahren haben auch viele Restaurants gehobenen und höchsten Niveaus eröffnet, die ihre Klientel vor allem unter den Kretern selbst und anspruchsvollen griechischen Urlaubern suchen, die Wert auf gute regionale Küche legen.

Jeder findet also, was er sucht: das einfache, billige Grillstübchen für Gyros und Suvláki ebenso wie den Italiener mit gehobener mediterraner Küche, die simple Familientaverne mit traditioneller Hausmannskost oder das kretische hochpreisige Feinschmeckerlokal mit erlesenen Kreationen. Egal wo, wenn Sie frischen Fisch bestellen, müssen Sie auf jeden Fall mit hohen Preisen rechnen: Unter 40 Euro ist das Kilo nirgends zu bekommen.

Zum Essen trinken die Kreter Wasser und Bier oder Wein. Die Auswahl an kretischen Weinen ist groß, die Qualität hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Neben offenen Weinen und preisgünstigem rétsina – dem mit dem Harz der Aleppokiefer versetzten griechischen Weißwein – gibt es auch eine Anzahl von Qualitätsweinen aus kleinen und großen Kellereien. Immer zu empfehlen sind die Weine aus den genossenschaftlichen Weinkellereien von Sitía und Péza bei Iráklio. Edle Tropfen in kleineren Mengen kommen aus den Kellereien Lyrarákis, Económou, Manoussákis, Michalákis und Crétas Olympías. Eine in ganz Hellas produzierende Großkellerei auf hohem Niveau ist Boutáris.

Die meisten Tavernen und Restaurants sind von etwa 9 Uhr morgens bis weit nach Mitternacht durchgehend geöffnet. Kreter nehmen das Mittagessen selten vor 13 Uhr ein, abends trifft man sich mit seiner paréa oft erst gegen 22 Uhr oder noch später.

Liebhaber süßer Leckereien gehen ins zacharoplastío, die griechische Variante der Konditorei. Dort gibt es eine große Auswahl an Torten, Gebäck, Pralinen und orientalischen Backwaren wie baklavá und kataífi, die süßer aussehen, als sie sind, und die wie der ebenfalls beliebte Apfelstrudel milópita mit Vanilleeis genossen werden können.

Kretische Kaffeehäuser sind der Treffpunkt der Männerwelt. Jedes Dorf hat mindestens ein kafenío, meist gleich mehrere kafenía. Das ist notwendig, weil normalerweise jedes kafenío einer der drei großen griechischen Parteien zuzuordnen ist: den Konservativen, den Sozialisten oder den Kommunisten. Obwohl von einem privaten Wirt betrieben, ist das Kaffeehaus so etwas wie eine öffentliche Einrichtung. Verzehrzwang gibt es meist nicht. Die Männer sitzen beieinander, um über Gott und die Welt, vor allem aber über griechische Politik zu reden, um távli, Dame oder Karten zu spielen.

Wenn Sie selbst einen Kaffee bestellen, müssen Sie immer sagen, wie Sie ihn wünschen. Die Kreter trinken griechischen Kaffee, einen Mokka, bei dem das Wasser zusammen mit Kaffee und Zucker aufgekocht wird. Kafé ellinikó gibt es in vielen Variationen: skétto, ohne Zucker; métrio, mit etwas Zucker; glikó, mit viel Zucker; dipló, als doppelte Portion. Auch löslichen Kaffee gibt es fast immer. Man bestellt ihn grundsätzlich als neskafé und gibt den Süßegrad an. Außerdem ist zu unterscheiden zwischen neskafé sestó, heißem, und frappé, kaltem, schaumig geschlagenem Nescafé.

Immer beliebter werden vor allem bei der Jugend kalte Kaffeespezialitäten wie freddo espresso und freddo cappuccino. Dazu gibt es immer – ebenso wie zum griechischen Mokka – ein Glas kaltes Wasser.

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Der Reisejournalist und langjährige Kenner Griechenlands ist im Herzen selbst ein halber Kreter. Er hat die Insel per Bike, Auto und Bus erkundet, saß mit Bauern zum Sonnenaufgang im Olivenhain und mit Krawattenträgern zur Dinnerparty im Edelrestaurant. Besonders schätzt er den Individualismus der Kreter, ihre Toleranz, Bodenständigkeit und ihren häufig recht unkonventionellen Tatendrang.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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