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Reisefotograf Ahmed El-Salamouny:Im Rhythmus von Rio

Ein Rausch an Farben und Mustern: Die Bilder des Fotografen Ahmed El-Salamouny zeigen, in welcher Vielfalt das Leben in Rio de Janeiro pulsiert.

12 Bilder

Reisefotograf Ahmed El-Salamouny Brasilien Rio de Janeiro

Quelle: Ahmed El-Salamouny

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Ahmed El-Salamouny hört Klänge nicht nur, er sieht sie, wenn er durch die Viertel von Rio de Janeiro spaziert. Die Szenen und Muster prägen sein Gitarrenspiel - und der Musiker hält die bildgewordenen Töne auf Fotos fest. Das passt zu einem deutsch-ägyptischen Gitarristen, der in München groß geworden, aber in der brasilianischen Musik zuhause ist - beeinflusst von Spielweisen aus den arabischen Ländern, Spanien, aus Jazz, Klassik und Zeitgenössischem.

"Man hört den Klang Rios nicht nur in der Musik", sagt El-Salamouny, sondern auch in der einmaligen Landschaft, in den rhythmischen Mustern der Trottoirs des Landschaftsarchitekten Burle Marx (im Bild), in der Bewegung der Menschen, in den grafischen Mustern der Architektur oder der Natur.

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Quelle: Ahmed El-Salamouny

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Für den fotografierenden Gitarristen haben Musik und bildende Kunst viele Berührungspunkte: "Ich sehe bei meinen Kompositionen Bilder oder Farben vor mir und kann beim Fotografieren einen Rhythmus oder eine Melodie hören." Manchmal genüge es, das Muster einfach abzubilden, dann wieder hält er die Bewegung auf dem Bild fest.

Das Wellenreiten interessiert El-Salamouny aus fotografischer und persönlicher Sicht: So lernte er, seine Nervosität vor und während Auftritten zusammen mit Surftrainern beim Wellenreiten auf Hawaii, in Frankreich und Brasilien in den Griff zu bekommen.

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Quelle: Ahmed El-Salamouny

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Rhythmus, der immer auch Bewegung ist, bildet El-Salamouny gerne mit langen Belichtungszeiten ab, auch bei "einem der schönsten Erlebnisse meines Lebens". Er konnte als Pressefotograf während des Karnevals in Rio im Sambódromo arbeiten - ein Rausch an Farben, Musik und Bewegung: "Als akkreditierter Fotograf darf man praktisch überall mitlaufen und die Motive fallen einem förmlich vor die Nase." Ganz besonders freute sich der Künstler über die Nacht, in der es vier Stunden lang regnete: "Die Haut der Tänzerinnen glänzte, die Felle der Trommeln schwammen im Wasser und man hatte das Gefühl, das Fest sei noch losgelöster, noch enthemmter."

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Quelle: Ahmed El-Salamouny

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Ahmed El-Salamouny ist zwar viel auf Reisen und oft auch in Deutschland unterwegs, er spielt auf Festivals und coacht Musiker, auch seine Bilder hat er bereits ausgestellt. Doch nach Brasilien kommt er immer wieder zurück, nicht nur wegen der Musik. "Meine Freundin Claudia ist Brasilianerin und lebt in Rio. Durch sie habe ich viele Ecken kennengelernt, die ich als Tourist nie gesehen hätte. Mit ihr reise ich am liebsten, weil sie ein unglaubliches Gespür für die interessanten Seiten einer Stadt hat." Diese kann er dann wiederum seinen Workshop-Teilnehmern nahebringen, seit 20 Jahren gibt er einen Kurs für brasilianische Gitarrenmusik in ihrem Heimatland. Dazu gehört nicht nur, das Spiel kennenzulernen, sondern auch Land, Leute und Kultur - am besten bei Treffen mit einheimischen Musikern.

Reisefotograf Brasilien Rio de Janeiro

Quelle: Ahmed El-Salamouny

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Einen Lieblingsort hat El-Salamouny in Rio, der zugleich sein variationsreiches liebstes Motiv ist: "Der Strand ist das Wohnzimmer der Cariocas, ich persönlich bin besonders gerne in Ipanema." Dort gibt es genügend Sportler und Zuschauer: bei Altinha, hier wird der Fußball beim lockeren Zusammenspiel immer in der Luft gehalten, beim Futevolley, dem Fußballspiel über ein Volleyballnetz, und natürlich beim Surfen, "besonders am Arpoador, dem berühmten Felsen". Das Foto zeigt einen Capoeirista beim Training am Strand, der dank der Stadtberge eine sehenswerte Kulisse hat.

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Quelle: Ahmed El-Salamouny

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Wer nun denkt, dem Künstler komme es vor allem auf Farben, Muster und Formen an, irrt: "Für mich ist es am interessantesten, Menschen kennenzulernen und durch sie eine Stadt zu entdecken." Wie den Skater Jorge. Mit ihm kam El-Salamouny ins Gespräch, und es stellte sich heraus, dass er "eine ganz eigene, künstlerische Art hatte, seinen Sport zu betreiben". Die kleinen portugiesischen Steine in den Mustern der Gehwege machten Jorge das Skaten schwer, doch zugleich gefielen sie ihm. Um skaten zu können, habe er die Stadt nach glatten Flächen durchsucht. Seine Synthese aus Skaten und Kunst fand Jorge laut El-Salamouny, als er begann, auf die glatten Flächen Graffitis der portugiesischen Steinmuster zu malen. "Als ich ihn kennenlernte, wurde er noch von der Polizei verfolgt. Heute ist er ein von der Stadt geförderter Künstler", berichtet El-Salamouny.

Reisefotograf Ahmed El-Salamouny Brasilien Rio de Janeiro

Quelle: Ahmed El-Salamouny

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Einer seiner Lieblingsorte ist - nach dem Strand - der Gipfel der Dois Irmãos, jener zwei Felsen, die sich so malerisch aneinander zu lehnen scheinen. Anders als auf dem Gipfel des Corcovado mit der Christusstatue müsse man sich den faszinierenden Ausblick über die ganze Stadt durch den eigenen Aufstieg erarbeiten - nach einer abenteuerlichen Fahrt auf den Motorradtaxis durch die Favela Vidigal. Der Lohn: "kein Massenandrang und traumhafte Motive". Ein weiterer Tipps für Rio-Besucher: der Parque Lage in der Nähe des botanischen Gartens. Alles sei kleiner und wilder als im botanischen Garten, "aber nicht weniger schön und vor allem weniger überlaufen".

Reisefotograf Brasilien Rio de Janeiro

Quelle: Ahmed El-Salamouny

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Wenn El-Salamouny Rio fotografiert, versucht er stets, den Rhythmus der Stadt darzustellen, dabei aber auch den Blickwinkel zu verändern und Details zu entdecken - wie den Mann mit dem bunten Touristenschirm auf den Mosaik-Wellen.

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Quelle: Ahmed El-Salamouny

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1985 war der Münchner das erste Mal nach Rio de Janeiro gekommen. Heute erkennt er bedauernd Parallelen zur Zeit damals - nach einer Besserung der Zustände in den Jahren zwischen 2008 bis 2013. "Aber heute kommt zu Inflation, Elend und Kriminalität noch das Spekulieren mit Immobilien." Dies mache es den Einwohnern schwer, die Wohnungen in ihren Heimatvierteln weiterhin bezahlen zu können.

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Quelle: Ahmed El-Salamouny

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Trotzdem findet sich in Rio kein Ort, an den El-Salamouny sich nicht nochmals wagen würde: "Es gibt immer etwas zu entdecken, auch wenn es manchmal etwas gefährlich ist." Einmal war er zwei Stunden unterwegs zum Armenviertel Guadalupe, um die Kinder in der Fußballschule von Jorginho, dem ehemaligen Profi in Leverkusen und des FC Bayern, zu fotografieren. "Ich musste durch einige dunkle Viertel marschieren, aber es hat sich gelohnt. Welch ein Spaß mit den Jugendlichen und ihren Lehrern, welche Begeisterung!", schwärmt El-Salamouny. Das Alphabet lernten die Kinder mit Begriffen aus dem Fußball (J wie in Jorginho, M wie beim Stadion Maracanã), dann gehe es zum Kicken auf den Sportplatz.

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Quelle: Ahmed El-Salamouny

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Rio stecke voller Geschichten, und "nirgends ist es so einfach, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, nirgends wird einem eine ähnliche Entspanntheit, Lässigkeit und Freundlichkeit entgegengebracht". Eine reiche Quelle der Inspiration für einen fotografierenden Musiker.

Hier finden Sie die Webseite von Ahmed El-Salamouny mit mehr Fotos, www.musicianseye.com - und hier hören Sie sein Gitarrenspiel, natürlich am Strand: http://brazilianguitar.de

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

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In dieser Serie stellt SZ.de interessante Reisefotografen vor. Bislang ging es mit ihnen in die Metropolen der Welt, nach Vietnam, tief unter die Meeresoberfläche, zu indigenen Stämmen auf den Philippinen und mitten in die deutsche Städtelandschaft, an Vulkankrater sowie zur wahren Seele der Eisberge, nach Südamerika, Hongkong, nach Taiwan, Island, Bangladesch, in die US-Südstaaten, nach "Senegambia" und Rio de Janeiro sowie in den glühenden Sommer von Tadschikistan. Weitere Episoden zeigten bereits Reisen durch Schottland, Afrika, Armenien, Myanmar, Rumänien, Iran, Spitzbergen und Georgien sowie die Lieblingsorte eines Globetrotters, der alle Unesco-Welterbestätten abbilden will.

© SZ.de/ihe/segi

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