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Reiseführer Italien:Special

Die „ombra“

Warum man im Veneto einen „Schatten” trinkt

Immer schon tranken die Veneter gern ihre frischen Weine, in den zahllosen Weinstuben, auf Märkten, bei Festen auf der Piazza. Hier unter freiem Himmel, als es noch keine Kühlschränke gab, suchte man dem Wein ein schattiges Plätzchen und dem, der ihn trank, gleich dazu: aus „andemo a bever all'ombra“ (gehen wir im Schatten einen trinken) wurde „andemo a bever un'ombra“ (gehen wir einen Schatten trinken) - die ombra trinkt man auch heute noch im Veneto, ein Gläschen kühlen Weißweins am Tresen der Bar.

Aperitifbars in Mailand

Die Tradition der Happy Hour ist lebendiger denn je

Sich nach getaner Arbeit am Tresen zu einem entspannenden Drink zusammenzufinden passt zu dieser geschäftigen, quirligen Stadt, und das eigentlich immer schon. Schließlich wurde hier Mitte des 19. Jhs. der legendäre Campari erfunden. Derzeit ist der aperitivo zur Happy Hour in Milano und auch sonst in Norditalien angesagter denn je. Ab 19 Uhr geht es los, dazu tischen die Bars raffinierte Häppchen, exotische Salate, Pasta, Obst- und Gemüsesnacks auf. Man trinkt light: phantasievoll dekorierte, nicht zu stark alkoholische Drinks aus Frucht, Minze, prickelnden Weißweinen. Oder den Mailänder Klassiker Zucca aus Rhabarberextrakt, Eis, Soda und Orangenscheibe. Sehr beliebt ist es, sich in den schönen Bars der neuen, luxuriösen Designhotels zu treffen, etwa im Nhow (Via Tortona 35 | www.nhowhotels.com) oder im Bulgari Hotel (Via Privata Fratelli Gabba 7 b | www.bulgarihotels.com).

Pasta Antimafia

Nudeln essen gegen die organisierte Kriminalität

Möchten Sie auf Ihrer Italienreise aktiv etwas gegen die Mafia tun? Das können Sie, indem Sie Pasta des Labels „Libera Terra“ kaufen, z.B. in einem der in ganz Italien vertretenen Supermärkte der Kette Ipercoop. Viele Hunderte Hektar Land aus dem Besitz überführter Mafiabosse sind in den letzten Jahren auf Sizilien konfisziert und engagierten Biobauern übergeben worden, die hier Weizen, Tomaten, Oliven anbauen und zu Pasta, Dosentomaten und Öl verarbeiten. Vor allem in Mittel- und Norditalien sind ihre Produkte zu haben, der Süden tut sich noch schwer. Doch das Beispiel macht Schule, auch in Kampanien, Kalabrien, Apulien sind auf ehemaligem Mafialand neue, legale Bauernbetriebe im Entstehen begriffen. www.liberaterra.it

Pizza napoletana

Der Siegeszug von Neapels Fastfood aus dem 18. Jh.

Sie taucht im 18. Jh. als schneller und billiger Imbiss auf den Straßen Neapels auf: ein ganz simpler, elastischer Teig aus Mehl, Hefe, Wasser und Salz, gewürzt mit Olivenöl, Origano, Basilikum, später kommen Tomaten und gesalzene Sardellen dazu. Anfang des 19. Jhs. ist Neapel schon voller Pizzerien, aber im restlichen Italien kennt man sie noch nicht. Hierher gelangt sie erst im 20. Jh., und zwar auf dem Umweg über Amerika. Dort hatte sich die Pizza durch die italienischen Emigranten geradezu boomartig verbreitet, und von dort trat sie nun ihren Siegeszug nach Europa an. Obwohl man sie heute überall bekommt, ist bei einem Besuch Neapels der Genuss einer echten pizza napoletana (mit Tomaten, Mozzarella und Sardellen) immer ein Erlebnis.

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Bettina Dürr pendelt seit bald drei Jahrzehnten zwischen Bologna und Düsseldorf. Sie schreibt Reiseführer und übersetzt Kinder- und Jugendliteratur. Gelegentlich organisiert sie für kleine Gruppen Kurzreisen zu ausgewählten Themen. So kommt sie fast automatisch viel in Italien herum. Richtig Ferien machen kann sie kaum noch - eine Art Berufsdeformation.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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