Süddeutsche Zeitung

Reiseführer Dänemark:Auftakt

Entdecken Sie Dänemark!

Keine Frage, Dänen haben es gern gemütlich. Besonders an den langen, dunklen Winterabenden. Bei Kaffee, einem Bier oder Aquavit, bei smørrebrød, das als kleine Zwischenmahlzeit mittags verzehrt wird, einem abendlichen Festschmaus – und bei rødgrød med fløde (Rote Grütze mit Sahne), die tatsächlich eine Spezialität des Landes ist.

Doch die etwa 5,5 Mio. Nordeuropäer im kleinen Königreich, die ihrer Regentin Margrethe II. schon seit rund 40 Jahren die Treue halten, sind längst nicht immer typisch. Denn auch am Staat mit der ältesten Nationalflagge der Welt – der heute noch an allen Häusern wehende Danebrog fiel der Legende nach 1219 bei der Schlacht von Reval vom Himmel – ging und geht die Moderne nicht vorbei. Ganz im Gegenteil. Dänischer Erfindergeist und Geschäftssinn hat Weltfirmen wie die Hightechschmiede Bang & Olufsen, den Spielzeugerfinder Lego, den Brauereigiganten Carlsberg (zu dem auch die Traditionsmarke Tuborg gehört) oder die weltgrößte Reederei Mærsk zu internationalen Playern gemacht. Viele Jahre lang brummte die dänische Wirtschaft anhaltend, beneidet von nahen und fernen Nachbarn. Das Zentrum der Aktivitäten liegt in Kopenhagen und um die Hauptstadt herum: Rund um die Hafenmetropole haben sich im zurückliegenden Jahrzehnt zahlreiche nationale und internationale Unternehmen angesiedelt. Hier wird Zukunft gemacht: Über 200 000 Studierende eignen sich an den Universitäten und Hochschulen das nötige Rüstzeug an.

Einen großen Schub brachte im Sommer 2000 die 16 km lange Øresundbrücke zwischen der dänischen Hauptstadtinsel Seeland und dem südschwedischen Malmö. Rund um das weithin sichtbare Bauwerk wuchs ein neuer Wirtschafts- und Ausbildungsraum an der Grenze von Skandinavien und Mitteleuropa empor, dessen Potenzial noch immer nicht ausgeschöpft ist. Entlang der Hafenfront entstanden und entstehen architektonische Highlights wie der „Schwarzer Diamant“ genannte Erweiterungsbau der altehrwürdigen Königlichen Bibliothek, das 2005 eingeweihte neue Opernhaus des Architekten Henning Larsen oder das attraktive Schauspielhaus von 2008. Im Süden der Hauptstadt ist das neue Stadtviertel Ørestad fast vollendet, in dem um die 20 000 Menschen leben und arbeiten sollen. Doch Kopenhagen wäre nicht dänisch, wenn der nächste Sandstrand nicht selbst in der Hauptstadt schnell erreicht wäre. Denn trotz moderner Zeiten lebt man in Dänemark auch im 21. Jh. mit der Natur.

Die Badestrände an Nord- und Ostsee machen Dänemark zu einem idealen Ziel für genussvolle Sommerurlaube mit abwechslungsreichen Strandtagen. Doch auch stundenlange Strandspaziergänge in Frühjahr, Herbst oder Winter garantieren Abschalten vom Stress und natürliche Wellness.

Die meisten Dänemarkurlauber fahren nach Jütland, wenn sie das nordische Königreich besuchen. Jylland, so der dänische Name fürs kontinentale Dänemark, ist mit 30 000 km2 etwa so groß wie Brandenburg. Wer hierher kommt, besucht selten das überwiegend landwirtschaftlich geprägte Binnenland oder das an Wäldern und Hügeln reiche Seenhochland rund um Silkeborg. Nein, die Gäste hier suchen Erholung an einem der kilometerlangen Strände von Nord- und Ostsee, lassen sich im Sommer von der Sonne bescheinen, baden. Tanken im Herbst und Winter bei Wind und Sturm sauerstoffreiche Salzluft. Platz für einsame Spaziergänge findet sich immer.

Allein an der Westküste ziehen sich über 400 km Strände und Dünen von der Ferieninsel Rømø im Wattenmeer bis hoch hinauf an die Nordspitze Grenen bei der einstigen Künstlerkolonie Skagen, deren nordisches Licht bis heute berühmt ist. Auch die großen Kultur- und Shoppingmetropolen liegen nahe am Meer: Aarhus am Kattegat und Aalborg am Limfjord, dem größten Fjord des Landes. Eine Art Geheimtipp und noch echte Ziele für Entdecker und Naturfans sind die dänischen Wälder. Etwa 14 Prozent des Landes bestehen aus Wäldern. Dänemarks größter Wald liegt in Jütland: der Rold Skov südlich von Aalborg misst 80 km2 .

Die Insel Fünen ist eine Art Verbindungsglied zwischen Jütland und Seeland. Die Heimat des Märchendichters Hans Christian Andersen ist selbst von zahlreichen kleinen Eilanden umgeben: Die sogenannte dänische Südsee zwischen Ærø, Langeland, Als und kleinen Flecken wie Lyø oder Avernakø gilt als eines der beliebtesten Segelreviere Europas. Von hier ist es nur ein Katzensprung nach Ostdänemark mit den Inseln Lolland, Falster und Møn. Alle drei besitzen herrliche Sandstrände, und die Temperaturen liegen meist etwas über dem Landesdurchschnitt. Dazu kommt ein Naturwunder: Møns Klint, die Kreidefelsen von Møn, sind ein faszinierendes Muss für Dänemarkbesucher.

Historisch ganz besonders reich ist die Hauptstadtinsel Seeland. Nirgendwo sonst im Land gibt es so viele Schlösser und Herrenhöfe wie hier und auf dem benachbarten Fünen. Und neben der Hauptstadt Kopenhagen liegt mit Roskilde auch der frühere Königssitz auf Seeland. Womit wir bei einem Stück Tradition wären, das den durch und durch demokratischen Dänen ebenso lieb wie teuer ist: dem Königshaus. Dänemark ist königs- bzw. königinnentreu und steht fest zu seiner künstlerisch begabten Regentin Margrethe II. Und die nächste und übernächste Monarchengeneration ist auch schon in den Herzen verankert: Zehntausende feierten mit Kronprinz Frederik in den Straßen von Kopenhagen, als dieser im Sommer 2004 seine Auserwählte Mary heiratete. Millionen Menschen verfolgten die Traumhochzeit vor den Fernsehschirmen – ein Land im Ausnahmezustand. Keine Frage: Anders als in anderen Monarchien ist der Sturz des Throns in Dänemark kein Thema. Für Fans der Royals gilt im Übrigen: Wenn über dem Königsschloss Amalienborg in Kopenhagen die älteste Flagge der Welt weht – der am 15. Juni 1219 in der Schlacht von Reval vom Himmel gefallene Dannebrog –, sind Margrethe II. und ihr Mann Henrik zu Hause. Sommerliche Besucher der dänischen Hauptstadt suchen die rot-weiße Nationalflagge aber meist vergeblich: Denn im Juli und August halten sich Königin und Prinzgemahl wahlweise in der königlichen Sommerresidenz Marselisborg in Aarhus oder auf der königlichen Yacht „Dannebrog“ zur traditionellen Sommerreise durch die Provinzen des Landes auf.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/tg.5596.125777
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
Direkt aus dem dpa-Newskanal