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Elbe flussabwärts:Im Gegenwind

Radfahrer auf dem Elbe-Deich; Radschwerpunkt: Elbe

Der Himmel so weit und an Land Stille: Radfahren an der Elbe.

(Foto: Jens Büttner/picture alliance/dpa)

Die Gegend zwischen Magdeburg und Hamburg ist ideal für Paare, bei denen ein Teil lieber nicht bergauf fährt.

Von Alex Rühle

Als Bayernradler ist eines der Gesetze des Radfahrens, dass alle paar Kilometer ein Hügel kommt. Was bedeutet, dass man strampeln muss. Die Gegend zwischen Magdeburg und Hamburg ist das Gegenteil von Bayern. Eine einzige Fläche aus Wasser, Stille, Himmelblau. Und damit ideal für Paare, bei denen der eine Teil Radfahren prinzipiell schon okay fände, wenn es nur nicht dauernd bergauf gehen würde.

Fünf Tage flussabwärts, vorne drin im Lenkerkorb der Hund, dessen Ohren eine Art Bio-Tacho sind: ab 20 Kilometer stehen beide Ohren ab. Der Himmel so weit, dass er sich wie eine Kuppel über die Landschaft zu wölben scheint, die Wolken ziehen am Horizont, die Elbe mäandert vor sich hin. Der Fluss war 40 Jahre lang innerdeutsche Grenze und blieb deshalb vom Begradigungswahnsinn verschont. Alles hier wirkt heute noch wie Hinterland. Adler, Wiesen, Trauerweiden. Biber, Moore, kleine Dörfer voller Storchennester. Nebenarme, kleine Fähren und immer wieder weite Sandstrandufer.

Noch immer merkt man oft, ob man im Osten oder Westen ist, in Sachsen-Anhalt hatte seinerzeit ausnahmslos die AfD plakatiert, so als hätten die anderen Parteien ganze Landstriche eh längst aufgegeben. Dafür dann auf der anderen Seite, im Wendland immer noch Gorleben-Flair und Wohlstandsarchitektur. Und jeden Abend kleine Stadtentdeckungen, Tangermünde mit seinem jahrhundertealten Fachwerk, den kunstvoll geschnitzten Türen und der riesigen Stadtmauer. Hitzacker, Wittenberge, Boizenburg. Dann am Morgen wieder Schilf und Stille bis zum Horizont. Am Ende, abends in Hamburg, glücklich erschöpft, der gemeinsame Entschluss, das müssen wir irgendwann weiterfahren, bis runter ans Meer.

Nur Gegenwind sollte man unbedingt aushalten können. Das ist wahrscheinlich hier oben das Grundgesetz: kein Hügel, dafür dauernd Wind.

© SZ/mai
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