bedeckt München 16°

Reiseführer Algarve:Auftakt

Entdecken Sie die Algarve!

Sauberes Meerwasser, würzige Luft zum Durchatmen, Traumstrände, Buchten, Uferfelsen, Düneninseln, subtropisches Klima ... Die Liste der Algarve-Pluspunkte enthält so ziemlich alles, was sich Urlaubshungrige wünschen – nur zweieinhalb bis drei Flugstunden von Deutschland entfernt. Kein Wunder, dass aus der Küstenregion im äußersten Südwesten Europas eines der beliebtesten Ferienziele für Touristen aus aller Welt wurde.

Die Algarve erstreckt sich auf einer Breite von 150 km von Spanien bis zur atlantischen Westküste. Die Natur hat den 50 km tiefen Küstenstreifen in zwei Hälften geteilt: in den westlichen, das Barlavento, geprägt von einer dramatisch-felsigen Küste, und den östlichen, das Sotavento, in dem endlos lange Sandstrände mit Dünen und Lagunen das Bild bestimmen. In jüngster Zeit wird auch das stille, bislang touristisch wenig erschlossene Hinterland von immer mehr Fitness- und Naturfreunden als eine der schönsten Regionen Europas entdeckt: Trekker und Biker schwärmen jetzt ebenso von der Algarve, wie es Golfer, Surfer und Segler schon seit Langem tun.

Dabei war bis vor etwa 40 Jahren die Algarve eine selbst von den Portugiesen kaum beachtete Provinz und galt als „am Ende der Welt gelegen“. Nur in den größeren Hafenorten herrschte Betrieb. Und wer nicht als Fischer oder in der Fischfabrik tätig war, arbeitete in der Landwirtschaft.

Die Einheimischen, die Algarvios, wirken mediterran, man kann aber auch Nordafrikanisch-Arabisches in ihnen erkennen, eroberten doch die Mauren im 8. Jh. die Iberische Halbinsel. Den sonnenreichsten Küstenstrich ihres neuen Reiches nannten sie „al garb“ (der Westen – von Córdoba aus betrachtet, dem Sitz des Kalifats), woraus das Wort Algarve entstand. Mit ihren Kenntnissen in der Landwirtschaft und den Wissenschaften führten sie eine wahre Hochkultur herbei – geprägt durch regen Handel mit anderen Völkern und religiöse Toleranz – und vermischten sich im Lauf eines halben Jahrtausends mit der einheimischen Bevölkerung.

Leider sind nur wenige Bauwerke aus der maurischen Epoche erhalten geblieben, denn bei ihrer Rückeroberung, der Reconquista, zerstörten die Christen vieles. Im Jahr 1139 wurde unter Alfonso I., der sich „König von Portugal und Algarve“ nannte, das Königreich Portugal gegründet; Portugal ist damit einer der ältesten Nationalstaaten der Welt. Noch mehr wurde zerstört, als 1755 ein verheerendes Erdbeben die Algarve heimsuchte. Aber mit bewundernswerter Energie baute man neu auf, und so kommt es, dass sich heute fast alle Innenstädte im authentischen Gewand des 18. Jhs. präsentieren. 1910 schafften die Portugiesen als erstes europäisches Land die Monarchie ab und riefen die Republik aus. 1932 drückte Premierminister António Salazar mithilfe der Geheimpolizei PIDE eine harte Diktatur durch. Wohl gesundete die Staatskasse, aber das Volk verarmte. 10 Prozent der Portugiesen wanderten aus. Am 25. April 1974 kam es zum Aufstand. Die Leute auf der Straße steckten den staunenden Soldaten rote Nelken an die Uniform und in die Gewehrläufe – und machten sie kampflos machtlos. Diese „Nelkenrevolution“ sucht in ihrer friedfertigen Strategie ihresgleichen. Sie beendete ein halbes Jahrhundert Diktatur und führte Portugal 1986 in die Gemeinschaft der westlichen Demokratien. Nun verwandelte sich die Algarve in eine kosmopolitische Region par excellence.

Mit zunehmendem Tourismus baute man in den letzten zwanzig Jahren ufernahe Grundstücke ohne Maß mit Ferienanlagen zu. In diesen Gegenden tobt Tag und Nacht das touristische Leben. Dem Zauber der Küste selbst konnte man aber nichts anhaben, und Gott sei Dank besinnt man sich nun darauf, dass die Natur nicht dem radikalen Ausbeuten dient, sondern ein über alles zu schätzendes Gut ist. Strenge Auflagen, die planloses Bebauen verhindern sollen, sanfter Tourismus wie entlang der „Via Algarviana“ (ein 240 km langer Wanderweg durchs Hinterland) oder konsequente Mülltrennung zeigen, dass auch in der Algarve langsam so etwas wie ein Ökobewusstsein entsteht.

Vor Jahren schon wurde die Westküste, die Costa Vicentina, zum Naturschutzgebiet erklärt. Für viele Besucher ist sie die eindrucksvollste Küste Europas. Da donnern die Wellen mit brachialer Gewalt gegen schroffe Klippenwände, und die Gischt spritzt an manchen Tagen an die hundert Meter hoch auf. Die Westküste und das Hinterland führen ein Eigenleben und sind durch die Autobahn A 22 „Via do Infante“ von der betriebsamen Uferzone wie abgeschnitten. Umgeben von unberührter Natur leben im Hinterland nur noch wenige alte Leute in abgelegenen Häusern oder Dörfern, in denen die Zeit stehen geblieben scheint. Das Leben konzentriert sich auf einige Zentren wie Loulé, Silves oder Monchique, während die umliegenden Landkreise Jahr für Jahr weiter ausdünnen. Die Jugend will in den Städten an der Küste wohnen und arbeiten, dort, wo das moderne Leben lockt. Doch in jüngster Zeit kommt dieser Trend ins Stocken. Vermehrt bleiben junge Familien im Ort, oder sie kehren zurück.

Jetzt entdecken auch immer mehr Touristen das bergige, stille Hinterland und die wilde Westküste, wo sich langsam auch der Ökotourismus durchsetzt. Diese Gebiete erschließen sich am besten beim Wandern und Radfahren – man wird mit intensiven Eindrücken einer intakten Natur belohnt. Flora und Fauna sind äußerst vielfältig. Und Vogelbeobachter freuen sich über die vielen Zugvögel in den Lagunen und an den Klippen.

Bei 3000 Sonnenstunden im Jahr bietet die Algarve an den meisten Tagen ein Postkartenidyll mit den Symbolen des Urlaubsglücks: Traumstrände und Sandburgen, azurblauer Himmel, lachende sonnengebräunte Gesichter, im klaren Wasser dümpelnde bunte Fischerboote. Viele Attraktionen und Events – vor allem im Sommer – sind zusätzliche Magneten für große und kleine Gäste von überall her. Surfer, Segler und Taucher finden optimale Voraussetzungen und können das ganze Jahr über ihren Hobbys nachgehen. Und erst die Golfer! Das milde Klima und die legendären Plätze der Algarve locken sie an, aus aller Welt kommen sie. Auf beinahe 40 Plätzen putten und pitchen sie und genießen die vorbildlich in die Landschaft integrierten Anlagen. In den letzten Jahren entstanden bei Tavira, Vilamoura, Quinta do Lago, Carvoeiro, Alvor und Lagos exklusive Ferien- und Golfanlagen. Diese feinen Resorts sind jedoch wie Inseln. Der normale Betrieb an der Algarve ist durchsetzt von sämtlichen Aspekten eines modernen, auf Tourismus ausgerichteten Alltags. Trotzdem geht es hier erfreulich herzlich zu. Und auch ein bisschen langsamer als anderswo. Beim Einkauf in kleinen Läden, beim Bummel durch eine Markthalle, beim Schlürfen einer bica, beim Fragen nach dem Weg erlebt man die wahre Algarve und ihre Freundlichkeit. Man könnte behaupten, dass sich die Harmonie der Natur in ihren Menschen spiegelt.

Weiter zu Kapitel 2

Der Schwarzwälder Rolf Osang lebt seit 20 Jahren in Portugal. Er erkundete das Land von Nord nach Süd, von Ost nach West und hat es „tüchtig abfotografiert“. Er verfasste bisher zehn Bücher, darunter auch Bildbände, und lebt in einem idyllischen Dörfchen bei Monchique. Derzeit widmet er sich vorwiegend der Kunst in der Algarve und iniitiert mit seinem Team die Kunstmesse „Arte Algarve“.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

Zur SZ-Startseite