Kolumne „Hin und weg“Der Traum vom Fliegen

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Leonardo DiCaprio in seiner Rolle als Frank Abagnale jr. im Film „Catch Me If You Can“: Der gibt sich als Co-Pilot aus – und kommt damit ziemlich lange durch.
Leonardo DiCaprio in seiner Rolle als Frank Abagnale jr. im Film „Catch Me If You Can“: Der gibt sich als Co-Pilot aus – und kommt damit ziemlich lange durch.
DreamWorks/Everett Collection/imago images

Ein Kanadier hat sich Hunderte Flugtickets bei amerikanischen Airlines ergaunert. Nun hat der Hochstapler eine Bruchlandung erlitten. Eigentlich schade.

Glosse von Stefan Fischer

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Der Mann, um den es hier geht, ein 33-jähriger Kanadier mit Vornamen Dallas, ist durchaus vom Fach: Er hat ein paar Jahre lang als Flugbegleiter gearbeitet. Von 2020 an hat dieser Dallas sich allerdings darauf verlegt, einen Flugbegleiter nur noch zu spielen. Oder, hin und wieder, auch einen Piloten. Das hat der Kanadier offenbar glaubhaft hinbekommen – denn jahrelang hat man ihm beides abgenommen, den Flugbegleiter genauso wie den Piloten.

Weil es bei Transportunternehmen üblich ist, dass Angestellte in einem bestimmten Umfang die wahlweise Trambahnen, Fernzüge oder eben Flugzeuge kostenfrei nutzen dürfen, hat sich der Mann mithilfe gefälschter Mitarbeiterausweise Hunderte Gratisflüge ergaunern können – allesamt bei amerikanischen Fluglinien im Übrigen. Solchen Typen, die mit kleinem Aufwand und großer Chuzpe das System austricksen und dabei aber weiter kein Unheil anrichten, gehören in der Regel die Sympathien. Das hat nicht zuletzt der Erfolg von Steven Spielbergs Film „Catch Me If You Can“ mit Leonardo DiCaprio in der Rolle eines aerophilen Hochstaplers, oder soll man sagen: Überfliegers bewiesen.

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Weshalb es durchaus bedauerlich ist, dass der diese Filmfigur womöglich nachahmende Dallas letztlich doch geschnappt worden ist und jetzt in Hawaii vor Gericht steht. Ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft, was einerseits horrend ist angesichts seines Vergehens, das in der Anklage etwas altbacken wire fraud genannt wird, also in etwa telekommunikative Täuschung – andererseits in den USA zugleich eine Lappalie, wo man für viel weniger mitunter schon viel länger weggesperrt wird. Vielleicht schieben sie ihn auch nach Kanada ab. Das wäre in seinem Fall mutmaßlich sogar ein Glück.

Sollte der Mann indessen verurteilt werden, dann nur formal wegen Urkundenfälschung oder Schwarzfliegens, oder was auch immer an Gesetzen herangezogen werden kann. Insgeheim aber wohl als Rache dafür, dass er viele Menschen, Institutionen, ja ein ganzes Land blamiert hat. Mit ein bisschen Bastelarbeit und dem Vertrauen darauf, dass Frechheit schon siegen werde. Ob er nach seiner Freilassung die gesammelten Bonusmeilen noch wird abfliegen können?

Der Autor möchte gerade nicht in die USA. Selbst mit einem Freiflug nicht.
Der Autor möchte gerade nicht in die USA. Selbst mit einem Freiflug nicht.
Bernd Schifferdecker (Illustration)
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