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Reisebuch:Der freie Blick

So schön können leere Städte sein: Ein Bildband zeigt Metropolen auf fünf Kontinenten während des Lockdowns.

Von Stefan Fischer

Absolut still waren Metropolen auch in Zeiten des Lockdowns nicht, selbst in Fällen extrem restriktiver Regeln. In der aktuellen Situation, schreibt Pit Pauen in seinem Vorwort zu dem Band "Stille Städte", falle besonders deutlich auf, wie merkwürdig der Begriff Ruhestörung sei. Als sei Ruhe der Normalzustand, der durch Lärm gestört werde. Dabei ist der Lärm in Städten das Übliche. Wird es stiller, kommt einem das hingegen schnell merkwürdig vor, unheimlich.

Stille selbst lässt sich in der Fotografie gar nicht dokumentieren, ihre Wirkung allerdings schon. Der von Pit Pauen kuratierte Band zeigt aktuelle Motive aus fünf Dutzend Großstädten aller Kontinente. Dabei geht es explizit nicht darum, das Bedrückende, gar Apokalyptische von ungewohnt menschenleeren Stadtlandschaften zu dokumentieren. Trotz zum Teil sehr unterschiedlicher Bildsprachen vermittelt sich vielmehr ein durchgängiges Gefühl von Schönheit. Die Fotografen zeigen ästhetische Strukturen in der Architektur und Infrastruktur der Städte, sie veranschaulichen, dass auch ein einzelner Mensch einen Stadtraum beleben, ihn also mit einem Daseinszweck erfüllen kann.

Pit Pauen: Stille Städte. Als die Welt den Atem anhielt. Verlag teNeues, Kempen 2020. 192 Seiten, 19,90 Euro.

© SZ vom 08.10.2020
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