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Regnerischer Sommer in Italien:"In zwei Minuten ist es vorbei"

Ein Kollege von Spunton kommt hinzu. "Alle denken, wir schieben eine ruhige Kugel, wenn es regnet", sagt er, "dabei arbeiten wir doppelt so viel. Und . . . " - er zieht mit den Fingern die Mundwinkel nach oben -, " . . . immer lächeln." Also haben sie stimmungsaufhellende Ballons aufgeblasen, um die Räume zu dekorieren, haben jeden Ausweichort genutzt, den der Platz bietet, die Disco, die Fitnessräume, die Töpferwerkstatt, haben bei jeder Morgenbesprechung einen "Plan B" erarbeitet - und oft umsetzen müssen. Haben viele Filme gezeigt, um die Kinder bei Laune zu halten. Vor Saisonbeginn hatte Spunton einen ganzen Schwung neue Filme gekauft. "Eine Vorahnung vielleicht, ich weiß es nicht." Hilfreich war es in jedem Fall. Denn wenn das Internet nicht funktioniert und es draußen regnet, ist das Kino der Retter.

Könnte man nicht auch Karten spielen? Könnte man schon, sagt Gruber. Oder auch "Mensch ärgere dich nicht". Aber auf schlechtes Wetter am Strand sind Urlauber eingestellt, wenn sie an die Nordsee fahren, nicht, wenn sie Italien wählen. Da packt man keine Regenkleidung ein. Da scheint doch immer die Sonne. Und außerdem, fragt Gruber: "Wer kann denn überhaupt noch Karten spielen?" Es soll nicht anklagend klingend, ist nur seine Beobachtung, dass Familien mit vier Kindern kommen und für jedes einen Internetpass kaufen. Auch viele Väter haben sie hier, die mit ihren Kinder sonst nur ein paar Wochenenden im Jahr verbringen und jetzt zwei Wochen am Stück gestalten sollen. Auch das ist leichter, wenn die Sonne scheint.

Das Dilemma der Meteorologen

Nicht getadelt ist genug gelobt - nach diesem Motto bekommen Meteorologen meist gar keine Reaktion auf ihre Arbeit. Dafür kriegen sie umso mehr zu hören, wenn sie daneben liegen. Generell sind die Prognosen mittlerweile oft bis zu einer Woche hinaus erstaunlich präzise. Allerdings haben es Meteorologen umso schwerer, je unbeständiger die Wetterlage ist, je kleiner das Gebiet und je abhängiger von lokalen Bedingungen der Aspekt des Wetters ist, den sie vorausberechnen sollen. So sind Tageshöchsttemperaturen für eine Region bei stabilem Sommerhoch ziemlich einfach zu bestimmen. Aber in der italienischen Wetterküche dieses Sommers für einzelne Küstenabschnitte zu prognostizieren, wo es wie lange regnet, war kompliziert. Die kleinsten Einheiten in den Computerberechnungen sind zurzeit etwa drei Kilometer lang. Wolkenbildung und Regen können zudem stark von der Topografie abhängen, gerade an der Küste. Und dann gibt es noch einen Unterschied zwischen staatlichen Wetterdiensten und den Betreibern von Wetter-Apps. Sie geben die Prognosen der Großen nur weiter und überlegen vermutlich, welcher Fehler weniger unangenehm ist. Im Zweifel warnen sie vielleicht lieber vor Regen: Ein Kunde, der nicht nach Italien gefahren ist, dürfte ihnen nicht so schnell den Rücken kehren, falls es doch warm ist. Wer aber nach einer Sonnenprognose im Regen am Strand sitzt, könnte ernsthaft böse werden. Christopher Schrader

Über Enge und quengelnde Kinder müssen Annie und Kees de Vries sich den Kopf jedenfalls nicht mehr zerbrechen. Die Kinder sind groß, und das Paar aus Holland hat zwei Stellplätze auf dem Union Lido, gleich vorne am Strand. 1955 sind die beiden zum ersten Mal hergekommen, zur Eröffnung. Seitdem haben sie jeden Sommer hier verbracht - von April, wenn der Campingplatz aufmacht, bis September, wenn er schließt. Tiefengebräunt sitzen sie beim Nachmittagsprosecco zwischen ihren Blumen.

Camping Italien

Annie und Kees de Vries haben seit 1955 jeden Sommer auf dem Campingplatz verbracht.

(Foto: Maier-Albang)

Nein, an so einen verregneten Sommer hier könne sie sich nicht erinnern, sagt Annie de Vries. Aber der vergangene Sommer sei viel schwieriger gewesen - so heiß, dass sie mit dem Gießen kaum nachgekommen seien und die Nachbarn sich eine Klimaanlage gekauft haben, weil sie nicht einschlafen konnten. Den diesjährigen Regen nehmen nur die Petunien übel. Dem Gras, das Kees de Vries vor dem Wohnwagen gesät hat, tue er gut. Und ihr, sagt Annie de Vries, mache er auch nichts aus. Sie kann jeden Schauer in Ruhe unter der Überdachung abwarten. "Und es gab keinen Tag, an dem wir nicht ans Meer konnten."

Aber so geduldig sind nicht alle. Viele, auch Stammgäste, seien vorzeitig abgefahren, sagt Konrad Gruber. Die Macher hier hat längst die Ahnung beschlichen, dass selbst die italophilsten Kunden vielleicht zwei verregnete Sommer verzeihen würden, einen dritten aber kaum. Dafür ist die Türkei zu billig. Und selbst Griechenland ist wieder erschwinglich. Was also tun? Den Service zu verbessern wäre generell für Italien keine schlechte Option. Die Suche nach vermeintlich Schuldigen - die Macher der Wetter-Apps! - wird jedenfalls nicht reichen, wenngleich auch Gruber sich eine präzisere lokale Vorhersage wünscht. Wenn stundenlanger Regen angekündigt wird, wo nur ein Schauer durchzieht, schrecke das Kurzentschlossene ab. Man darf vermuten, dass die Prognosen im nächsten Sommer positiver werden.

Samstagmorgen. Die Sonne scheint, auf der Zufahrt zum Union Lido stauen sich die Autos. Der Platz ist voll. Wer warten will, darf den Pass abgeben, das Auto auf dem Sportplatz gegenüber parken, wo es Strom gibt. Die Italiener sind gekommen, endlich doch noch schönes Wetter, bevor bald nach Ferragosto, am 15. August, der Alltag wieder nach einem greift.

Samstagnachmittag. Das Bühnenbild steht. Zur rot glühenden Savanne haben sich eine Feuerstelle und ein Fels gesellt. 15 Uhr. Wolken ziehen auf. Es blitzt. Zwei Kilometer im Hinterland steht Landwirt Fabiano Bodi neben seinen Tomatenstauden. Das Gemüse, das er anbaut, gibt es auf dem Campingplatz zu kaufen: Zucchini, Auberginen, Paprika - Nachtschattengewächse, "Pflanzen, die die Sonne brauchen, um zu reifen", wie Bodi sagt. Früchte tragen sie auch, wenn es regnet, mehr sogar als sonst. Aber der Geschmack sei nicht so gut wie üblich, sagt Bodi. Mittlerweile ballen sich die Wolken am Himmel, aus den regenschweren Wiesen steigen Moskitos, gegen die das Schutzspray nichts ausrichtet. Bodi geht hinüber zu Nonna, seiner 80-jährigen Mutter, die mit ihrem Stuhl unters Vordach gerückt ist. Die ersten Tropfen fallen. "In zwei Minuten ist es vorbei", sagt Agnese Bodi. Ihr Sohn lacht. "Das hat sie im April auch gesagt. Und dann hat es nicht aufgehört zu regnen."

Es tröpfelt. Die Sonne kehrt zurück. Am Abend singt der Löwe auf dem Campingplatz. Und in Jesolo beschwört die Chiemgau Crew aus Ruhpolding den "Sommer in der Stadt". Die Wettervorhersage für Cavallino: Samstag, 16. August, Sonne am Morgen, wolkig am Abend. Sonntag, 17. August, leichte Bewölkung.

Informationen

Anreise: Vom Brenner die A22 in Richtung Verona nehmen, ab Verona auf der A4 in Richtung Venedig weiterfahren. Den Ausschilderungen in Richtung Triest folgen und in San Donà/Noventa di Piave abfahren, weiter Richtung Jesolo, dann Cavallino-Treporti.

Unterkunft: Ein Stellplatz mittlerer Kategorie plus zwei Erwachsene und zwei Kinder (6-12) kostet in der Hochsaison pro Tag 73,50 Euro; www.unionlido.com

© SZ vom 14.08.2014/ihe
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