Reformation:Luthers Lebensstationen in Bildern

Martin Luther versetzte mit seinen Thesen die Welt in Aufruhr. Vor allem seine Heimat Mitteldeutschland wird zum Lutherland - wo der Reformator Spuren hinterließ.

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Reformationsfest in Lutherstadt Wittenberg

Quelle: Peter Endig/dpa

Der Reformator beschränkte sich nicht darauf, Thesen zu formulieren: Martin Luther war viel unterwegs, predigte, verteidigte seine Ansichten. Vor allem in Mitteldeutschland hat er Spuren hinterlassen - die Reise seines Lebens in Bildern.

Im Bild: Das Denkmal in der Lutherstadt Wittenberg.

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Eisleben

Die Wirkungsstätten von Martin Luther

Quelle: dpa

Die kleine Stadt zwischen Harz und Elbe markiert Anfang und Ende des Lebens von Martin Luther: Am 10. November 1483 wird er in Eisleben geboren und einen Tag später in der Kirche St. Petri-Pauli getauft. Am 18. Februar 1546 stirbt er in Eisleben. Der Ort in Sachsen-Anhalt trägt deshalb seit 1947 den Beinamen "Lutherstadt" - obwohl der Reformator nie längere Zeit in Eisleben lebte: Seine Eltern zogen kurz nach der Geburt des kleinen Martin ins wenige Kilometer entfernte Mansfeld. Trotzdem blieb Luther seiner Geburtsstadt ein Leben lang verbunden: 1546 reist er nach Eisleben, um - zum wiederholten Male - zwischen den zerstrittenen Grafen Mansfeld zu vermitteln. Es wird seine letzte Reise: Nach einem Schwächanfall stirbt er.

Sowohl Geburts- als auch Sterbehaus können besichtigt werden - es sind allerdings beide nicht die Originalstätten: Das Haus, in dem Luther geboren wurde, brannte 1689 ab. Die Stadt errichtete dort 1693 eine Armenschule, die auch als Erinnerungsstätte diente. Heute ist das Gebäude ein Museum, gezeigt werden unter anderem historische Möbel und Werkzeuge. Gestorben ist Luther wohl nicht in dem Gebäude am Markt, das mehrere Jahrhunderte lang als Luthers Sterbehaus galt, sondern neueren Forschungen zufolge einige Häuser weiter. Dennoch soll das Museum weiterhin als Stätte des Gedenkens an Luthers Tod dienen.

Was gibt es noch zu sehen? Eisleben ist über 1000 Jahre alt, sehenswert ist der historische Marktplatz mit Bürgerhäusern und - natürlich - Lutherdenkmal. Die St. Andreaskirche aus dem 15. Jahrhundert prägt die Stadtsilhouette, auf der Kanzel hielt Luther seine letzten vier Predigten. Etwas außerhalb der Stadt liegt das Zisterzienserinnenkloster St. Marien zu Helfta, im 13. Jahrhundert gegründet und einst Zentrum der deutschen Frauenmystik. 1542 wurde es aufgelöst, 1999 zogen wieder Ordensschwestern ein.

Im Bild: Luthers Geburtshaus in Eisleben.

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Mansfeld

Lutherstätten in Sachsen-Anhalt - Mansfeld

Quelle: dpa

Luthers Vater Hans Luder - erst 1517 änderte der Reformator den Namen in "Luther" - ist in Mansfeld als Teilhaber einer kleinen Bergbaugesellschaft und Hüttenmeister in der Kupferproduktion tätig. Seine ersten 13 Lebensjahre verbringt Martin Luther in der kleinen Stadt in Sachsen-Anhalt, von 1488 an besucht er dort die Lateinschule. Der Familie gehört ein Anwesen mit Wohnhaus, Wirtschaftsgebäuden und Stallungen. Ein Teil des Wohnhauses blieb erhalten und dient heute als Museum. Zu sehen sind unter anderem archäologische Funde aus der früheren Abfallgrube: Geschirr und Gläser zeugen vom Wohlstand der Familie.

Was gibt es noch zu sehen? Oberhalb der Stadt liegt eine imposante Burganlage, im Mittelalter Stammsitz der Mansfelder Grafen. Drei Schlösser, umgeben von einer Festungsanlage, standen früher auf dem Schlossberg, geblieben sind davon nur Ruinen. Erhalten sind noch die Schlosskirche sowie ein Gebäude im neugotischen Stil, das Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet wurde und heute als Jugendbildungsstätte dient.

Im Bild: Eingang des Lutherhauses in Mansfeld

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Eisenach

Die Wirkungsstätten von Martin Luther

Quelle: dpa

Sein ältester Sohn soll lernen, später studieren - das ist Luthers Vater sehr wichtig. 1498 schickt er Martin deshalb auf die Lateinschule im thüringischen Eisenach. Zunächst lebt er bei Verwandten, später soll ihm die Patrizierfamilie Cotta Quartier geboten haben. Ob er tatsächlich im "Lutherhaus" wohnte, ist nicht überliefert: Der Familie Cotta gehörten mehrere Häuser in Eisenach. Schon seit dem 19. Jahrhundert dient das Fachwerkhaus, eines der ältesten in Thüringen, als Erinnerungsstätte. Zum Reformationsjubiläum wurde das Gebäude saniert und die Ausstellung im Museum überarbeitet.

Was gibt es noch zu sehen? 200 Jahre nach Luther wächst Johann Sebastian Bach in Eisenach auf: Der Komponist wird 1685 geboren, sein mutmaßliches Geburtshaus ist heute ein Museum. Bach singt wie auch Luther als Schüler im Chor der Georgenkirche, der Hauptkirche von Eisenach. Sie geht auf das zwölfte Jahrhundert zurück und wurde, nachdem Luther dort gepredigt hatte, zu einer der ersten protestantischen Kirchen in Deutschland.

Im Bild: Lutherhaus in Eisenach

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Erfurt

Die Wirkungsstätten von Martin Luther

Quelle: dpa

Von 1501 an studiert Luther in Erfurt Jura. Für die 1392 gegründete Universität findet er später allerdings ziemlich kritische Worte: Erfurt sei "nichts besseres gewesen denn ein hurhauß und bierhauß". 1505 tritt er in das Kloster des Augustinerordens ein, nachdem er - so will es die Legende - bei einem schweren Gewitter gelobt hatte, künftig als Mönch zu leben, sollte er Blitz und Donner unbeschadet überstehen. 1507 liest er in der Augustinerkirche seine erste Messe. Eine Ausstellung beschreibt das Leben eines Augustiner-Eremiten-Mönches im Kloster und Luthers Stationen in Erfurt.

Was gibt es noch zu sehen? Die thüringische Landeshauptstadt entdeckt man am besten zu Fuß: Die gut erhaltene historische Altstadt mit ihren Bürger- und Fachwerkhäusern lohnt einen ausgiebigen Spaziergang. Mittendrin auf einer kleinen Anhöhe steht der Dom St. Marien, in dem Luther zum Priester geweiht wurde. Teile des Kirchenbaus stammen aus dem 12. Jahrhundert. Weiteres Wahrzeichen der Stadt ist die Krämerbrücke, die sich über einen Seitenarm der Gera spannt: Sie ist seit dem Mittelalter durchgehend mit Häusern bebaut, in den kleinen Geschäften im Erdgeschoss werden Antiquitäten und Kunsthandwerk verkauft.

Im Bild: das Evangelische Augustinerkloster in Erfurt

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Wittenberg

Dänische Königin besucht Wittenberg

Quelle: dpa

Gerade einmal 2000 Einwohner zählte Wittenberg, als Luther 1511 in die Stadt an der Elbe zieht. Er wird Professor an der wenige Jahre zuvor gegründeten Universität. Am 31. Oktober 1517 soll er seine 95 Thesen gegen den florierenden Handel mit Ablassbriefen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen haben - der Beginn der Reformation. Dass er die Thesen an mehrere kirchliche Würdenträger schickte, ist gesichert; dass Luther sie tatsächlich an die Kirchentür hängte, gilt allerdings als eher unwahrscheinlich.

Das Augustinerkloster, in dem er seit seinem Umzug nach Wittenberg lebt, wird während der Reformation aufgelöst und Luther als Wohnung zugewiesen. Bis zu seinem Tod lebt er dort mit seiner Familie - 1525 hatte er die frühere Nonne Katharina von Bora geheiratet. Auch das Wittenberger Lutherhaus beherbergt ein Museum zur Reformationsgeschichte, bleibt wegen Umbauarbeiten allerdings noch bis März 2017 geschlossen.

Was gibt es noch zu sehen? Neben Luther lebte mit Philipp Melanchthon ein weiterer wichtiger Reformator in Wittenberg, das seit 1938 offiziell den Beinamen Lutherstadt trägt. Sein Wohnhaus kann besichtigt werden. Auch den Maler Lucas Cranach zog es nach Wittenberg. In den Cranach-Höfen ist unter anderem eine historische Druckerei zu besichtigen.

Im Bild: Schlosskirche in Wittenberg

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Worms

Die Wirkungsstätten von Martin Luther

Quelle: dpa

Die katholische Kirche, allen voran der Papst, verlangte von Luther, seine Thesen zu widerrufen. Im Januar 1521 wird er exkommuniziert. Gleichzeitig findet die neue Kirchenlehre rasche Verbreitung in Deutschland, auch einige Landesherren waren auf Luthers Seite. 1521 darf er deshalb auf dem Reichstag in Worms vor Kaiser Karl V. seine Thesen erläutern. Luthers Auftritt gilt als Schlüsselereignis der Reformation: Er weigerte sich, seinen Lehren abzuschwören. "Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen." So sind Luthers Worte überliefert. Der berühmt gewordene Satz "Hier stehe ich und kann nicht anders" ist hingegen nicht belegt. Der Kaiser verhängt über Luther die Reichsacht und verbietet die Verbreitung seiner Schriften. Im Wormser Heylshofpark markiert eine Bodenplatte den Ort, an dem Luther seinen berühmten Auftritt vor dem Kaiser hatte.

Was gibt es noch zu sehen? Der im zwölften Jahrhundert erbaute Dom St. Peter gehört zu den wichtigsten romanischen Kirchenbauten in Deutschland. An der alten Stadtmauer dokumentiert das Nibelungenmuseum die Sage um Siegfried und Kriemhild, die zu großen Teilen in der hessischen Stadt angesiedelt ist. Sehenswert ist auch der jüdische Friedhof "Heiliger Sand": Der älteste jüdische Friedhof in Europa wurde um das Jahr 1030 angelegt.

Im Bild: Luther-Denkmal im Heylshofpark in Worms

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Wartburg

Reformationsdekade beginnt im September

Quelle: ZB

Durch die Reichsacht ist Luther vogelfrei, ihm droht die Auslieferung nach Rom. Doch er hat auch Unterstützer: Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen gewährt ihm Zuflucht auf der Wartburg bei Eisenach. Zehn Monate lang versteckt sich Luther dort, getarnt als "Junker Jörg". In dieser Zeit übersetzt er das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche und schafft damit auch eine Grundlage für eine einheitliche deutsche Sprache. Seine Schreibstube, ein schlichter Raum mit grünem Kachelofen, lässt sich ebenso wie weitere Räume der Burg auch virtuell besichtigen.

Was gibt es noch zu sehen? Seit 1999 ist die geschichtsträchtige Wartburg Unesco-Weltkulturerbe - große kulturhistorische Bedeutung hat sie nicht nur wegen der Spuren, die Luther auf der wehrhaften Anlage auf einem Felsen oberhalb von Eisenach hinterlassen hat. Seit fast tausend Jahren ist die Wartburg immer wieder mit deutscher Geschichte verknüpft, von den Legenden um die Heilige Elisabeth von Thüringen bis zu den Wartburgfesten, bei denen im 19. Jahrhundert Studenten einen deutschen Nationalstaat forderten. Die Wartburg kann täglich besichtigt werden.

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Schmalkalden

Milliarden Euro für Thüringer Städte aus der Städtebauförderung

Quelle: Martin Schutt/dpa

Um dem katholischen Kaiser Karl V. besser die Stirn bieten zu können, schließen mehrere protestantische Landesherren und Reichsstädte 1531 in Schmalkalden, damals hessisch, heute in Thüringen gelegen, ein Verteidigungsbündnis: den Schmalkaldischen Bund. Zum Bundestreffen 1537 reist Martin Luther an und verkündet seine Glaubenssätze, die Schmalkaldischen Artikel. Das Haus, in dem er während seines Aufenthalts lebte, kann besichtigt werden.

Was gibt es noch zu sehen? Rund um den Marktplatz liegt die denkmalgeschützte Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern. Schloss Wilhelmsburg ist ein Renaissance-Schmuckstück, in der Schlosskirche wurde erstmals das prostestantische Glaubensbekenntnis architektonisch umgesetzt: Altar, Kanzel und Orgel sind in einer Achse vertikal angeordnet.

Im Bild: der Stadtplatz von Schmalkalden mit der Stadtkirche St. Georg, in der auch Luther predigte

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Weimar

Herderkirche Weimar

Quelle: dpa

Luther spielt in der langen Ahnenreihe der Berühmtheiten von Weimar nur eine untergeordnete Rolle. Aber auch in der Stadt von Goethe, Schiller und Herder hat der Reformator Spuren hinterlassen. Zwischen 1518 und 1540 reist er mehrfach nach Weimar und berät mit den Landesherren über den Fortgang der Reformation. Zuletzt kommt er 1540, um seinen schwerkranken Freund Philipp Melanchthon noch einmal zu sehen. Es wird dann doch kein Abschied für immer: Melanchthon erholt sich wieder.

Was gibt es noch zu sehen? Goethemuseum, Schillerhaus, Schloss Belvedere, Bauhaus-Museum, Anna-Amalie-Bibliothek - die Liste der Sehenswürdigkeiten in Weimar ist lang. Die frühere Residenzstadt, die viele kluge Köpfe in ihren Mauern beherbergte, war 1999 Kulturhauptstadt Europas.

Im Bild: Das Altargemälde von Lucas Cranach in der Stadtkirche St. Peter und Paul (Herderkirche), auf dem auch Luther abgebildet ist.

Wo Weimar auch ein bisschen wild ist, erfahren Sie in dieser Städtereise in Bildern.

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Neustadt an der Orla

Lutherhaus nach Umbau eröffnet

Quelle: dpa

Nicht überall, wo Luther draufsteht, war auch Luther drin: Das thüringische Kleinstädtchen Neustadt an der Orla hat ein Lutherhaus, obwohl Luther sich dort wohl nie aufgehalten hat. Doch nachdem das repräsentative Bürgerhaus ein anschauliches Zeugnis des Lebens in der Reformationszeit darstellt, entschloss man sich, es auch entsprechend zu präsentieren. Am Reformationstag wurde es nach jahrelangem Umbau eröffnet.

Was gibt es noch zu sehen? Das spätgotische Rathaus birgt ein interessantes Detail: An einem eisernen Ring hängt ein steinernes Brot, auf dem eine Kröte aus Stein sitzt. Wenn Diebe an den Pranger gestellt wurden, mussten sie diesen Stein tragen. Auf dem Weg vom Markt zum Kirchplatz kommt man an den Fleischbänken vorbei, einer mittelalterlichen Ladenstraße, die nirgendwo sonst in Europa so gut erhalten ist.

Im Bild: Die Installationen und Ausstellungsstücke in den Räumen des Lutherhauses sollen das Leben in der Reformationszeit veranschaulichen.

© SZ.de/edi
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