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Reiseführer Côte d'Azur:Stichworte

Hinter den Kulissen der Côte d'Azur gibt es mehr zu erleben als nur sommerliches Strand- und Promenadentheater

Autorennen

Der Markenname eines der größten und renommiertesten Automobilherstellers des Welt ist an der Côte d'Azur erfunden worden. Der einst in Nizza lebende Kaufmann Emil Jellinek benötigte ein Pseudonym für die von ihm gemeldeten Fahrzeuge für die ersten Autorennen der begüterten Herrenfahrer. Und so benannte er die Rennkutschen, die schon zu Beginn des 20. Jhs. über die Bergstraßen der südfranzösischen Küste rauschten, nach seiner Tochter Mercedes.

Die Tradition der Rennen an der Küste wird fortgeführt: Jedes Jahr im Januar gibt die 1911 erstmals gefahrene Rallye Monte-Carlo den Startschuss für die Rallye-Weltmeisterschaft der Autos. Monaco ist im Mai mit dem einzigen, 1929 eingeweihten Stadtkurs der Formel 1 dick im Millionengeschäft.

Bistrot de Pays

Weil Ende des letzten Jahrhunderts abseits der großen Touristenströme viele Dorfgaststätten mangels Kundschaft entweder nur im Sommer öffneten oder gleich ganz schließen mussten, legte Frankreich 1992 eines seiner wohl charmantesten Förderprogramme auf, „Bistrot de Pays“ genannt. Damit wirkte man erfolgreich dem Sterben der Landgasthöfe entgegen.

Das Konzept ist einfach und überzeugend: Das Dorf, in dem ein „bistrot“ liegt, darf nicht mehr als 2000 Einwohner zählen, der Gasthof muss einer der letzten Betriebe im Ort und das ganze Jahr über geöffnet sein. Die Wirte servieren regionale Spezialitäten und verkaufen an der Theke bisweilen auch Brot, Zeitungen, Straßenkarten oder Obst und Gemüse zum Teil aus biologischem Anbau. Inzwischen gibt es über hundert Betriebe vor allem im Hinterland von Nizza, in der grünen Provence rund um Cotignac oder im Verdon-Tal, die zu den besten Adressen in Südfrankreich zählen. Die komplette Liste steht, unterteilt nach Mini-Regionen, unter www.bistrotdepays.com im Internet.

Conservatoire du Littoral

Ein Haus am Meer ist der Traum vieler Menschen. Doch die hässliche Kehrseite jenes schönen Traums zeigt sich auch an der Côte d'Azur: Betonierte Küstenstreifen vor allem zwischen Cannes und Monaco, Privatstrände und architektonische Sünden versperren den freien Blick aufs Meer. Nach den Jahren der Bauwut hat Frankreich die Notbremse gezogen und schon 1975 das „Conservatoire du Littoral“ aus der Taufe gehoben, das in der Provence und an der Côte d'Azur mittlerweile mehr als 14 000 ha sowie mehr als 100 km Küste vor Immobilienhaien schützt. So hat die halbstaatliche Schutzgemeinschaft 1989 etwa das von privaten Investoren umworbene Gelände der Domaine du Rayol zwischen Bormes-les-Mimosas und der Halbinsel von Saint-Tropez gekauft. Das Küstenkonservatorium engagierte den Landschaftsarchitekten Gilles Clément, der den großzügigen Park in einen botanischen Lehrpfad mit Bäumen, Büschen und Blumen aus der ganzen Welt verwandelte.

Ein weiteres Beispiel sind die Küstenwanderwege, sentier littoral genannt, die den gesetzlichen Anspruch erfüllen, einen mindestens drei Meter breiten Streifen am Meer für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten. Die herrlichsten Wanderwege am Meer entlang gibt es deswegen selbst auf der Halbinsel von Cap d'Antibes oder am Cap Martin bei Monaco, aber auch auf der Halbinsel von Saint-Tropez. Nur durch den Vorgarten von Brigitte Bardot dürfen Fußgänger nicht stapfen; ihr Grundstück genießt Bestandsschutz.

Filmfestspiele

Auch wenn die Nostalgiker beharrlich von der schönen alten Zeit träumen, in der angeblich alles besser war: Cannes ist und bleibt das wichtigste Filmfestival in ganz Europa. Die „Goldene Palme“, die seit 1946 an der Croisette verliehen wird, verschafft im Mai Stars und Sternchen aus der ganzen Welt ein großes Rendezvous. Und das neugierige Publikum drängt sich weiter um die gigantische, mit einem roten Teppich versehene Treppe zum Hauptschauplatz, dem Festspielhaus, um einen Blick auf die Berühmtheiten zu werfen.

Flora

Durch die hohen Gebirgszüge vor den kalten Nordwinden geschützt, konnten an der Küste neben der angestammten Flora wie Eichen- und Kastanienwäldern, wilden Blumen und Sträuchern auch Pflanzen aus wärmeren Gegenden der Welt heimisch werden. Orangen- und Olivenbäume finden Sie allerorten. Der unsterbliche Olivenbaum mit den knorrigen Ästen und dem silbern schimmernden Laub wurde vor etwa 3000 Jahren aus Griechenland importiert. Hauptanbaugebiete sind heute die Gegend um Brignoles und Draguignan, die Täler von Roya und Bévéra sowie das Umland von Nizza. Liebhaber und große Restaurants bezahlen den höheren Preis für das hochwertige heimische Olivenöl, das die Jahrtausende alte Tradition fortsetzt.

Frost ist Gift für die Mimosenbäume, die der Legende nach die Truppen von Napoléon III. 1867 aus Mexiko an die Mittelmeerküste gebracht haben sollen. Den Beinamen „Les Mimosas“ führt das kleine Dorf Bormes hoch über Le Lavandou erst seit 1968. Als Hauptstadt der Akazienart mit ihren sattgelben Blütenkugeln gilt Mandélieu am Fuß des Tanneron-Gebirges, das sich jedes Jahr ab Mitte Januar in ein einziges duftendes gelbes Meer verwandelt.

Die ersten Palmen wurden im Jahr 1867 in Hyères gepflanzt, aber sie bestimmen auch das Straßenbild in Nizza und Cannes. Zwei Arten gedeihen vor allem am Mittelmeer: die Dattelpalme aus Nordafrika und die kanarische Palme.

Zypressen spielen in den Hügeln des Hinterlandes eine wichtige Rolle. Mit ihrer schlanken Kegelform schützen sie die Felder gegen den kühlen Nordwind aus dem Gebirge.

Griechen und Römer

Forum Julii taufte Cäsar 49 v. Chr. auf seinem Feldzug in Gallien einen Etappenort: Im heutigen Fréjus sind die Spuren der Römer noch immer zu sehen. Sie bauten auch die Via Aurelia als Verbindung von Genua nach Gallien. Die Trasse, als 2,5 m breite Straße gepflastert, führte über Cimiez, Fréjus und Brignoles nach Aix-en-Provence und ist noch heute als Nationalstraße 7 eine der wichtigsten Verkehrsadern an der Côte d'Azur. Älter noch als Fréjus sind aber Nizza und Antibes, die im 4. Jh. v. Chr. von den Griechen, die sich in Marseille niedergelassen hatten, gegründet wurden.

Hypermarché

Supermärkte gibt es überall in Europa, aber die Franzosen begnügen sich nicht mit Einkaufszentren wie man sie in Deutschland kennt. Hypermarché ist hier das Zauberwort für eine Produktvielfalt, die ihresgleichen sucht; eine Vielfalt, die auf mindestens fünf Regalmetern ausschließlich Joghurt oder nur Kekse in allen Geschmacksrichtungen, Formen und Farben bietet. Hypermarché-Ungeübte verlieren da schon mal den Überblick. Auch wer sich mit Entscheidungen schwertut, sollte auf jeden Fall viel Zeit mitbringen.

Die riesigen Konsumtempel, die sich wie Schlingen um alle größeren Städte, aber auch um kleinere Kommunen und Dörfer legen, sind zwar oft genug eine architektonische Plage, aber trotzdem bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebt. Kein Wunder: In den klimatisierten Hallen gibt es einfach alles, vom Fahrrad über den Herd, den Computer, die Schuhe, den Badeanzug, das Brot und den Kaffee bis hin zu den ausgefallensten Delikatessen. Manche Fisch- oder Käsetheke der Hypermarchés, die unter den Marken Carrefour, Leclerc, Auchan, Casino oder Intermarché segeln, ist tatsächlich eine Fundgrube für Feinschmecker. Und wer außer dem zarten Seeteufelfilet noch einen Liter Billigöl für seinen Automotor braucht, ist im Hypermarché auch gut bedient.

Napoléon

An der Mittelmeerküste hat Frankreichs berühmter Feldherr sämtliche Höhen und Tiefen seiner Karriere erlebt. Die ersten Lorbeeren erntete der damals 24-Jährige bei der Belagerung von Toulon im Jahr 1793 und der Befreiung der Stadt von den englischen Besatzern, ein Jahr später war er als General in Nizza stationiert. Von dort startete der Korse 1796 seinen Italienfeldzug, 1799 landete er nach der Ägyptenexpedition in St-Raphaël.

15 Jahre später ging der General von diesem Hafen aus ins Exil nach Elba. Aber schon zehn Monate später kehrte er zurück nach Golfe-Juan und feierte auf der heutigen Route Napoléon über die Alpen die triumphale Rückkehr nach Paris.

Parfum

Bitterorangen, Jasmin, Lavendel, Rosen und Veilchen – das ist der Fünfklang für die Welt der Düfte und Aromen, die in Grasse ihre Hauptstadt gefunden hat. Die Zitrusfrüchte kommen von der Küste, die Kräuter aus den Bergen, die Veilchen aus Tourrettes-sur-Loup, Jasmin und Rosen aus Grasse, seit dem 16. Jh. das Zentrum der Parfumindustrie. Das Geschäft mit Aromen und Düften für Lebensmittel und Kosmetik macht heute die Hälfte des Umsatzes der gut 30 Firmen von der Manufaktur bis zum Großbetrieb in und um Grasse aus.

Prominenz

Im Gegensatz zur Provence und der Toskana haben die Mächtigen der Erde die südostfranzösische Küste lange gemieden. Erst in der Mitte des 19. Jhs. entdeckte die Aristokratie die Côte d'Azur. Die Zaren sorgten dafür, dass in Nizza ein Klein-Russland mit Kirchen und Landsitzen entstand. Bayernkönig Ludwig I., Queen Victoria, die französische Kaiserwitwe Eugénie und Belgiens König Leopold II. ließen sich zwischen Cannes und Nizza nieder. Der internationale Jetset bastelte dann nach dem Zweiten Weltkrieg an dem Mythos. St-Tropez war lange das Nonplusultra der Playboys und Filmstars, heutzutage verstecken sich die Prominenten in den Hügeln des Hinterlands oder profitieren wie Autorennfahrer und Tennisprofis vom Steuerparadies Monaco. Zum Bummeln kommen sie dennoch regelmäßig an die Küste.

Es geht noch an, dass Stars wie Leonardo di Caprio oder Bono mit der Yacht zum Strandrestaurant von Pampelonne schippern, aber wenn Jean-Pierre Tuveri, der Bürgermeister von St-Tropez, im Sommer 30 000 Shuttleflüge mit dem Hubschrauber allein über seinem Gebiet zählt, wird Prominenz zum lärmenden Handicap für scheinbar idyllische Orte.

Schule von Nizza

Louis Bréa begründete die Schule von Nizza im 15. Jh., aber der Ruhm des Malers beschränkte sich lange auf seine Heimatregion. Erst jetzt werden die Kirchenbilder der Barockkünstler wieder entdeckt und geschätzt. Werke von Louis Bréa, seinem Bruder Antoine oder seinem Neffen François sind in Nizza (Kloster Cimiez), Sospel (St-Michel), La Brigue (St-Martin), Coursegoules (Ste-Marie-Madeleine) oder Lucéram (Ste-Marguerite) zu sehen.

Doch die Kunstszene an der Côte d'Azur ruht sich nicht auf den Lorbeeren der Ahnen aus. Mit dem „Neuen Realismus“ erkunden Yves Klein und Arman, beide in Nizza geboren, zusammen mit Martial Raysse, der aus Golfe-Juan stammt, die Grenzen der zeitgenössischen Kunst. Aus der modernen Schule von Nizza, zu der außer Niki de St-Phalle auch Daniel Spoerri gehörte, entwickeln Ben Vautier oder Claude Viallat neue Ansätze zur Konzeptkunst.

Yachten

Nach der Karibik ist das Mittelmeer das zweitgrößte Kreuzfahrtrevier der Welt. Für Segler ist die Côte d'Azur ein echtes Paradies. Allein 71 000 Boote sind zwischen Cannes und Monaco registriert. Hyères mit den drei Goldinseln Porquerolles, Port-Cros und Levant in Sicht- und Tagesreisenweite gehört zu den beliebtesten Ankerplätzen, Antibes mit 1700 Liegeplätzen ist sogar größter Yachthafen ganz Europas. Die größten Privatyachten auf dem Meer werfen den Anker vor St-Tropez oder Monaco. Und der Bedarf ist noch lange nicht gedeckt: Fréjus hat schon einen neuen Hafen gebaut, St-Raphaël erweitert die Becken genauso wie Nizza, Monaco, Cannes und Vallauris-Golfe-Juan.

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Seit dem Studium in Südfrankreich pendelt der Journalist mit seiner französischen Frau zwischen Württemberg und der Provence. Für Marco Polo betreut er die Reiseführer Provence, Côte d'Azur und Loire-Tal, schreibt aber auch für Publikationen wie die „Riviera Côte d'Azur Zeitung“. An der Côte d'Azur genießt er die Küche, die Kunstmuseen, den Kulturrausch im Sommer und das Licht im Winter.

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Quelle: www.marcopolo.de