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Reiseführer Bangkok:Auftakt

Entdecken Sie Bangkok!

Bangkok zwischen Himmel und Erde: Auf den Dächern von Wolkenkratzern kreieren Spitzenköche Gourmetkost in hippen Rooftop-Restaurants, und unten auf den Gehsteigen brutzeln fliegende Köche Fleischspießchen auf Holzkohlefeuern. Bangkok zwischen Tempo und Gemächlichkeit: Eine blitzblanke U-Bahn flitzt durch den Untergrund der Stadt, und oben auf stillen Kanälen paddelt eine Gemüseverkäuferin von Haus zu Haus.

Bangkok zwischen Schnäppchen und Luxus, Party und Glauben: Auf Freiluftmärkten gibt es T-Shirts zum Preis einer Flasche Bier, während in glitzernden Shoppingcentern die aktuellsten Designerhandtaschen das Monatsgehalt eines Universitätsprofessors kosten. In den Nightlifetreffs legen internationale DJs die neuesten Scheiben für gestylte Clubber auf, und in den Klöstern der Stadt versinken Mönche in Meditation.

Nein, Bangkok ist nicht einfach nur eine große Stadt. Bangkok ist ein ganzes Stadtuniversum. Ist typisch thai und kosmopolitisch zugleich. Vereint Tradition und Moderne, hält die Vergangenheit fest und nimmt die Zukunft vorweg.

Willkommen in Bangkoks Gegenwart, in einer Metropole der Gegensätze! Mit anderen Worten: Bangkok ist ein Spannungsfeld. Und permanent im Wandel. Vor allem seit Beginn des neuen Jahrtausends vollzieht sich dieser Wandel rasant. Die Stadt greift nach den Sternen. Immer höher werden die Apartmenttürme am Fluss Chao Phraya, immer größer und eleganter die Shoppingcenter. Und überhaupt wird Bangkok immer trendiger. Thailands Hauptstadt hat sich innerhalb weniger Jahre zur Design- und Fashionhochburg Südostasiens entwickelt. Thailändische Modelabel erobern die internationalen Laufstege. Boutiquehotels locken stilbewusste Traveller mit individuell dekorierten Zimmern. Architekten entwerfen futuristische Hochhäuser wie das Hotel Centara Grand, das mit seiner himmelblauen Lichtkuppel auch Kulisse für einen Fantasyfilm sein könnte.

Bangkok ist auf den ersten Blick das reine Chaos: Vielspurige Highways zerschneiden die Stadtlandschaft, Betonbauten und verstopfte Straßen prägen die Szenerie. Über die Gehsteige schieben sich Menschenmassen zwischen fliegenden Händlern und Garküchen hindurch und müssen Mopedfahrern ausweichen, die das Trottoir als Schleichweg benutzen. Die Thais haben sich daran gewöhnt. „Mai pen rai“, sagen sie, „das macht nichts.“ Wer in Bangkok nicht gelassen bleibt, strapaziert seine Nerven. Vielleicht geht es Ihnen so wie vielen Besuchern, die zum ersten Mal in Thailands Metropole kommen: Sie wollen so schnell wie möglich wieder raus aus diesem Moloch, der keinen ruhenden Pol hat, auf den man sich zurückziehen kann. Es gibt kein eigentliches Zentrum, keine klare Trennung zwischen Wohn- und Geschäftsvierteln. Hier ist alles überall gleichzeitig. Aber wer ohne Vorbehalte auf Entdeckungstour geht, wird bald herausfinden, dass Bangkok selbst im größten Durcheinander vor allem eines ist: eine Stadt der positiv gestimmten Menschen, der Lebensfreude, des Lächelns. Und wenn Sie hinter die moderne westliche Fassade schauen, entdecken Sie auch, dass Bangkok noch immer voller Tradition und Exotik steckt.

Nur kurz währt die Dämmerung in den Tropen. Schneller als die Sonne über dem flachen Horizont aufsteigt, frisst sich der Morgenverkehr fest. Ein Taxi ist eingekeilt auf einer Brücke über einem klong, einem Kanal. Der Fahrer trommelt mit dem Daumen seinen Frust aufs Lenkrad. Plötzlich hält er inne und lächelt entschuldigend. Sein Blick fällt aufs Wasser, auf eine alte Frau in einem Holzboot. Sie paddelt mit kurzen Schlägen, gleitet mühelos voran. Jetzt grinst der Fahrer. Er weiß: Wenn das ganze moderne Bangkok wie ein Spuk verschwände, wäre es keine Tragödie. Nach der Lehre Buddhas ist nichts von Bestand in diesem Leben. Regentropfen werden zu Meeren, Meere zu Regentropfen. Ein ewiger Kreislauf. Die Thais würden einfach wieder zum Paddel greifen.

Um 1900 lebten bereits eine halbe Million Menschen in der Hauptstadt des damaligen Siam. Bangkok war schon eine große Stadt, aber keine Großstadt. Eher eine Ansammlung von Dörfern, in denen Handwerker und ihre Familien lebten. Reismühlen und Sägewerke säumten den Chao Phraya, Thailands längsten Strom, der mitten durch die Metropole fließt. Die meisten Häuser waren aus Holz. Nur einige Geschäfts- und Regierungsgebäude, die Tempel und Paläste wurden aus Stein errichtet. Deshalb werden Sie auch nur wenige private Bauten entdecken, die hundert Jahre alt oder älter sind. Das erste Automobil knatterte zwar schon 1897 durch Bangkok, aber nur wenige Kilometer Straßen waren damals gepflastert.

Der Fluss und die Kanäle bildeten die wichtigsten Verkehrswege. Freilich nicht ganz ungefährliche: Noch um 1900 schwammen Krokodile im Chao Phraya. Wer sich traute, eins zu fangen, konnte sich von den Behörden eine Belohnung abholen. Frühe Reisende aus dem Westen beschrieben Bangkok als das „Venedig des Ostens“, als eine amphibische Stadt, in der Kinder mit dem Paddel in der Hand aufwuchsen.

Längst sind viele Kanäle zugeschüttet oder zu Asphaltpisten geworden. Aber den Stadtteil Thonburi zerteilt noch immer ein Netz von Wasserwegen. Wenn Sie selbst ein Boot chartern und dorthin vordringen, wo die Touristendampfer nicht mehr genug Wasser unterm Kiel haben, sehen Sie auch heute noch das Bangkok von einst. Palmen werfen ihre Schatten auf schindelgedeckte Pfahlhäuser an grünen Ufern. Eine alte Frau kocht Reis auf einem Ofen, der wie ein durchlöcherter Blumentopf aussieht. Eine Gemüseverkäuferin paddelt mit großen Körben voll Knoblauch und Chilis, Tomaten und Gurken zu ihrer Kundschaft. Auf einem Anlegesteg meditiert ein Mönch in orangefarbener Robe. Und ein paar Meter weiter planschen Kinder im Wasser. Es gibt sie noch, diese Plätze, an denen selbst im hektischen Bangkok die Ruhe fühlbar ist.

Vieles hat sich verändert, seit König Rama I. im Jahr 1782 die Hauptstadt Siams von Thonburi in das unbedeutende Dorf Bangkok auf der anderen Seite des Chao Phraya verlegte. Er taufte die neue Hauptstadt Krung Thep: Stadt der Engel. Auch wenn sich im internationalen Sprachgebrauch „Bangkok“ durchgesetzt hat, nennen die Thais seit Jahr und Tag ihre Kapitale bei ihrem schöneren Namen. Heute ist die Metropole das mit Abstand bedeutendste Wirtschaftszentrum des Landes. Im Großraum Bangkok wird etwa die Hälfte des Bruttosozialprodukts erwirtschaftet. Die Millionenstadt zieht Landflüchtlinge auf Jobsuche an wie ein Magnet. Laut Statistik leben ca. 8 Mio. Menschen in der Hauptstadt, doch die genaue Zahl ihrer Bewohner kennt niemand ganz genau. Denn ein großer Teil stammt aus den armen Provinzen des Landes, vornehmlich aus dem dürregeplagten Nordosten, und ist nach wie vor in den Heimatorten gemeldet.

Und so wuchert Bangkok in die Breite und schießt in die Höhe. Als 1970 das Hotel Dusit Thani eröffnet wurde, war es mit seinen 23 Stockwerken ein Riese der Skyline. Höher geht's nicht, sagten Skeptiker und verwiesen auf Untersuchungen, nach denen die Hauptstadt Jahr für Jahr tiefer sinkt. Heute ragt ein Wald von Wolkenkratzern bis in die Dunstglocke über der Stadt. Das 88 Stockwerke hohe Baiyoke Sky Hotel (309 m) ist das höchste Gebäude in ganz Thailand – und hat das Dusit Thani zum Zwerg degradiert.

Bangkok ist auch das kulturelle und religiöse Zentrum Thailands. Rund 95 Prozent der Thais bekennen sich zum Buddhismus, der Lehre des Siddhartha Gautama, genannt Buddha. Vom älteren Geisterglauben haben sie deswegen aber nicht abgelassen. Damit die Geister nicht heimatlos umherschwirren, muss ihnen ein Haus gebaut werden. Meist ist es kaum größer als ein Vogelhäuschen und steht auf einem Pfosten im Garten, in der Hofeinfahrt oder auf dem Parkplatz. An keinem Morgen wird versäumt, den unsichtbaren Nachbarn Opfergaben darzubringen: Blumen, Reis, ein Glas Wasser, Räucherstäbchen. Diese Spiritualität bestimmt das alltägliche Leben in Bangkok ebenso wie die Rushhour auf der Menam Chao Phraya, einer der größten Verkehrsadern der Stadt.

Wer nach Bangkok kommt, wird schnell das typische „Aroma“ der Stadt wittern, erzeugt von qualmenden Bussen, knatternden Tuk-Tuks und den unzähligen Autos oder Motorrädern. Staus sind an der Tagesordnung: Wo sich die vielspurigen Hauptstraßen Ploenchit, Rama I und Ratchadamri kreuzen, stehen mal wieder alle Räder still. Nur hoch über der Kreuzung geht es voran: im elektrischen Skytrain. Eine Augenweide ist die Hochbahnstrecke wahrlich nicht. Doch selbst hier, an diesem urbanen Albtraum einer Kreuzung, ist Bangkok anders als jede andere Metropole mit Verkehrsproblemen. Der Duft von Räucherstäbchen legt sich über Abgasschwaden, klassische Thaimusik dringt durch Pfeifengetriller und Motorenlärm. Und auch die grazilen Tänzerinnen in ihren glitzernden Prunktrachten sind keine Sinnestäuschung. Sie tanzen um eine vergoldete Statue des Hindugottes Brahma im Erawan Shrine. Zu diesem Schrein pilgern Bauarbeiter und Bankdirektoren, Barmädchen knien neben Hausfrauen mit Lotosblüten in den gefalteten Händen.

Natürlich finden Sie in Bangkok viele Sehenswürdigkeiten, die ein touristisches Muss sind. Aber das Leben in seiner ganzen Vielfalt entdecken Sie, wenn Sie sich unter die Menschen mischen. Tauchen Sie ein ins lautstarke Labyrinth der Märkte, und holen Sie zwischendurch Atem in einem wat, einem der 400 Klöster der Stadt. Besuchen Sie ein pompöses Einkaufszentrum, um danach mit einem klong-Boot durch eine Welt zu gleiten, in der die Zeit stillzustehen scheint. Es sind diese Gegensätze, die das wahre Bangkok ausmachen.

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Als der Journalist Wilfried Hahn 1978 zum ersten Mal in Thailands Hauptstadt kam, standen dort noch keine Hochhäuser. Heute lebt er jedes Winterhalbjahr in Thailand und besucht Bangkok regelmäßig. „Diese Stadt“, sagt er, „ist unglaublich spannend. Bangkok kann man nicht erobern, Bangkok erobert Sie!“ Für MARCO POLO schreibt Wilfried Hahn auch die Bände Thailand, Ko Samui, Krabi und Phuket.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de