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Provence im Frühling:Die Ruhe vor dem Sturm

In der Vorsaison bleibt in den idyllischen Landschaften und Städtchen der Provence noch Zeit zum Träumen, Plaudern und Schlemmen.

Sonntagmittag Anfang Juni, alle Tische im "Cafe de Cours" in Rochegude, einem Dorf in der Nordprovence in der Nähe von Orange, sind besetzt. Nach einem guten Essen im Schatten der alten Platanen kommt man schnell ins Plaudern mit den Gästen am Nachbartisch. Darüber wie sich "Les Bleus" - die französische Nationalmannschaft - wohl bei der Fußball-WM schlagen werden, wer die Tour de France 2006 gewinnen wird und ob Jan Ullrich bei dem Fahrradrennen quer durch Frankreich in diesem Jahr eine Chance auf den Sieg hat, weil Lance Armstrong nicht mehr antreten will.

Auch die Wirtsleute in der "Auberge de la Poste" im nahe gelegenen Bouchet haben viel Zeit zum Plaudern, denn der große Touristenansturm steht der Provence noch bevor. Eine Spezialität des Hauses sind Trüffelgerichte. Die schwarzen Knollen sammelt der Chef im Winter am Mont Ventoux, wo genau verrät er natürlich nicht. Die Suche scheint sich jedoch zu lohnen. Stolz zeigt seine Frau eine Dose gefüllt mit tiefgefrorenen Trüffeln "Sie schmecken genauso gut wie frische", versichert sie.

Anfang Juni wirkt die Provence nahezu verschlafen im Vergleich zur Hauptsaison im Sommer. Das gilt selbst für so bekannte Reiseziele wie Orange mit seinem römischen Theater, das zu den best erhaltensten Bauten der Antike zählt, Avignon mit seinem monumentalen Papstpalast oder das pittoreske Bergdorf Gordes.

Gordes war nach Zerstörungen während des zweiten Weltkrieges jahrelang unbewohnt. Künstler und Kunsthandwerker, die sich später dort ansiedelten, bauten das auf einem Hochplateau im Vaucluse gelegene mittelalterliche Dorf wieder auf.

Von Gordes aus lohnt sich eine Wanderung zum Zisterzienserkloster Senanque aus dem 12. Jahrhundert, das einsam in einem Tal umgeben von Lavendelfeldern liegt und in dem seit Ende der 80er Jahre wieder Mönche leben. Die etwa vier bis fünfstündige Tour, die am Friedhof von Gordes beginnt, führt durch Eichenwälder, über ein Hochplateau und auf dem Rückweg durch eine Schlucht mit bizarren Felsformationen.

Mehr Wein als Wasser

Die Felder und Wiesen sind noch grün und am Wegrand blühen Ginster und Klatschmohn, auch wenn es seit September nicht mehr geregnet hat, wie Jean-Marc Premier berichtet. "Hier gibt es mehr Wein als Wasser," sagt er ein wenig verzweifelt.

Er und seine Frau betreiben "Lo Rastelie". Seine Eltern bauten vor rund 20 Jahren das alte Weingut in der Nähe der Örtchens Suze-La-Rousse um - Zimmer und Appartments werden seitdem an Touristen vermietet. Frühstück und Abendessen sind möglich, wer will, kann sich auch selbst versorgen.

Die mittelalterlichen Türme der Burg von Suze-La-Rousse sind schon von weitem zu sehen. Die Häuser des Örtchens schmiegen sich eng an den Burghügel als suchten sie den Schutz der einst mächtigen Herren Les Baux, zu deren Besitz die Anlage vom 12. Bis 15. Jahrhundert gehörte. Die vollständig erhaltene Burg, die auch eine Weinuniversität beherbergt, ist von Ende März bis Anfang November täglich von 9.30 bis 11.30 und 14.00 bis 17.00 Uhr für Besucher geöffnet.

Ähnlich malerisch liegt das knapp 20 Kilometer entfernte Grignan, dessen Schloss als eines der schönsten Rennaissanceschlösser im Südosten Frankreichs gilt. Die beiden Sehenswürdigkeiten lassen sich bei einer Fahrradtour gut miteinander verbinden. Bei Mistral, der in stürmischen Böen von Norden durch das Rhonetal fegt, kann es allerdings recht anstrengend und auch frisch werden. Der Mistral sorgt zwar für strahlend blauen Himmel und Sonnenschein. Doch Temperaturstürze von mehr als 10 Grad Celsius innerhalb weniger Stunden sind keine Seltenheit.

© sueddeutsche.de/AP

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