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Reiseführer Frankreich:Auftakt

MARCO POLO Koautorin Andrea Reidt

Entdecken Sie Frankreich!

Das Glück wohnt in Frankreich. Es gibt wohl kein anderes europäisches Land, dessen Natur und Kultur so vielfältige Möglichkeiten bieten, abwechslungsreiche und erholsame Ferien zu verbringen. Kaum ein Urlaubswunsch, der nicht erfüllbar wäre: Mittelmeerstrände mit mondänen Seebädern, Atlantikküsten mit kilometerlangen Sandstränden, steilen Felswänden und würziger Salinenluft. Gebirge mit einsamen Wanderwegen und weitläufigen Skigebieten, tiefe Schluchten, sanfte Hügelketten und liebliche Ebenen, versteckte Dörfer an gemächlich plätschernden Flüsschen, breite Ströme und rauschende Wildbäche.

Die Aufzählung ließe sich endlos fortsetzen: bläulich-violett schimmernde Lavendelfelder, römische Arenen und Aquädukte. Prächtige Königsschlösser, phantasievoll gepflegte Parkanlagen, etwa 200 Kathedralen, bedeutende Kunstschätze in Museen. Pulsierende Ballungsräume, quirlige Regionalstädte, beschauliche Provinzorte – und natürlich Paris, glanzvolle Metropole der Mode, der Kunst, der Gastronomie.

Keine Reise nach Frankreich gleicht der anderen, was lässt sich nicht alles unternehmen und entdecken! Städtetrip nach Paris, Bordeaux, Marseille, Toulouse, Lille oder Lyon? Skiurlaub im Schatten des Mont Blanc? Badeferien an der Côte d'Azur, auf der Île de Ré, in einem Seebad der Normandie? Wellenreiten bei Arcachon? Wandern in den Pyrenäen oder Cevennen? Reiten in der Camargue? Radtouren im Tal der Drôme? Abenteuerliches Rafting in der Ardèche? Hausbootfahren auf dem Canal de Bourgogne? Shoppen in Nizza? Malen in Le Havre wie die Impressionisten? Nach Lourdes pilgern? Studententrubel in Aix-en-Provence oder Montpellier mitmachen? Alles ist möglich.

Für welche Form Urlaub Sie sich auch entscheiden, überall in Frankreich begegnen Sie Menschen, die das Leben zu genießen verstehen und ihrem grauen Alltag mit einfachen Mitteln eine sinnliche Note abringen. Es ist diese Leichtigkeit des Seins, die den Franzosen den weltweit übereinstimmenden Ruf des Savoir-vivre verschafft hat. Der Begriff bezeichnet eigentlich eine Art Knigge, denn die Franzosen legen großen Wert auf gute Umgangsformen, Höflichkeit, passendes Outfit, Tischkultur, gepflegte Sprache und andere Benimm-Regeln. Im internationalen Image Frankreichs als attraktivem Reiseland wandelte sich jedoch die Bedeutung des Savoir-vivre: Gemeint ist die Kunst des Well-Being, im Sinn des sprichwörtlichen Lebens „wie Gott in Frankreich“, und zwar keinesfalls beschränkt auf Haute-Cuisine, schmackhafte Weine und brodelndes Nachtleben.

Frankreich ist nicht nur weltweit das beliebteste Touristenland, selbst die Einwohner zieht es selten in die Ferne: Fast 80 Prozent der Inländer verbringen Sommerferien und Kurzurlaube im eigenen Land. Das Gebiet Frankreichs umfasst 551 000 km2 , darin leben 61 Mio. Menschen. Sandige und felsige Küsten säumen die Meere auf rund 3400 km, die alpine Gebirgskette erhebt sich bis zu 4808 m auf die Mont-Blanc-Spitze. Die Loire ist mit 1012 km der längste Fluss des Landes.

„Paris ist Frankreich“, sagte schon Goethe. Die Metropole an der Seine bildet den Mittelpunkt des zentralistisch organisierten Staats. Hier treffen sich alle Verkehrsadern, hier sitzen die meisten Konzerne und Unternehmen sowie die Verwaltung. Bedeutende Monumente und Sehenswürdigkeiten drängen sich auf engem Raum.

Auch im 21. Jh. bleibt Paris der Nabel des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Geschehens. Dennoch haben andere Großstädte aufgeholt. Marseille ist längst nicht mehr der gefährliche Immigrantenslum, sondern eine attraktive, sehenswerte Metropole. Lyon und Bordeaux punkten wirtschaftlich mit Hightech und Biochemie, kulturell mit Kunst und Architektur. Auch Toulouse, Nizza, Straßburg und Lille gehören zu den Aufsteigern en province, wie die Pariser abschätzig alles außerhalb ihres urbanen Umfelds nennen. Innenstädte wurden nach und nach restauriert, modernisiert und mit auffallenden Neubauten ausgestattet. Das öffentliche Verkehrsnetz wurde erheblich erweitert. Der Hochgeschwindigkeitszug TGV rast seit dem Jahreswechsel 2011/12 mit 320 km/h über die Schienen der Achse Rhein-Rhône durch Elsass, Franche Comté und Burgund. Die nächste Generation des TGV, die Süddeutschland mit Ostfrankreich und südlichem Midi verbinden soll, wird es gerade deutschen Touristen erlauben, noch rascher ans französische Ziel der Wahl zu gelangen. Die schnelleren Anbindungen erlauben es jungen Familien und karriereverwöhnten Paaren mittlerweile, der Megalopolis Paris oder anderen Ballungsräumen den Rücken zu kehren und aufs Land zu ziehen. Denn nicht nur die 86 Mio. Touristen, die jährlich Frankreich aufsuchen, schätzen den beschaulichen Lebensrhythmus ländlicher Provinz. Die Ruhe einer gewachsenen dörflichen Gemeinschaft in der Franche-Comté, die Gelassenheit eines provenzalischen Olivenbauern, das authentische Ambiente eines Trüffelmarktes im Périgord reizen auch Einheimische. Junge Leute übernehmen verwaiste Bauernhöfe oder renovieren alte Villen, um dort Gästehäuser zu eröffnen.

Südfrankreich mit seinem warmen Klima und landschaftlichen Gegensätzen gehört zu den reizvollsten Gegenden des Landes: im Osten die Alpen, im Südosten das azurblaue Mittelmeer, im Südwesten die Pyrenäen und die windumtoste Atlantikküste, die dank ihrer Wellenbrecher an langen Stränden ein internationaler Hotspot für Surfer ist. In der Gegend von Bordeaux, im Burgund, Elsass und in der Champagne ziehen sich die Weinstöcke in strengen Linien die Hügel entlang bis zum Horizont, ein Panorama, angesichts dessen einem das Herz aufgeht, vor allem im Herbst, wenn sich die Weinblätter rötlich färben. Immer grün dagegen sind im Nordwesten die Weideflächen der Bretagne und der Normandie sowie die nördlichen Ebenen der Picardie, des französischen Flanderns und im Artois, wo der Himmel sich weit über das Flachland zieht.

Im Sommer finden allerorten regionale Volksfeste statt, fêtes votives. Am nationalen Tag der Fête de la Musique zu Ehren des Sommeranfangs am 21. Juni singt und tanzt das ganze Land. Am grünen Tisch des Pariser Kulturministeriums wurde die Tradition eines nationalen Gartentags unter dem Motto Rendez-vous aux jardins geboren: Die ersten Junitage verbringt man daher vorzugsweise in Parks, Landschafts-, Blumen- und Nutzgärten. Ein anderes wichtiges Datum ist der dritte Donnerstag im November, wenn der Fassanstich des jungen Rotweins Beaujolais Primeur stattfindet. Frankreichs erfolgreichster Exportschlager sorgt dafür, dass die Winzer 25 Mio. Flaschen des frisch gekelterten Beaujolais in alle Welt verkaufen.

Egal, wie oft Sie Frankreich besuchen, Sie werden garantiert immer Neues entdecken in diesem reichen europäischen Land.

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Die Wiesbadener Journalistin Andrea Reidt besuchte als Kind fünf Jahre eine Schule in Nordfrankreich. Studium, Ausbildung und Beruf führten sie nach Paris, in die Auvergne, Normandie, ins Burgund und Languedoc. Familie, Freunde und Frankophilie regen sie oft an, neue französische Regionen zu erkunden und ihre Lieblingsorte von Lille bis Toulouse aufzusuchen.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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