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Reiseführer Karibik - Große Antillen:Essen & Trinken

Inspiriert von vielen unterschiedlichen Kochtraditionen steht vor allem frischer Fisch auf den Speisekarten der Karibikinseln

MARCO POLO Autorin Irmeli Tonollo

So unterschiedlich wie Ihre Bewohner, so unterschiedlich sind auch Rezepte und Zutaten der karibischen Küche. Grundlage für alle Inseln bietet natürlich das Meer. Frischen Fisch und Meeresfrüchte findet man in jedem Haushalt und auf allen Speisekarten. Ebenso ist die üppige Vegetation der Inseln Basis für frisches Obst und Gemüse in allen Variationen. Wenn Sie die Gelegenheit haben, einheimisches Rind-, Ziegenfleisch oder Hähnchen zu probieren, werden Sie den Unterschied im Geschmack und in der Konsistenz zu industriell verarbeitetem Fleisch bemerken. Hinzu kommen frische Kräuter und Gewürze aus allen Küchen der Welt. Alle Einwanderer der Karibik haben Elemente aus ihrer Kultur mitgebracht: scharf gewürzte Currys, Pökelfleisch oder Stockfisch, Teigtaschen mit Füllung, honigglasierte Grillhähnchen, ja inzwischen halten sogar Satéspießchen, Gazpacho, Sushi und Tapas Einzug auf den Speisekarten vieler Restaurants. Daneben gibt es natürlich auch Fastfood amerikanischer Herkunft: auf allen Inseln (bis auf Kuba) findet man Burger King, Wendys oder McDonald's-Filialen.

Die kreolische Küche jedoch ist ein kulinarisches Erlebnis und auf allen Inseln ähnlich. Wenn Sie Langusten und Garnelen, Thunfisch und Brassen schätzen: Fisch und Meeresgetier, frisch gefangen, stehen fast immer auf der Speisekarte. Und als Beilagen gibt es tropische Gemüse- und Obstarten, die zu Hause oft überhaupt nicht oder nur zu hohen Preisen erhältlich sind, wie Kochbanane und Brotfrucht, Cassava und Yams. Und mit den Gewürzen geht es weiter: Auf den Großen Antillen wird gern scharf gegessen und kräftig gewürzt, in vielen Gerichten findet man Zwiebeln, Chili, Knoblauch, Paprika, Ingwer, Muskat oder Piment.

Und dennoch unterscheiden sich die Inseln in ihrer Küche voneinander. Das kommt sehr gut bei den beliebtesten Gerichten zum Ausdruck, die von Insel zu Insel verschieden sind. Die Küchen Puerto Ricos, der Dominikanischen Republik und Kubas weisen mehr Gemeinsamkeiten auf - hier zeigt sich das spanische Erbe. Beliebte kubanische Gerichte sind moros y cristianos (Mohren und Christen), ein Reisgemisch mit Bohnen, und der Rinderhackbraten picadillo. Jamaikas "Nationalgerichte" sind jerk chicken oder jerk pork, saltfish with ackee und, für zwischendurch, patties. In der Dominikanischen Republik empfehlen sich der Eintopf sancocho und das Reisgericht la bandera. Auf Puerto Rico ist das risottoartige asopao ein Muss, Snacks sind empanadillas und die an patties erinnernden tacos. Auf den Cayman Islands gibt es eine Farm, in der Schildkröten kommerziell gezüchtet werden - auf einheimischen Speisekarten wird ihr Fleisch als Suppe oder Steak angeboten.

Auf den Bahamas ist von der Vielfalt der kreolischen Küche nichts zu merken: Hier wird einfach und bodenständig gekocht - vieles bedauerlicherweise auch frittiert - und der Fisch zu Suppe verarbeitet. Doch keine Angst, in Nassau, Freeport und in allen besseren Resortanlagen kommt internationale Küche auf den Tisch, oft mit tropischen Früchten und karibischen Gewürzen verfeinert. Wer Süßes liebt, sollte guava duff (Pudding aus Guaven mit Rumsauce) oder coconut jimmy (süße Klöße in Kokossauce) bestellen.

In der Dominikanischen Republik werden als Dessert gerne chacá, eine Süßspeise aus Kokosnuss, Mais, Milch, Zucker und Zimt, oder habichuelas con dulce, ein süßer Nachtisch aus Bohnen, gegessen. Auf Kuba liebt man flan de huevos, eine Art Creme Caramel, oder coco rallado, in Sirup geraspelte Kokosnuss, oft mit Käse serviert. In Puerto Rico isst man ebenfalls gern flan, hier mit tropischen Früchten, außerdem stehen sättigende Kuchen mit Banane und Kokosnuss auf der Dessertkarte. Auf Jamaika lässt man sich Rum-Kuchen schmecken und zu Weihnachten gibt es matrimony, ein Fruchtsalat mit Star Apple.

Die Getränkewahl auf den Großen Antillen ist vom Klima bestimmt. Fruchtsäfte sind tagsüber gute Durstlöscher, Mineralwasser ist nicht immer zu haben. Eisgekühltes einheimisches oder importiertes Bier dagegen ist überall erhältlich. Das jamaikanische Red Stripe gehört für viele Europäer zu den Lieblingsbieren. In besseren Restaurants und Hotels bekommen Sie nicht nur trinkbare italienische und französische Landweine, sondern mitunter Spitzenerzeugnisse europäischer oder kalifornischer Anbaugebiete. Auf den Bahamas können Sie sich mit Kalik Beer erfrischen - oder mit Bahama Mama, einem Mixdrink aus Kokosschnaps, Ananas- und Orangensaft sowie Grenadine und Nassau Royale.

Auf allen Inseln der Großen Antillen gibt es eigene Rumsorten. Der jüngere, weiße Rum ist die ideale Grundlage für Cocktails aller Art. Einige der großen klassischen Cocktails werden auf der Basis von karibischem Rum gemischt (und karibisch heißt in diesem Fall meist kubanisch oder puertoricanisch): Daiquiri, Mojito, Planter's Punch, Mai Tai oder Cuba Libre. Aber auch der ältere, braune Rum ist eine Delikatesse: Den Añejo, den "Alten", wie er meist genannt wird, sollten Sie auf jeden Fall einmal pur probieren.

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Die Reiseschriftstellerin ist auf die Karibik spezialisiert und seit 1991 regelmäßig auf den Inseln unterwegs. Über Freunde kam sie auf die "West Indies", erste Reisen gingen nach Jamaika und Kuba. Am meisten reizt sie die Vielfalt der Menschen, ihre Kulturen, Sprachen und Gewohnheiten und natürlich auch die Küche: Jerk Chicken und die gut gewürzten Eintöpfe der spanischsprachigen Inseln.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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