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Reiseführer Gardasee:Essen & Trinken

Schmackhaftes aus drei Regionen: Kräftige Rotweine begleiten Deftiges aus den Alpen, frische weiße die Fische aus dem See

Vorausgesetzt, Sie bestellen nicht immer nur Pizza oder Wiener Schnitzel (auch wenn das absolut in Ordnung ist, das panierte Kalbfleisch wird nämlich auch in Italien gut zubereitet und gerne gegessen, nur heißt es hier cotoletta milanese). Die Gardaseeküche hingegen sieht anders aus. Der See hat drei Anrainerregionen, im Norden das Trentino, am Ostufer Venetien und im Westen die Lombardei. Wenn Sie in guten Lokalen essen, können Sie die Unterschiede der jeweiligen Küche verkosten. Gemeinsam ist allen drei Regionen, dass rund um den See Fisch auf der Karte angeboten wird.

Wer auf der Speisekarte sardine di lago entdeckt, sollte die seltene Gelegenheit nutzen. Dabei handelt es sich um eine Rarität, denn normalerweise sind Sardinen Meeresfische. Es gibt aber eine Unterart (Alosa Fallax) im Gardasee, die auf Deutsch Finte genannt wird. Ursprünglisch schwammen die Sardinen wohl nur zum Laichen ins Süßwasser, wie heute noch der Lachs, aber irgendwann scheinen sie im See sesshaft geworden zu sein. Früher wurden die Sardinen zur Haltbarmachung in Salz eingelegt. Zur Zubereitung wurde dieses abgewaschen, die Sardinen wurden klein geschnitten und unter Pasta gemischt. Spaghetti con sardine di lago sind auch heute noch ein beliebtes Gericht.

Das Trentino bietet die deftigste Küche, schließlich ist es eine Alpenregion; manche Gerichte sind für Sommerabende am See fast zu schwer. Wer würde bei großer Hitze Speck- oder Käseknödel essen wollen? Das erinnert höchstens daran, dass man auch einmal im Winter an den Gardasee fahren könnte – dann ist alles ruhiger, und man kann, bei kühlen Winden fröstelnd, eine schwere, warme Mahlzeit durchaus genießen. Weiterer Pluspunkt eines Winteraufenthalts: Im Dezember werden an den Hängen des Monte Baldo Trüffeln (tartufi) geerntet, eine Köstlichkeit!

Natürlich gibt es auch Pasta in allen Variationen, gerne gegessen werden z. B. tajadele co' i fonghi, Tagliatelle mit Pilzen, vornehmlich mit Pfifferlingen. Auch wenn Reis weiter aus dem Süden kommt, aus der Poebene, gibt es im Norden des Sees häufig Risotto; vor allem mit Steinpilzen (porcini) wird er hier zubereitet. Als Beilage unverzichtbar ist Polenta, ein mächtiger, goldgelber Brei aus Maisgrieß, der in ganz Norditalien verbreitet ist. Die kräftige Küche verlangt nach ebensolchen Weinen. Zwei vorzügliche, nur im Trentino gekelterte Rotweine sind Teroldego und Marzemino.

Der typische Wein am Ostufer ist der rote Bardolino, der mittlerweile in guter Qualität produziert wird. Wer sich genauer informieren möchte, fährt die Strada del Vino entlang. Auch feine Weißweine gibt es im südöstlichen Teil, vor allem den Lugana. Am Westufer wird weniger Wein produziert. Wer es prickelnd liebt, wird hier nach Sekt Ausschau halten, der in der Franciacorta im Südwesten des Sees im Champagnerverfahren hergestellt wird.

Klassische Gerichte des südöstlichen Ufers sind u. a. mit Ziegenkäse gefüllte Zucchiniblüten oder die regionaltypische Pastasorte bigoli. Im Westen findet man mehr Geflügel, z. B. Perlhuhnbrust (petto di faraona). Ein sehr beliebtes primo sind tortelli di zucca, Teigtaschen mit Kürbisfüllung.

Weder nach Genua noch nach Venedig ist es weit, und das heißt: Das Mittelmeer bestimmt den Speisezettel. Viel Gemüse wird zubereitet, entweder vom Grill oder eingelegt als Vorspeise. Unverzichtbar die Tomate – wer diese hier im Salat, als caprese (Tomaten, Mozzarella und Basilikum) oder in Pastasaucen genossen hat, wird nur noch ungern auf die roten Kugeln zurückgreifen, die er zu Hause im Supermarktregal findet.

Bei den Desserts sind der Kalorienzahl keine Grenzen gesetzt. Wenn es mal leichter sein soll, bestellen Sie eine macedonia, einen Obstsalat aus frischen Früchten, oder fragen einfach nach frutta fresca, frischem Obst: Derart leckere fruchtsüße Aprikosen und Pfirsiche, Nektarinen und Pflaumen bekommen Sie zu Hause nur selten.

Und hat man doch mal zu viel gegessen: Das Trentino ist für seine Grappas berühmt. Man trinkt die Tresterschnäpse meist klar, gelegentlich aber auch angesetzt mit Kiefernnadeln, Vogelbeeren, Enzianwurzeln. Weniger bekannt ist der feine vino santo aus der Gegend des Toblinosees. Dafür werden Nosiolatrauben auf hölzernen Regalen getrocknet. Der Desertwein schmeckte schon den Herren des Konzils von Trient; in einer Chronik ist zu lesen, zum „famosen Bankett“ vom 25. Juli 1546, das der Kardinal von Trient schmiss, habe es exquisite Weine von den Hügeln rund um Trento gegeben und „vini dolci di Santa Massenza“.

Was die Kategorien der Restaurants anbelangt, finden Sie rund um den See so ziemlich alles, von der schnellen Pizza auf die Hand bis zu Gourmettempeln (vor allem um Salò und Gargnano). In der Hauptsaison und grundsätzlich bei teureren Lokalen gilt als dringende Empfehlung: Reservieren Sie!

Noch ein Wort zu den Pizzerien: Leider haben die Preise für den beliebten Teigfladen unverhältnismäßig angezogen. Oft bezahlt man für eine Pizza ab 8 Euro, was in keiner Relation zum Wareneinsatz steht. Wer nur ein bisschen mehr ausgibt, kann in einem besseren Restaurant aufwendig und frisch zubereitete Pasta oder sogar Fleisch oder Fisch bekommen. Wer nicht so viel ausgeben kann oder möchte, dem seien die Wochen- und Supermärkte empfohlen. Zum Preis von zwei Pizzen bekommt man allemal ein paar panini, Käse aus der Umgebung, Salami, Oliven und natürlich Tomaten und am besten noch ein Bund Basilikum. Damit setzt man sich an den Strand, auf einen Steg oder an einen Berghang – und dann heißt es buon appetito!

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Als Barbara Schaefer in München Theaterwissenschaft studierte, lebte sie einige Wintermonate in Gardone und forschte im Vittoriale zu der großen Schauspielerin Eleonora Duse. Bis heute ist für sie der Gardasee mal Zwischenstopp auf dem Weg in den Süden, mal Ziel des Urlaubs. Barbara Schaefer (www.barbara-schaefer.de) lebt in Berlin und schreibt Reportagen und Reisebücher.

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Quelle: www.marcopolo.de

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