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Rafting im Cataract Canyon in Utah:Auf dem wilden Colorado

Eine Fahrt auf dem Schlauchboot durch den Grand Canyon ist der Traum von Tausenden Menschen. Dabei ist die Flussfahrt durch den Cataract Canyon landschaftlich genauso schön. Nur für die Stromschnellen brauchen Rafter starke Nerven.

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Cataract Canyon in Utah: Eine Wildwasserfahrt in der Wüste

Quelle: dpa-tmn

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Eine Fahrt auf dem Schlauchboot durch den Grand Canyon ist der Traum von Tausenden Menschen. Dabei ist die Flussfahrt durch den Cataract Canyon landschaftlich genauso schön. Nur für die Stromschnellen brauchen Rafter starke Nerven.

Lorenzo McGregor würde auch als Kapitän auf einem Hochseedampfer eine gute Figur abgeben. Doch statt eines Kreuzfahrtschiffes auf den Weltmeeren steuert der Mann mit Vollbart und wachem Blick hinter der dunklen Sonnenbrille ein Gummiboot auf dem Colorado - dem bedeutendsten Fluss im Südwesten der USA. Lorenzo McGregor arbeitet für einen Raftingveranstalter, der jährlich Hunderte Wildwasserbegeisterte durch die Schluchten des Cataract Canyons und des Grand Canyons schleust. Dieses Mal soll es auf einer viertägigen Ruderboottour durch den Cataract Canyon gehen, der bei Raftern wegen seiner gefährlichen Stromschnellen ebenso beliebt wie gefürchtet ist.

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Der Colorado fließt durch die zerklüftete Landschaft des Nationalparks Canyonlands im Südosten Utahs: Am Horizont sind die schneebedeckten Gipfel der La Sal-Berge auszumachen. Davor erstreckt sich das Colorado Plateau, aus dem massige, ockerfarbene Tafelberge und rote Sandsteinfelsen herausragen. Unzählige Canyons zerschneiden die Landschaft. Und die tiefste Schlucht markiert den Colorado: Wie eine Lebensader durchschlängelt der mit grünen Büschen bestandene Fluss die vegetationsarme Wüste.

Im Bild: "The Loop" im Cataract Canyon

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Am Abend vor der Fahrt ist es Zeit für letzte Vorbereitungen: Die Teilnehmer verpacken ihre Ausrüstung in wasserdichte Gummisäcke. "Morgen sagen wir der Zivilisation ade", sagt McGregor. "Als einziger Draht zur Außenwelt bleibt uns für Notfälle ein Satellitentelefon. Wir werden eine geologische Wunderwelt und Zeitzeugen uralter Kulturen entdecken."

Noch vor Sonnenaufgang macht sich die Gruppe am nächsten Morgen vom Nachtlager in Moab auf nach Potash. Dort hat die Crew bereits die Schlauchboote am Ufer vertäut. Neun Passagiere gehen an Bord, darunter ein 65-jähriger Pensionär mit seinem Enkel sowie zwei Freunde, die sich bereits aus Schulzeiten kennen und sich ihren Jugendtraum erfüllen. Sie suchen die Herausforderung in den Stromschnellen, ein romantisches Abenteuer in der Natur. Proviant und Ausrüstung werden an Bord der beiden Schlauchboote und des Versorgungsbootes verstaut, dann geht es los, zunächst im gemütlichen Tempo.

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Quelle: NP Service/dpa-tmn

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Denn trotz der Schneeschmelze liege die Stromabflussmenge des Colorado nur bei etwa 500 Kubikmetern pro Sekunde, erklärt McGregor. Das sei gerade mal Durchschnitt.

"Wir befinden uns weit oberhalb des Glen-Canyon-Damms in einem nicht regulierten Flussabschnitt und sind somit von der natürlichen Wassermenge abhängig", erklärt er und koppelt die Schlauchboote an das Versorgungsboot. Es soll mit seiner Motorkraft ab und an die Fahrt beschleunigen, wenn es allzu langsam vorangeht.

Geruhsam gleitet das Gespann am Dead Horse Point und an der Pyramid Butte vorbei und schlängelt sich um die Goose Neck Schleife. Die Felsformationen an den rund 650 Meter hohen Berghängen regen die Fantasie an. Je nach Blickwinkel und Stand der Sonne sind Formen auszumachen, die Eulen, Schafen, Schildkröten oder auch Menschenköpfen ähneln. "Als wir 2011 im Frühjahr hier unterwegs waren, hatte die Stromabflussmenge mit 2400 Kubikmetern pro Sekunde ein Rekordniveau", erinnert sich McGregor. "Ab 850 wird es richtig heftig."

Im Bild: Im Oberlauf fließt der Colorado ruhig durch den Cataract Canyon.

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Quelle: Aramark Parks and Destinations/dpa-tmn

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Doch heute ist der Colorado zahm. McGregor kann in aller Ruhe einen Ankerplatz am Ufer suchen, um die Getreidespeicher der Fremont Indianer zu erkunden, die vor etwa 800 bis 1000 Jahren hier lebten. An einer anderen Stelle säumen versteinerte Baumstämme das Ufer. Auf der etwa 50 Kilometer langen Strecke ist sonst niemand unterwegs. "Während etwa 30 000 Rafter pro Jahr den Colorado im Grand Canyon befahren, sind es auf unserem Abschnitt nicht mehr als 3000", erklärt McGregor.

Im Bild: Bauwerke der Pueblo Indianer, die vor etwa tausend Jahren im Cataract Canyon lebten

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Die Übernachtung im Camp folgt einem festen Ablauf: Zuerst entladen alle gemeinsam das Versorgungsboot und bauen die Küche auf - erst danach sucht sich jeder ein Plätzchen für die Nacht und rollt seinen Schlafsack aus. Im abgelegenen Gebüsch kommt der "Oscar" zum Einsatz, eine transportable Toilette. Nichts wird unterwegs zurückgelassen. Vor dem Grilldinner bleibt Zeit für Boccia, Frisbee und Hufeisenwerfen. Die Reisenden teilen sich Lachs, Bier, Rum und den Abwasch. Irgendwann siegt die Müdigkeit - der letzte Blick gilt dem Nachthimmel, über den unzählige Sternenschnuppen huschen.

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Am nächsten Morgen gleiten die Gummiboote wieder sanft über den immer noch ruhigen Colorado in Richtung Cataract Canyon. An einer Flussschleife verlässt der Trupp die Boote und kürzt den Weg über die Felsen ab. Am Elephant Canyon erklimmen die Teilnehmer die Sandsteinwände, um weitere gemauerte Kornkammern von Pueblo-Indianern zu erkunden.

Am Meilenstein 64 mündet der Green River in den Colorado. Das Zusammentreffen der beiden Flüsse beschleunigt die Strömung erheblich, ein Schild am Ufer warnt: "Gefahr! Halsbrecherische Stromschnellen!".

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Die Stimmung beim Besteigen der Boote am nächsten Morgen ist aufgekratzt. Ein Tag voller Stromschnellen steht bevor: Schon die Brown Betty Rapids waschen den Teilnehmern den restlichen Schlaf aus den Augen. Doch an den Mile Long Rapids geht es erst richtig los. Zunächst gleiten die Boote elegant einen Wasserberg hinunter, treffen im Wellental auf eine wirbelnde Gischt und werden dann von den entgegenkommenden Wassermassen in die Höhe katapultiert. Welle auf Welle stürzt herab. Nach kurzer Zeit sind alle vollständig durchnässt.

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Kaum in den Fluten des Colorado getauft, wartet die größte Herausforderung. Schon der Name flößt Respekt ein: Big Drop 1-3. Das sind drei dicht aufeinanderfolgende Stromschnellen mit der höchsten Schwierigkeitsstufe 5. Jetzt entscheidet der rechte Eintrittspunkt in den Wasserkessel. Die brodelnden Wassermassen machen jeden Versuch gegenzusteuern vergebens. Die Wellen drücken die Ruder aus den Halterungen; das Boot tanzt wie eine Walnussschale. Jetzt zahlt sich das Trockentraining aus: Immer wenn das Boot kurz vor dem Kentern ist, wirft sich die gesamte Besatzung den Wellen entgegen. Und auch gejubelt wird gemeinsam: nach jeder überstandenen Stromschnelle.

Im Bild: Wo Colorado und Green River zusammenfließen, müssen sich die Rafter durch tosende Wellen kämpfen.

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Informationen

Reisezeit: Angenehmes Klima herrscht von Mai bis Juni und von September bis Oktober. Im Juli und im August wird es oft sehr heiß.

Einreise: Deutsche Touristen können im Rahmen des Visa-Waiver-Programms bis zu 90 Tage ohne Visum in die USA einreisen. Voraussetzung ist der Besitz eines deutschen Reisepasses, der mindestens für die Dauer des Aufenthalts gültig ist. Weitere Voraussetzungen sind unter anderem ein Rück- oder Weiterflugticket sowie der Besitz einer elektronischen Einreiseerlaubnis, die man unter https://esta.cbp.dhs.gov beantragen muss.

Anreise: Zum Beispiel mit Lufthansa und United Airlines über Newark bis nach Grand Junction, von dort mit dem Mietwagen bis Moab.

Rafting Touren: Man sollte die Tour möglichst sechs bis zwölf Monate im Voraus buchen, da die Plätze sehr gefragt sind. Es gibt auch kürzere Touren und Fahrten mit motorgetriebenen Booten. Bei der beschriebenen Strecke fuhren die Teilnehmer etwa 160 Kilometer in vier Tagen (der Autor war mit riveradventures.com unterwegs).

Weitere Informationen unter www.goutah.de

© dpa/Michael Juhran/kaeb

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