Süddeutsche Zeitung

Reisebuch "Auf der Suche nach dem Licht":Bilder einer besseren, fernen Welt

Sabrina und Roland Michaud sind Pioniere der Reisefotografie. Auch wenn ihre Aufnahmen aus Asien schon Jahrzehnte alt sind, wirken sie auch heute noch erstaunlich aktuell.

Verwirrend fanden Roland und Sabrina Michaud "dieses Indien". Unvorhersehbar. Genau deshalb waren sie dort. Wurden von Reisenden sogar zu vorübergehend dort Lebenden. Es war ein Abenteuer, in den 1960er-Jahren nach Asien zu reisen, nach Afghanistan und nach Indien. Nach China war es beinahe eine Unmöglichkeit. Man kann sich das heute, nur ein halbes Jahrhundert später, kaum vorstellen.

Es war aber auch eine Chance. Das Ehepaar Michaud - er Franzose, sie Marokkanerin jüdischer Abstammung - konnte noch Pionierleistungen vollbringen auf dem Gebiet der Reisefotografie. Auf ihrer ersten großen Asienreise, von 1964 bis 1968, wussten die Autodidakten noch gar nicht, dass sie tatsächlich solche Entdecker waren. Klar war ihnen nur, so Roland Michaud, dass sie neben 34 000 Farbdias vor allem Erinnerungen mit nach Hause bringen - "so viele, dass wir ein Leben lang davon zehren können".

Die Fotografien sind aber auch etwas wert, sie überzeugten Robert Gilka, den fotografischen Leiter von National Geographic. So begannen zwei Karrieren, die eigentlich eine sind. Und die nun in den opulenten Bild- und Textband "Auf der Suche nach dem Licht" münden, den man als das Vermächtnis der Michauds ansehen muss.

Die dafür ausgewählten Bilder, obschon manche jahrzehntealt sind, haben nichts Vergangenes - die Motive mitunter schon, weil sie Lebenswelten zeigen, die heute so nicht mehr existieren. Aber nicht ihre Komposition. Roland und Sabrina Michaud haben es zu einer Meisterschaft gebracht in der Gegenlicht-Fotografie. Sie ermögliche es, schreiben die beiden, "das Banale der Realität zu sublimieren". Dieser Wunsch nach Erhabenheit hat System: Roland und Sabrina Michaud haben es sich sehr früh zur Regel gemacht, in der Fremde nur das zu sehen, was besser ist als zu Hause. Alles andere würde sie nicht interessieren. Daran halten sie sich bis heute, und ganz besonders natürlich in ihrem Buch.

Roland und Sabrina Michaud: Auf der Suche nach dem Licht. Knesebeck Verlag, München 2016. 408 Seiten, 49,95 Euro.

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Quelle:
SZ vom 30.06.2016
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