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Reise zum Eyjafjallajökull:"75 Prozent aller Reittouren wurden gecancelt"

Als im Frühling der Feuerberg erwacht war, hustete er so viel Asche in den Himmel, dass selbst in Südeuropa der Flugverkehr wochenlang darniederlag. Die Folgen vor Ort sind auch heute noch zu sehen: Überall ließ die plötzliche Gletscherflut Bäche zu reißenden Flüssen anschwellen, sie begruben grüne Weiden unter schwarzem Ascheschlamm.

Island Reise Vulkan

In der Vulkan-Gegend erwarten den Reisenden unzählige Schafe - und eine grandiose Szenerie.

Nun räumen Bagger den übriggebliebenen Ascheschlamm weg. Mancherorts rissen die Isländer in weiser Voraussicht flugs die Straße weg vor und hinter den Brücken und schufen so künstliche Flussbette. Dadurch retteten sie die Bauwerke vor den Wassermassen und sparten Zeit und Geld - schließlich sind ein paar Meter Straße günstiger zu asphaltieren, als eine Brücke von Grund auf neu zu errichten.

So stoisch-locker und pragmatisch reagieren die Isländer meistens auf Naturgewalten, da kann der Ausbruch noch so dramatisch sein. Als etwa auf der bewohnten Westmännerinsel Heimaey 1973 nachts in unmittelbarer Nachbarschaft des Ortes ein Vulkan ausbrach, brachten die Isländer seelenruhig Mensch, Tier und Habe in Sicherheit. Während aus dem Krater im Hintergrund glühende Brocken flogen, luden junge Männer Matratzen, Herde und Kühlschränke, sprich: alles, was nicht niet- und nagelfest war, auf Laster und später auf Schiffe.

Festgehalten hat diese Szenen Villy Knudsen mit seinem Vater. Der bärtige Dokumentarfilmer versucht seit Jahrzehnten, alle Vulkanausbrüche auf Island zu filmen. Auch beim Ausbruch des Eyjafjallajökull war er hier und filmte mit seinen Arri-Kameras, die er einst in München-Schwabing gekauft hatte. Knudsen wirkt ein bisschen enttäuscht, wenn er vom Frühjahr erzählt: "Die Eruption war stark, aber es gibt keinen richtigen Krater."

Das große Putzen

Den im Umland ansässigen Bauern hat es trotzdem gereicht: Als der schwarze Regen vom Himmel rieselte, war es drei Uhr nachmittags, erzählen sie im Reiterhof Skalakot, der im schmalen Streifen zwischen Vulkan-Massiv und der See liegt. Überall seien die schwarzen Partikel gewesen, man habe kaum atmen können, die schwarze Schicht lag auf den Straßen, die Dachrinnen waren verstopft. Panisch sei aber niemand gewesen, sagt der 14 Jahre alte Bauernsohn Viðar. "Die 60 Pferde haben wir in sichere Regionen gebracht."

Danach habe das große Putzen begonnen, anschließend kamen die Fernsehteams, bis der Vulkan nicht mehr rauchte. Einige Monate später begann der Sommer. Inzwischen sind die meisten Wiesen wieder grün, das Gras steht hoch, von der Asche ist beachtlich wenig zu sehen: Die Partikel aus dem Inneren der Erde sind Dünger für die Pflanzen.

Nur die Touristen bleiben fern: Viðar erzählt, dass sie sehr viele Absagen erhalten haben. "75 Prozent aller gebuchten Reittouren wurden gecancelt." Die Tourismusministerin - jung, blond und sehr agil - war vor einigen Monaten da mit einem Pulk von Reportern, versprach, Werbung für den Tourismus und auch die betroffene Region zu machen. Nur: Es nutzte wenig, vielleicht auch deshalb, weil sich die ganze Nation malade fühlt.

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