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Reiseführer Ägypten:Essen & Trinken

Seit Ewigkeiten wird gegessen, was im fruchtbaren Niltal wächst. Das hat die Ägypter zu Meistern der vegetarischen Küche gemacht

Dabei hat er wahrscheinlich ein skeptisches Grinsen im Gesicht, denn Ägypter können sich oft nicht vorstellen, dass es Ausländer gibt, die sich für diese Speisen begeistern.

Fuul ist ein dicker Brei aus stundenlang gekochten braunen Saubohnen, abgeschmeckt mit Sesamsauce, Zitrone, verschiedenen Gewürzen, Öl und manchmal auch Tomate. Taamiyya sind knusprig frittierte Gemüsebällchen, die Falafeln ähneln, aber einen höheren Anteil an zerstampftem Bohnenkraut aufweisen. Beide Speisen gelten als Arme-Leute-Essen. Sie sind ausgesprochen nährstoffreich, gesund und deshalb typische Frühstücksgerichte. In verschiedenen Variationen werden sie selbst in Luxusrestaurants serviert, zum Beispiel als Fuul mit Ei und Pasterma, einem getrockneten Schinken im dicken Gewürzmantel, der in den Läden meistens an der Luft hängt, im Ofen überbacken.

Zu allen Speisen gehört Fladenbrot, das die Ägypter Aish – Leben – nennen. Aish baladi, Landbrot, ist dunkel und aus dem vollen Korn gebacken. Eine köstliche, aber seltene Spezialität ist das Aish shamsi, das Sonnenbrot, das in Oberägypten und in den Oasen gegessen wird. Man lässt den Fladen tagsüber im heißen Wüstensand aufgehen und backt ihn abends fünf Minuten im gerade erloschenen Ofen. Fladenbrot wird zu Saucen gegessen, zu Suppen, zu Eintöpfen und Fleisch oder zu Pasterma. Oft ersetzt das Brot den Löffel.

Viele kleine Nebengerichte, die man schon kaum noch als Vorspeisen bezeichnen kann, lockern jede Mahlzeit auf, unter ihnen die leckeren Saucen und andere kalte Speisen, die man in Ägypten auch Mezzen nennt. Am populärsten sind Tahina, eine ölige Sesampaste, sowie Hummus, ein Kichererbsenpüree, und Baba Ghannug, Auberginenbrei. Probieren Sie unbedingt auch die Mahshi-Gerichte, die aus gefüllten Kohl- oder Weinblättern bestehen. Abgerundet wird jedes Gedeck mit einem kleinen Teller Turshi – salzig eingelegten Zwiebeln, Radieschen, Möhren und anderem Gemüse.

Die warme Hauptmahlzeit des Tages essen Ägypter am späten Abend, nicht selten erst gegen Mitternacht, auch in Restaurants. Am Tag vertreiben sie den Hunger vor allem mit Sandwiches.

Die ägyptische Küche besteht seit Jahrtausenden aus dem, was das Niltal hergibt, und das ist vor allem Gemüse und Reis. Fleisch wird als Kebab oder Kufta zubereitet, Hähnchen oder Taube auf Holzkohle gegrillt. Typisch für Oberägypten sind die sogenannten Tagin, die südlich von Kairo Tadschin ausgesprochen werden, es sind Fleisch-Gemüse-Töpfe aus dem Ofen. Besonders lecker: Bamia-Tagin mit Okraschoten und Tomaten. Auch Tagin-Gerichte mit Fisch oder Meeresfrüchten sind köstlich. Überhaupt ist die Fischküche in fast allen Küstenorten sehr empfehlenswert. Die grüne Suppe Molokhiyya, ein ägyptisches Nationalgericht, wird ebenfalls am besten in Oberägypten zubereitet und ist dort in fast jedem Restaurant, von einfach bis luxuriös, erhältlich, auch wenn sie nicht auf der Speisekarte steht. Fragen Sie den Kellner danach!

Ab und an, besonders zum Fest Sham el-Nessim, stößt man auf die bei Einheimischen beliebte Spezialität Fesikh, Fisch, der, nachdem er ein paar Stunden in der Hitze vor sich hingegammelt hat, gepökelt und roh gegessen wird. Fesikh hat nur wenige Liebhaber unter Europäern. Es gehört einige kulinarische Abenteuerlust dazu, das Gericht zu probieren. Es sollte außerdem an einem Ort Ihres Vertrauens serviert werden. Gelegentlich kommt es zu Fischvergiftungen!

Nach dem Essen wird Mokka oder Schwarztee serviert, nur mit Zucker als Shai, mit Pfefferminzblättern als Shai bi-nana. Der Tee wird häufig in Kaffeehäusern eingenommen. Komischerweise denkt man dort oft, Touristen würden Teebeutel bevorzugen. Bestellen Sie deshalb Shai ala bosta, nach Art des Postmanns, wenn Ihnen richtiger Tee aus aufgebrühten Blättern lieber ist! Der Mokka kommt als Ahwa masbut mittelmäßig gesüßt oder als Ahwa sada ohne Zucker.

Für Liebhaber frisch gepresster Obstsäfte ist Ägypten ein Paradies. Überall gibt es günstige Varianten, für die das Fruchtfleisch oft einfach nur püriert ist. Besonders schmackhaft: frische Mangosäfte zwischen Juli und November. Von den in Ägypten gekelterten Weinen sind der rote Obélisque und der weiße Giannaclis die besten. Neben den einheimischen Bieren Stella und Sakara werden im Land auch die Marken Löwenbräu und Carlsberg gebraut.

Schauen Sie in den Restaurants bitte auf das Kleingedruckte in den Speisekarten. Oft müssen Sie zum eigentlichen Preis noch verschiedene Steuern und Gebühren hinzuaddieren, die bis zu 21 Prozent ausmachen können. Bessere Cafés und Gaststätten bestehen zudem nicht selten auf einen Mindestverzehr. Egal, was und wie viel Sie essen oder trinken, Sie müssen dann auf jeden Fall die Minimum Charge zahlen. Vergessen Sie nicht, dem Kellner, der Sie bedient hat, ein, zwei Pfund Trinkgeld zuzustecken – neben jenem Ovulus, den Sie dem kassierenden Kellner geben. Besonders in touristenarmen Zeiten ist das Bakschisch die einzige Einnahmequelle, sogar für fest angestelltes Restaurantpersonal.

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Die Autorin und Ägyptenliebhaberin, die bereits 2006 im Land am Nil lebte, um Arabisch zu studieren, hat das kulturell wie landschaftlich faszinierende Stück Erde und seine freundlichen Bewohner schnell ins Herz geschlossen. Deshalb kehrte sie nach Studiumsende ins Land der Pharaonen zurück, um als Journalistin über die Besonderheiten einer außergewöhnlichen Urlaubsregion zu berichten.

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Quelle: www.marcopolo.de