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Reiseführer Côte d'Azur:Auftakt

MARCO POLO Autor Peter Bausch

Entdecken Sie die Côte d'Azur!

Luxus, Trubel, Paläste und exotische Blütenpracht am Meer, beschauliche Ruhe, grandiose Naturschauspiele und einsame Felsendörfer im Hinterland: Die Côte d'Azur ist das Land der harten Kontraste. Doch die ziehen sich ja bekanntlich an. Das milde Mittelmeerklima und die Sonne genießen die 20 000 Menschen, die in den Firmen des Hightechparks Sophia-Antipolis arbeiten, genauso wie die sensiblen Nasen, die sich in Grasse, der Welthauptstadt des Parfums, auf eine 400 Jahre alte Tradition berufen. Oder wie die Millionen von Urlaubern an der Küste, die Frankreich mit schöner Regelmäßigkeit den Titel des Tourismusweltmeisters bescheren.

Kaum ein Landstrich in Europa hat sich in den letzten 200 Jahren so oft und so schnell gewandelt wie die Region zwischen Toulon im Westen, Menton im Osten, den Verdon-Schluchten und dem Parc National du Mercantour im Norden. Jahrhundertelang war die Küste nur Durchgangsstation zwischen Nordeuropa und Italien. Am Meer lebten arme Fischer, im Hinterland arme Bauern. Kein Wunder, dass sich aus der tiefen Vergangenheit nur wenige architektonische Glanzlichter in die Neuzeit gerettet haben. Natürlich gibt es die Spuren der Römerzeit in Fréjus und das Siegesdenkmal von Kaiser Augustus in La Turbie hoch über Monaco. Die Grafschaft Nizza, erst seit 1860 französisch, war im 17. Jh. fruchtbarer Boden für die Baumeister und Künstler der Barockzeit. Die lang vergessenen Felsendörfer im Hinterland haben ihr mittelalterliches Ensemblebild bewahrt. Die Landflucht vor 100 Jahren hat Dörfer wie Ste-Croix, Grimaud und Bormes-les-Mimosas zwar ausgeblutet, aber die Bausubstanz nicht angegriffen. Es gibt keine hässlichen Neubauten mitten auf dem Kirchplatz, keine Bankfilialen von der Stange. Wer Saorge im Roya-Tal oder La Garde-Freinet im Massif des Maures aus dem Dornröschenschlaf erweckte, hatte Geld – und Geschmack. Villages wie Villecroze sind liebevoll restauriert, alte wie neue Bewohner dekorieren mit Blumen und einfachen Mitteln Plätze und Brunnen, schaffen eine Idylle, die von Ruhe geprägt ist.

Aber die Côte d'Azur, die ihren Namen erst 1887 von Stephen Liégeard, einem Unterpräfekten mit literarischer Ader, bekommen hat, ist und bleibt ein Kind der modernen Freizeitgesellschaft. Es zählt nur das Heute, Hier und Jetzt. Blaues Meer, klarer Himmel und vor allem Sonne – viel Sonne. Reisende aus England entdeckten Mitte des 19. Jhs. das milde Klima für sich. Hyères, Nizza und Cannes waren die ersten internationalen Fremdenverkehrsorte überhaupt. Die europäische Aristokratie flüchtete aus dem kalten, tristen Winter in den Süden, nutzte die Côte d'Azur als Spielwiese für ihre verrücktesten Träume und hatte großen Anteil daran, dass sich die Region in einen kunstvollen Garten Eden verwandelte. Die Einheimischen schüttelten noch den Kopf, als der Pariser Botaniker Gustave Thuret 1857 auf dem Cap d'Antibes Palmen, Kakteen, Zypressen und Eukalyptusbäume züchtete. Die exotischen Bäume, wie die aus Australien importierten Mimosenbäume mit ihrer sattgelben Blütenpracht im Spätwinter, gehören heute ebenso zur Côte d'Azur wie das blaue Meer, die tiefgrünen Aleppokiefern und die strahlend gelben Zitronen von Menton.

Die verschwenderische Pracht der Flora hat ihr Pendant in der Architektur. Die kosmopolitische Schickeria baute ihre Paläste ohne Rücksicht auf historisch gewachsene Stadtbilder. Das vom Pariser Opernbauer Charles Garnier entworfene Spielkasino von Monte-Carlo, die gigantischen Fassaden der Luxushotels Negresco in Nizza oder Carlton in Cannes, die Villa der Baronin Ephrussi de Rothschild auf Cap Ferrat, der Nachbau der antiken griechischen Villa Kérylos in Beaulieu oder das schlichte Bauhaus-Gebäude der Familie de Noailles in Hyères sind Beispiele für die neuen Wahrzeichen.

Das Markenzeichen Côte d'Azur ist in der Belle Epoque zu Beginn des 20. Jhs. entstanden – im Winter. Heute scheint es unglaublich, dass erst 1931 einige mutige Hoteliers ihre Häuser ausgerechnet in der Jahreszeit öffneten, die den alten Aristokraten zu heiß geworden war. Heute lebt die Côte d'Azur vom Sommertourismus. Im Juli und August herrscht Ausnahmezustand. Alles ist überfüllt: die Straßen, die Hotels, die Campingplätze, die wunderschönen Buchten. Die Preise steigen mit den Temperaturen, ganz selten sind Parkplätze am Meer wie an den berühmten Stränden rund um St-Tropez umsonst. Das Fischerdorf, von impressionistischen Malern um 1900 entdeckt, ist nach 1950 zum Inbegriff des internationalen Jetsets geworden. Schrittmacher waren erst Literaten aus Paris, Filmleute wie Roger Vadim und Brigitte Bardot, Playboys wie Gunter Sachs und schließlich Schlagerstars wie Johnny Hallyday. An den Stränden von Pampelonne und Tahiti trugen sie ihre Haut zu Markte, lockten mit braun gebrannten Körpern die Regenbogenpresse an, die auf immer neue Skandale hoffte.

Die Berühmten haben längst vor den Blechlawinen kapituliert, die im Sommer die Strecke rund um den Golf zur Tortur machen. Und St-Tropez und die Halbinsel von Ramatuelle stehen heute erneut als Symbol für neue Entwicklungen. Weg vom Massentourismus, Schutz von Küstenstreifen und Natur sowie drastische Bauvorschriften sind die Ansätze, um die Schönheit der Landschaft für die Zukunft zu bewahren. Denn es gibt sie noch, die stillen und einsamen Buchten zum Baden, mitten in der Hochsaison in einem der größten Touristenzentren der Côte d'Azur. Ausgerechnet auf der Halbinsel, die alle Milliardäre und Millionäre Europas kennen, ist der Zugang zum Meer praktisch für jedermann offen. Und eben die Strände, an denen der Nachwuchs der Reichen mit seinen Champagnerpartys der Überflussgesellschaft die Krone aufsetzt, sollen in Zukunft Modell für Umwelt- und Naturschutz werden. Sehr wichtig für das neue Bewusstsein in Frankreich ist das Conservatoire du Littoral, das bei St-Tropez zu retten versucht, was zwischen Cannes und Nizza zum großen Teil schon verloren gegangen ist. Dank der späten Erkenntnis, dass diese Küste eben nicht nur ein Freizeitparadies für ein paar Sommerwochen ist, sondern ein Geschenk der Natur, mit dem Menschen pfleglich umgehen sollten, um Fauna und Flora langfristig zu bewahren.

Auch in der Landwirtschaft hat das große Umdenken eingesetzt. Es sind vor allem Winzer, die auf Chemie verzichten und merken, dass guter Wein in diesem Klima kein Hexenwerk ist. Spektakulärstes Beispiel ist das kleine Dorf Correns. Bürgermeister und Weinbauer Michael Latz hat dabei aus wirtschaftlichen Gründen auf Bio gesetzt. Der klassische (Weiß-)Wein wurde vor der Flaschenabfüllung zum Billigtarif an Großhändler verscherbelt, aber der Erlös deckte nicht mal mehr die Kosten. Mit biologischem Anbau öffneten die Winzer aus dem Hinterland eine Marktnische und sind heute stolz auf den Wein, den sie in ganz Europa mit dem Etikett Correns zu ordentlichen Preisen verkaufen. Das Beispiel macht Schule: Mittlerweile verzichten selbst die Gemüsebauern im Dorf auf Chemie. Wer offen ist, entdeckt auf den Märkten an der Côte d'Azur und im Hinterland längst vergessene Gemüse- und Obstsorten. Die Geschmacksnerven jubilieren: So also können Tomaten und Aprikosen schmecken, wenn die Bauern Vertrauen zur Natur haben.

Die Natur als grandioses Schauspiel erleben Neugierige weitab der Küste in den Schluchten, die Flüsse wie der Verdon, der Var, der Loup und die Roya in die Felsen geschnitten haben. Winzige Dörfer wie Aiglun und Roquestéron setzen im Norden von Grasse und Vence auf Wassersport- und Wandertourismus. Von den spektakulären, in leuchtend rote Felsen gefrästen Gorges du Cians ist es nur eine kurze Strecke in den Nationalpark des Mercantour. Dort sind, nicht einmal zwei Autostunden von der turbulenten Küste entfernt, sogar die Wölfe wieder heimisch geworden.

Entdecken Sie die Küste und mit Alpes-Maritimes, Var und Alpes-de-Haute-Provence drei der schönsten Départements Frankreichs. Dieser Reiseführer nimmt Sie mit auf den Weg von Toulon nach Menton, immer am Meer entlang. Nicht nur Autofahrer, sondern auch Spaziergänger erwarten herrliche Aussichten. Allein im Département Var sind mehr als 250 km des sentier littoral, des Küstenwanderpfads zwischen Bandol und St-Raphaël, erschlossen. Packen Sie also die festen Schuhe neben die Badehose und lassen Sie sich ein auf die blaue Küste der Kontraste!

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Seit dem Studium in Südfrankreich pendelt der Journalist mit seiner französischen Frau zwischen Württemberg und der Provence. Für Marco Polo betreut er die Reiseführer Provence, Côte d'Azur und Loire-Tal, schreibt aber auch für Publikationen wie die „Riviera Côte d'Azur Zeitung“. An der Côte d'Azur genießt er die Küche, die Kunstmuseen, den Kulturrausch im Sommer und das Licht im Winter.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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