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Reiseführer Korsika:Auftakt

Entdecken Sie Korsika!

Sie ist wirklich unvergleichlich schön, diese Insel, die schon bei den Griechen in der Antike den Namen kalliste, die Schönste, trug. Von Nord nach Süd nur 183 km lang, keine 90 km breit, gleicht sie doch eher einem kleinen Kontinent als einer bloßen Insel. Mit knapp 9000 km2 ist Korsika hinter Sizilien, Sardinien und Zypern die viertgrößte Insel im Mittelmeer. Mit einer Durchschnittshöhe von fast 600 m liegt sie deutlich höher als ihre Nachbarn, und mit 2706 m Höhe erreicht der Monte Cinto alpines Niveau. Ein Drittel der Gesamtfläche ist mit Wald bedeckt. Sämtliche Klimazonen Europas vereinen sich auf engem Raum in diesem "Gebirge im Meer". 1000 km stark gegliederte Küste umfassen ein Gebirgsmassiv, in dem kaum 30 km vom Meer 70 Gipfel über 2000 m hoch aufragen. Bis in den Juni hinein liegt hier oben Schnee, während das Meer schon mit 20 Grad warmem Wasser zum Baden lockt.

Während die Ostküste kilometerlange, familienfreundliche, sanft ins Meer abfallende Sandstrände aufweist, ist die raue Westseite stark zerklüftet mit oft steil abfallender Felsküste und somit ein ideales Tauch- und Segelrevier. Die wasserreichen Flüsse, die aus dem Hochgebirge in die Ebenen schießen, haben schroffe Täler und tiefe Schluchten gegraben, im Unterlauf stellenweise breites Schwemmland aufgeschüttet, wie z. B. der Liamone zwischen Ajaccio und Cargèse oder der Fango bei Galéria. An ihren Mündungen breiten sich die herrlichsten Strände aus: mal grobsandig, den Winden ausgesetzt, mit gefährlicher Meeresströmung, mal mit feinem weißem Sand in perfekt sichelförmigen Buchten, das seichte Wasser glitzernd klar, zu finden in der Bucht von Calvi im Nordwesten oder bei Pinarellu und Rondinara im Südosten. Dünen, Schirmpinien und Lagunen, jäh aufragende Felsen, genuesische Festungen - die unmittelbare Umgebung der Strände ist ebenso faszinierend wie der Blick von hier auf die Bergkulisse des Inlands.

Die regionale Zweiteilung der Insel in die Départements Haute-Corse und Corse-du-Sud entspricht der geologischen Gliederung in das Schiefermassiv des Nordostens mit dem Grenzfluss Tavignano und das Granitmassiv der südlichen Hälfte. Nur im Osten erstreckt sich eine breite Ebene hinter den endlos langen Stränden, sonst steigt das Gelände überall bald steil an. Macchiaüberwucherte Hänge bestimmen das Landschaftsbild bis in eine Höhe von etwa 500 m. Rosmarin, Mastix, Zistrose und Myrte verströmen im warmen Sonnenschein betörende Düfte. Napoleon Bonaparte sagte einst, er erkenne seine Insel mit verbundenen Augen nur am Duft. In der Macchia blüht es im Frühling zuerst. Im Mai, Juni bedeckt der Blütenflor dann auch die schattigen Anhöhen unter den Steineichen und den Edelkastanien, die bis etwa 800 m lichte Wälder bilden. Etwas höher bedecken mächtige Schwarzkiefern und windzerzauste Buchen die felsigen Hänge. Im Frühsommer sind die alpinen Wiesen ein Paradies für Blumenfreunde; unwiderstehlich schön auch die in Fels gebetteten, leuchtend blauen Gebirgsseen, die tosenden Wasserfälle und die klaren, tiefen Becken in den Flussbetten.

In der tief zerfurchten Landschaft liegen die Dörfer häufig versteckt in Talkesseln. Andere thronen wie Trutzburgen hoch auf Bergkämmen, wie das sehenswerte Sant'Antonino in der Balagne, oder schmiegen sich an steile Hänge wie das Dörfchen Ota in der Spelunca-Schlucht. Die etwa 300000 Ew. von Korsika leben heute überwiegend an der Küste, 120000 allein in und um die beiden größten Städte Ajaccio und Bastia. In den Niederungen werden Wein, Obst, Futtermittel und Getreide angebaut. Der Fremdenverkehr hat zahllose Küstendörfer in blühende Badeorte verwandelt. Nur noch den Festungen rings um die Insel und den Dörfern im Inland sieht man an, dass Korsika jahrtausendelang von Fremdherrschaft gezeichnet war. Schon die Griechen gründeten im heutigen Aléria eine Kolonie. In den Zeiten, als Rom, Pisa und Genua das Sagen auf der Insel hatten, verlangten die Besatzer hohe Abgaben von den Korsen, ohne ihnen dafür sicheren Schutz zu bieten. Waren sie selbst in Konflikte verwickelt, verloren sie die Insel aus den Augen. Dann fielen die Sarazenen und Barbaresken ein, berüchtigte Seeräuber aus dem Maghreb, raubten die Insel aus und verschleppten ganze Dorfbevölkerungen in die Sklaverei. Verständlich also, dass sich die Korsen ins Hinterland zurückzogen.

Das traditionelle korsische Dorf liegt geschützt im Oberland, gedrängt stehen die Häuser um eine Kirche. Friedhöfe und Familiengrüfte liegen außerhalb, zahlreich und groß. Der Eindruck ist typisch mediterran, doch kärger und strenger. Das liegt nicht zuletzt daran, dass man zum Schutz die Wohnräume in den oberen Geschossen einrichtete und unten oft fensterlose Lager oder Ställe hatte, mit einer großen Tür, die sich gut verrammeln ließ. Besonders im Süden, wo sich die Clanherrschaft lange hielt und Blutrache die Familien entzweite, sind die Häuser auffallend hoch und schmal, wie z. B. Sartène im Südwesten. Das Korsika, wie es die Franzosen 1769 erobert haben, muss man sich wohl recht traurig vorstellen. In den Bergen ein verarmtes Hirtenvolk neben wenigen wohlhabenden Großbauern. Dazu ein verbreitetes Banditenwesen. Im 19. Jh. setzte die Landflucht ein. Zigtausende brachen auf, um auf dem Festland, in den Kolonien oder in Amerika ihr Glück zu suchen. Wie die großen Kriegerdenkmäler allerorts bekunden, forderten der Erste und Zweite Weltkrieg große Opfer. 1943 ist Korsika das erste befreite französische Département.

Korsika ist die am dünnsten besiedelte der großen Mittelmeerinseln. In den Dörfern des Landesinneren wohnen überwiegend alte Leute, vielfach Rentner, die nach der Arbeit in der Fremde in die Heimat zurückgekehrt sind. Doch in immer mehr Dörfern sorgen Initiativen für die Wiederbelebung der regionalen Wirtschaft und den Ausbau eines sanften Tourismus unter Beibehaltung althergebrachter Strukturen. Man ist stolz auf eigene Handwerksprodukte, selbst erzeugte Lebensmittel, allen voran den korsischen Schafskäse brocciu, der als Frischkäse in Kuchen und Süßspeisen verwendet wird und als reifer Käse (brocciu passu) durch seinen intensiven Geruch das Piratenschiff bei "Asterix & Obelix" explodieren lässt. Man ist außerdem stolz auf seine traditionelle Musik. Viele Musikgruppen singen selbstbewusst in korsischer Sprache und feiern auch auf dem Festland Erfolge. Für die korsische Identität streiten vor allem die Nationalisten, die ihre Insel nicht den Klauen eines landfressenden Tourismus als einziger Entwicklungsperspektive überlassen wollen. Ihre Beharrlichkeit und die alternativen Konzepte haben sich ausgezahlt: Hardliner und gemäßigte Nationalisten verbuchten ein Drittel der Stimmen bei den letzten Regionalwahlen.

An den Küsten ist die Insel mittlerweile sehr gut auf die Bedürfnisse von Touristen zugeschnitten. Für Aktivurlauber sind die Möglichkeiten fast unbegrenzt. Allerdings haben einige Orte, an denen diese internationalisierte Urlaubskultur dominiert, ihren ursprünglichen korsischen Charakter bereits eingebüßt, obwohl bisher Hotelhochbauten und anonyme Feriendörfer zu den Ausnahmen zählen. Mit Sicherheit haben die Attentate der korsischen Nationalisten der FLNC hier bremsende Wirkung gehabt. Die Straßeninfrastruktur ist in den letzten Jahren erheblich besser geworden, nur noch wenige Passstraßen warten auf Erneuerung. Trotzdem gibt es noch fast so viele Kurven wie ehedem, und so wird auch weiterhin Ihr Reisetempo eher gemächlich sein. Und damit ideal, um mit Land und Leuten in Kontakt zu kommen! Wer eine Rundfahrt um die Insel machen will, sollte dafür auf jeden Fall zwei Wochen einplanen - nur Rallyefahrer haken Korsika schneller ab. Aber auch dann werden Sie erst einen kleinen Eindruck von der paradiesischen Landschaft bekommen haben. Die einzige Lösung für dieses Dilemma ist: Kommen Sie im nächsten Urlaub wieder!

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Seit 1999 lebt und arbeitet Stefan Miebach auf Korsika. Zunächst selbstständig im Tourismus tätig, wechselte er 2004 ins österreichische Feriendorf "Zum störrischen Esel" nach Calvi. Dort arbeitet er als Wander- und Radguide und begeistert deutschsprachige Gäste von seiner Trauminsel. Lust auf noch mehr Korsika bekommt er im Winter bei neuen Entdeckungstouren.

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Quelle: www.marcopolo.de