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Reiseführer Costa del Sol:Essen & Trinken

Weniger ist mehr heißt die Devise – nur so schaffen Sie es, möglichst viele der andalusischen Appetithäppchen zu probieren

MARCO POLO Autor Andreas Drouve

Tapas, das sind Appetithäppchen, die auch außerhalb Spaniens längst zum Begriff geworden sind – doch kaum je so gut schmecken wie hier, an ihrem Ursprungsort im Süden Spaniens! Tapa ist nicht gleich Tapa, eine genaue Definition unmöglich. Die Vielfalt reicht von frittierten Tintenfischringen über Artischocken mit Sardellen bis zum Scheibchen luftgetrocknetem Schinken auf Brot. Einen besonderen Stellenwert genießen die Kneipen in Granada, wo Tapas in der Regel noch kostenlos und ungefragt zu Wein und Bier serviert werden: als unvorhersehbare, köstliche Überraschungen.

Kein Einheimischer käme dabei auf die Idee, die ganze Zeit an einem Ort zu bleiben. Tapas stacheln, vor allem abends, zu Häppchen-Streifzügen von Bar zu Bar an, immer auf der Suche nach den einfallsreichsten, den leckersten. Dabei ist es unüblich, dass jeder getrennt bezahlt. Man wirft vorher in eine Gemeinschaftskasse zusammen, oder es zahlt reihum immer einer für alle. Beste Visitenkarte einer Kneipe ist übrigens ein verschmutzter Fußboden, auf dem sich Papierservietten, Zahnstocher und Olivenkerne verteilen und bezeugen: Hier waren Unmengen an Einheimischen vor mir, hier muss es gut sein, hier muss ich trotz drangvoller Enge unbedingt ein Häppchen probieren!

Eine Tapatour gehört zum Lebensrhythmus in Andalusien, mit dem Sie immer wieder auf für Mitteleuropäer anfangs befremdliche Art Bekanntschaft machen: zum Beispiel, wenn die Landhotelwirtin freundlich erklärt, das Frühstück werde zwischen 9 und 11 Uhr serviert. Generell gilt es, sich dem landesüblichen, nach hinten verschobenen Tagesrhythmus anzupassen. Das Mittagessen steht erst ab 13.30 oder 14 Uhr, das Abendessen unter Spaniern nicht vor 21 oder 22 Uhr an. In Urlaubszentren haben sich die meisten Lokale allerdings auf frühere (oder gar durchgehende) Essenszeiten eingestellt, doch authentisch spanisch ist das ebenso wenig wie für das Gedeck (cubierto) zu kassieren (Vorsicht, Touristennepp!), ein Kassler mit Kartoffelpüree auf die Karte zu setzen oder am Morgen eine Wurst- und Käseauswahl aufzutischen. Spanier lieben es beim Frühstück nicht salzig, sondern süß – und spärlich! Da reicht schon ein Marmeladentoast oder ein Croissant, dazu ein Milchkaffee (café con leche), ein Espresso (café solo) oder ein Espresso mit einem Schuss Milch (cortado). Teetrinker werden angesichts der lieblosen Beutelteeaufgüsse fast immer enttäuscht sein, es sei denn, man erwischt einen frischen Minztee in einer maurisch inspirierten Teestube (tetería) in Granada.

Umso mehr freut man sich, wenn gegen 12 oder 13 Uhr die Stunde des Aperitifs und der ersten Tapa als Vorspiel des Mittagessens schlägt. Und das kann mit Vorspeise, Hauptgericht und Nachtisch durchaus üppig ausfallen. Ein Wein gehört selbstverständlich auf den Tisch.

Mittags ist das Tagesmenü (menú del día) stets eine gute Wahl, zumal der Preis an Werktagen nur bei ca. 8–13 Euro liegt. Enthalten sind in der Regel drei Gänge sowie Brot und Landwein. Wem ein ganzes Menü zu viel ist, der beschränkt sich auf einen gemischten Salat (ensalada mixta), ein belegtes Baguette (bocadillo) oder ein Tellergericht (plato combinado, z. B. Schweinelende, Wurst und Spiegelei). Ebenso lässt sich eine Schinken- oder Käseplatte als ganze Portion (ración) oder halbe Portion (media ración) ordern; auch Meeresfrüchte gibt es als ración. Ein verlässlicher Sattmacher ist das Kartoffelomelett tortilla de patata. In Touristenorten kommt auch Paella auf den Tisch, obwohl ihre Heimat eigentlich in Valencia liegt. Bei einer guten Paella sind die Zutaten immer deutlich erkenn- und schmeckbar, vom Gemüse (u. a. Paprika, Tomaten) bis – je nach Variante – zu Meeresfrüchten (u. a. Muscheln, Tintenfisch) und Fleisch (z. B. Schweine-, Hühner- oder Kaninchenstücke).

Fischgerichte sind zwar beliebt, aber nicht preiswert. Da spielen Aspekte wie gestiegene Unkosten und überfischte Meere mit, wobei z. B. Lachs (salmón) meist ohnehin aus Zuchtfarmen stammt. Beliebt sind u. a. Wolfsbarsch (lubina), Seeteufel (rape), Krake (pulpo) und kleine Tintenfische (chipirones).

Abends decken Spitzenrestaurants mit einem Degustationsmenü auch höhere Ansprüche ab. Ein solches Menü, das durchaus 50 Euro kosten kann, gibt dem Küchenchef Gelegenheit zu zeigen, was in ihm steckt. Doch auch wenn man gut, viel und gerne isst, achten die Südspanier sehr wohl auf das, was als dieta mediterránea bekannt ist: die Verwendung gesunder, ausgewogener Zutaten – viel Gemüse, Obst, Knoblauch, Olivenöl, Fisch.

Qualitätsweine sind auf dem Etikett an ihrer geschützten Herkunftbezeichnung (Denominación de Origen) zu erkennen. Neben Rotwein (tinto), Rosé (rosado) und Weißwein (blanco) gibt es auch Süßwein aus Muskatellertrauben (z. B. vino de Málaga). Biertrinker finden mit San Miguel oder Mahou ordentliche einheimische Marken. Ein frisch gezapftes Bier ordern Sie als caña, während Sie bei der Bestellung einer cerveza meist ein Flaschenbier bekommen; die Menge ist oft klein (0,25 oder 0,33 l); als Variation gibt es auch Bier ohne Alkohol (cerveza sin alcohol). Wassertrinker greifen angesichts des starken Chlorgehalts von Leitungswasser besser zu Mineralwasser (agua mineral).

Typisch andalusisch sind nicht nur die gehaltvollen, starken Süßweine, sondern auch der Sherry aus der Gegend um Jerez de la Frontera. Man bestellt nicht „Sherry“, sondern direkt die gewünschte Sorte, z. B. fino als trockenen, amontillado als halbtrockenen und oloroso als süßen Sherry.

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Andreas Drouve lebt seit Mitte der Neunzigerjahre als freier Autor und Journalist in Spanien und ist wie kaum ein anderer vertraut mit Land, Leuten und Mentalität. Andalusien kennt er seit seiner Studentenzeit in- und auswendig. Immer wieder fasziniert ihn das Miteinander aus Traumstränden, weißen Dörfern, Bergen, Naturparks und dem Erbe der Mauren, angeführt von der Alhambra in Granada.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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