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Reisefotograf Matt Long:Deutschland, so schön bunt und seltsam

Der Amerikaner Matt Long reist für seinen Blog um die Welt. Dabei lässt er sich auch von Deutschland begeistern - manchmal zu seiner eigenen Überraschung.

12 Bilder

Speicherstadt, Hamburg, Deutschland

Quelle: Matthew Long

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Als Matt Long zum ersten Mal mit seiner Kamera durch Hamburgs Speicherstadt radelt, ist ihm fast ein wenig unheimlich. Die Gegend wirkt auf ihn "dystopisch", in seinem preisgekrönten Blog LandLopers schreibt er danach von einem "Geisterstadtgefühl". Andererseits: "Man kann spüren, dass hier große Dinge passieren."

Schließlich ist die historische Speicherstadt aktuell Teil eines ehrgeizigen Stadtentwicklungsprojekts. Long weiß das - und vergleicht den Besuch mit dem der High Line von Manhattan oder des Hofbogens in Rotterdam. Es gehe hier um "eine neue Art von Tourismus", der urbane Schönheit genauso schätzt wie berühmte Denkmäler und hübsche Landschaften. Für den Amerikaner ist die Suche nach all diesen Dingen Lebensinhalt.

Im Bild: Die Speicherstadt in Hamburg

Hamburg, Deutschland

Quelle: Matthew Long

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"Ich bin weder ein Backpacker, noch lebe ich von einem Treuhandfonds", betont der Blogger, der von Washington D.C. aus um die Welt tourt. Er habe es bloß geschafft, das Reisen zum Beruf zu machen. Dieser Traumjob hat Long schon in mehr als 65 Länder auf allen Kontinenten geführt.

Nach Deutschland ist er vor wenigen Wochen zum wiederholten Mal gekommen - hier findet er besonders Hamburg äußerst fotogen. Die Vielfalt sei wunderbar, erklärt er: die klassischen Altbauten, St. Pauli wiederum "schrullig, seltsam und so schön bunt", und dann eben die Weite in der Hafencity. "Hamburg hat viele Gesichter und sie sind alle interessant", sagt Long.

Im Bild: Straßenszene in Hamburg

Rothenburg ob der Tauber, Deutschland

Quelle: Matthew Long

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Doch so spannend die Metropolen sind, besonders angetan hat es Long ein anderer Ort: Rothenburg ob der Tauber, im tiefsten Franken. Nicht ohne Grund sei das Städtchen bei Touristen so beliebt, sagt Long. In seinem Blog hat er dazu geschrieben: "Als ich in die Stadt gelaufen bin, schien alles ein bisschen zu unglaublich. Es sah alles zu gut aus, zu bunt und zu sehr wie in einem Disney-Film." Aber dann habe er gemerkt: So ist es dort eben.

Im Bild: Rothenburg ob der Tauber

Rothenburg ob der Tauber, Deutschland

Quelle: Matthew Long

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Mit einer guten Dosis Kitsch hat der Amerikaner keine Probleme. Rothenburg sehe halt so aus, "wie wir glauben, dass Deutschland aussehen sollte". Er habe viele Einheimische und Touristen darüber schimpfen hören, dass es wie ein Fantasieerlebnis sei, aber genau deshalb habe er seinen Aufenthalt so genossen. "Klar, es ist fantastisch, aber das ist okay. Es macht Spaß und fasziniert, und wenn das beim Reisen nicht wichtig ist, dann weiß ich auch nicht."

Im Bild: Rothenburg ob der Tauber

Stuttgart, Deutschland

Quelle: Matthew Long

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Klischees existierten nicht ohne Grund, und es sei völlig normal, sie auch abzubilden, erläutert Long seine Sicht. Solange man sich als Blogger nicht auf sie beschränke, und klischeehafte Momente durch "persönlichere, ehrlichere" Eindrücke ausgleiche.

Im Bild: Graffiti in Stuttgart

Reichstag, Berlin, Deutschland

Quelle: Matthew Long

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Besonders positive Eindrücke sammelte Long bei einem Besuch in der Reichstagskuppel - für ihn ein Ort, der perfekt ein offenes, zukunftsgewandtes Land symbolisiert, das aus seiner Vergangenheit gelernt hat.

Dazu passend nahm er geradezu leuchtende Bilder auf. Es habe sicher nicht geschadet, dass zu dieser Zeit die Sonne unterging und er mit seiner Kamera die "Goldene Stunde" erwischte.

Im Bild: Reichstagskuppel in Berlin

Freiburg, Deutschland

Quelle: Matthew Long

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Wo gab es bisher die größte Überraschung? "Ich habe gemerkt, dass ich mich in Freiburg verliebe - was ich wirklich nicht habe kommen sehen", antwortet Long. Nett hätte er sich die Stadt zwar vorgestellt, "aber ich hätte nie die hübsche Silhouette der Altstadt erwartet, mit dem Bächle und diesen ruhigen Grünflächen überall, die nie weit vom Wasser entfernt sind und so schöne ruhige Pausen ermöglichen". Freiburg sei eine wundervolle Stadt, um ziellos und ganz für sich auf Entdeckungsreise zu gehen.

Im Bild: Park in Freiburg

Passau, Bayern, Deutschland

Quelle: Matthew Long

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Long sieht die Dinge gerne selbst, auch wenn er oft nicht viel Zeit an einem Ort hat. Von Frankfurt am Main etwa gebe es die "irrige Annahme, dass sich ein Besuch nicht lohnt". Dass selbst ein Tourguide dort zur Begrüßung erklärte, die Stadt sei interessanter, als man denke, hat ihn offensichtlich fast mitleidig gestimmt. Long verfasste nach seiner Stippvisite eine kleine Ehrenrettung. Wie viel die vorangegangene "Ebbelwei"-Tour mit seinem milden Urteil zu tun hat, sei dahingestellt.

Von kleineren Highlights wie Passau etwa, klagt er in einem anderen Eintrag, hätten "(mindestens hier in den USA) die meisten Leute wohl noch nie etwas gehört". Bei LandLopers gibt es deshalb nun eine kleine Einführung für Ahnungslose - angefangen damit, wie man diesen mysteriösen Ort im fernen Bayern überhaupt findet.

Im Bild: Straßenszene in Passau

Christkindlmarkt in Nürnberg, Deutschland

Quelle: Matthew Long

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Hat Long schon Unvergessliches erlebt in Deutschland? Weihnachtsmärkte habe er schon viele auf der Welt gesehen, sagt er, aber ein Abend kurz vor den Feiertagen in Nürnberg sei zum Aha-Erlebnis geworden. "Ich werde das nie vergessen, weil die Massen mich geschockt haben - aber nicht auf eine schlechte Weise." Es sind dann eben doch oft die Klassiker, die im Gedächtnis bleiben.

Im Bild: Christkindlmarkt in Nürnberg

Rothenburg ob der Tauber, Deutschland

Quelle: Matthew Long

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Der unbekümmerte Ton von Longs Blog erinnert teils an die aneinandergereihten Geschichtchen von Stand-Up-Comedians. Er betitelt sie gerne mit Zeilen wie "Eating Great Food From Bad Countries" oder "Frankfurt Wine Trolley - Drunk Sightseeing at its Best". Doch es geht ihm sichtlich um mehr als schnelle Gags. In seinen Reiseberichten mixt er Historisches und Alltägliches, freut sich auch über kleine Entdeckungen und schwärmt natürlich vom Essen (in Deutschland etwa vom Rothenburger Gebäck "Schneeballen").

Da sich Weltenbummler Long im Gegensatz zu anderen Reisefotografen und -bloggern auf keine einzelne Region konzentriert, geht es in seinem Blog oft nicht so sehr um einzelne Ziele, sondern um das Reisen an sich. Zuletzt hat er etwa ein kleines Plädoyer für frühes Aufstehen unterwegs gepostet.

Im Bild: Rothenburg ob der Tauber

Matt Long in Freiburg, Deutschland

Quelle: Matthew Long

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Auf die Frage, ob es einen Ort in Deutschland gebe, an den er nie mehr zurück möchte, antwortet Long auf seine unermüdlich freundliche Art: "Das beantworte ich auf gar keinen Fall". Die Welt zu umreisen macht eben diplomatisch.

Im Bild: Matt Long mit einer Freiburgerin in Schwarzwälder Tracht

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

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In dieser Serie stellt SZ.de interessante Reisefotografen vor. Bislang ging es mit ihnen in die Metropolen der Welt, nach Vietnam, tief unter die Meeresoberfläche, zu indigenen Stämmen auf den Philippinen und mitten in die deutsche Städtelandschaft, an Vulkankrater sowie zur wahren Seele der Eisberge, nach Südamerika, Hongkong, nach Taiwan, Island, Bangladesch, in die US-Südstaaten, nach "Senegambia" und Rio de Janeiro sowie in den glühenden Sommer von Tadschikistan. Weitere Episoden zeigten bereits Reisen durch Schottland, Afrika, Armenien, Myanmar, Rumänien, Iran, Spitzbergen und Georgien sowie die Lieblingsorte eines Globetrotters, der alle Unesco-Welterbestätten abbilden will.

© SZ.de/kaeb/dd

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