bedeckt München 15°

Reiseführer England:Essen & Trinken

Chicken Tikka Masala contra Fish & Chips - kulinarische Einflüsse aus aller Welt und junge Köche revolutionierten Englands Küche

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Inder als willkommene Arbeitskräfte ins Land. Dort fanden sie eine Gewürzwüste vor und importierten kurzerhand ihre heimischen Zutaten. Inzwischen ist die Insel "bekehrt". Nicht fish & chips, sondern curry wird von vielen als Lieblingsgericht angegeben: chicken tikka masala (Huhn in scharfer Sauce) - die Nummer eins unter den Currys - gefolgt von dem milderen korma (mit Kokos) und extrascharfen vindaloo. Trotzdem sind natürlich fish & chips, also paniertes Fischfilet mit Pommes, sehr beliebt, vor allem im Norden Englands, wo sich unter der Panade meist Schellfisch verbirgt. Das Angebot an Meeresfrüchten und Fisch wird immer besser. Räucherfisch, Austern aus heimischen Gewässern, Hummer und Krebsfleisch genießt man natürlich am besten in Küstennähe.

Eine andere sehr englische, genauer kornische Spezialität ist Cornish pasty. Es heißt, dass die Bergarbeiter die gefüllte Blätterteigpastete als Mittagessen in das Bergwerk mitnahmen, doch lediglich die Füllung aßen und den Teig als Dank für die Zwerge unter Tage liegen ließen. Früher wurde vor allem roher Fisch eingebacken, heute werden über 20 verschiedene Variationen verkauft, meistens ist Fleisch mit Kartoffeln und Gemüse in der Pastete.

Hatten die Briten mit ihrer Küche viele Jahre hindurch wenig zu bieten, haben sie jedoch bei den Nachtischen immer einen hervorragenden Standard gehalten: bei den puddings. Die Bezeichnung pudding hat übrigens nichts mit dem deutschen Pudding zu tun, sondern ist eher ein Sammelbegriff für auflaufähnliche Nachspeisen.

Mittlerweile wird es sich herumgesprochen haben, dass die lange kränkelnde englische Küche in den vergangenen Jahren revolutioniert wurde. Die Gastronomie in London kann es inzwischen leicht mit der in New York und Paris aufnehmen. Die britische Hauptstadt zählt allein rund 50 Sternerestaurants, und die Rezepte von englischen Starköchen wie Jamie Oliver und Gordon Ramsey kennt inzwischen die halbe Welt. Doch nicht nur in London gibt es Restaurants auf hohem Niveau, kulinarisch verwöhnt wird man auch in Manchester, Liverpool oder in kleinen Orten wie Padstow.

Gut und authentisch ist die ethnische Küche dort, wo Einwanderer leben, d. h. vor allem in den Großstädten. Alle Länder sind in England vertreten - von Afghanistan bis Vietnam. Um sicherzugehen, gute Küche zu bekommen - denn bis zum allerletzten Ort ist die kulinarische Revolution natürlich noch nicht vorgedrungen -, sollten Sie sich den Good Food Guide England kaufen. Und noch eins: Obwohl es allein in London 8000 Restaurants geben soll, empfiehlt es sich, den Tisch für den Abend telefonisch zu reservieren. Zudem sind die Öffnungszeiten der Restaurants sehr individuell. Es ist insofern ratsam, vorher anzurufen. Viele der besseren Lokale haben sonntags und montags geschlossen. Außerhalb der Großstädte, vor allem sonntags, stellen Gaststätten oft überraschend früh die Stühle hoch. Man sollte sich bis 20 Uhr einen Tisch gesichert haben. Mittags werden oft nach 14 Uhr keine Bestellungen mehr angenommen.

Die Restaurantpreise sind auf der Insel hoch. Es gibt jedoch einige Möglichkeiten, die Rechnung niedriger zu halten: Meist liegen die Mittagspreise weit unter denen am Abend. Auch werden dann Menüs angeboten, die wesentlich billiger sind, als à la carte zu essen.

Die Speisekarte (menu) ist normalerweise in kalte und warme Vorspeisen (starters), Hauptgerichte (main dishes) und Nachspeisen (desserts) unterteilt. Das ist einfach. Nicht so einfach ist es manchmal auszurechnen, was Sie letztendlich zahlen werden. In manchen Restaurants müssen Sie zusätzlich zum eigentlichen Preis die Mehrwertsteuer von 20 Prozent einrechnen, in anderen wird pro Rechnung (bill) eine service charge von 12,5 Prozent hinzugezählt. In diesem Fall brauchen Sie kein Trinkgeld mehr aufzuschlagen, das sich normalerweise zwischen 10 und 15 Prozent bewegt. Auch in den Pubs wird kein Trinkgeld gegeben. Der Kunde holt sich dort alles am Tresen.

Noch ein Wort zum Bier. Ausgeschenkt wird es in pints (0,568 l), wobei sich diese Angabe meist auf das Fassungsvermögen des Glases bezieht. Was bedeutet, dass die Gläser auch bis zum Rand voll geschenkt werden - man bezahlt schließlich für ein Pint. Wem das zu viel ist, der bestellt ein halbes Pint (half oder glas). Bier wird unterschieden in lager (Helles) und bitter (Dunkles). Ein stärkeres Dunkelbier heißt stout - unter dem Markennamen "Guinness" kennt es die halbe Welt. Mindestens je eine gezapfte Sorte Lager, Bitter und Stout gibt es in fast jedem Pub. In vielen Orten wird zudem real ale - das wahre Bier - verkauft, das kaum mit Kohlensäure versetzt ist, sodass es per Handpumpe - oft bei Raumtemperatur - gezapft wird.

Weiter zu Kapitel 4

Es muss irgendwo zwischen dem Ärmelkanal und dem ersten englischen Frühstück gewesen sein, als der Journalist noch zu Schulzeiten seine Vorliebe für die Britischen Inseln entdeckte. Inzwischen berichtet er seit fast 15 Jahren über Land und Leute, Politik und Sonderbares in Großbritannien und Irland. Zeitweise lebte er in Bristol, wo er auch heute noch regelmäßig anzutreffen ist.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

Zur SZ-Startseite