Premium-Kurs für Taxi-Chauffeure:"Nicht alle Fahrer sind geeignet"

Taxifahrer-Demonstration in Berlin

Taxis am Flughafen Tegel

(Foto: Florian Schuh/dpa)

Höflich statt Berliner Schnauze, das Auto sauber statt zugemüllt und Kreditkarten werden auch akzeptiert: Detlev Freutel vom Berliner Taxiverband erklärt, warum Chauffeure zu Premiumfahrern ausgebildet werden. Er hat auch Tipps für Gäste, die an einen unhöflichen Fahrer geraten.

Von Katja Schnitzler

Der Taxifahrer ist freundlich, das Auto sauber und bezahlen kann man per Kreditkarte? Eigentlich sollte das selbstverständlich sein. Ist es aber zumindest in Berlin offenbar nicht. Detlev Freutel, Vorsitzender des Taxiverbands Berlin-Brandenburg, über neue Fortbildungskurse, die aus grummeligen Rasern kundenorientierte Premium-Fahrer machen sollen.

SZ.de: Herr Freutel, Höflichkeit und Sauberkeit sind im Taxi doch eigentlich selbstverständlich. Brauchen die Berliner Ihren Kurs überhaupt?

Detlev Freutel: Die Taxiunternehmen fühlten sich früher als Platzhirsch. Es gab den öffentlichen Nahverkehr und es gab Taxen, sonst nichts. Heute ist die Konkurrenz viel größer, mit Mietwagen, Carsharing oder Limousinen-Diensten. Um da mitzuhalten, müssen Taxen wieder einen Standard bieten. Auch wenn an unseren Kursen langjährige Fahrer teilnehmen, müssen wir erst mit manchen Irrtümern aufräumen.

Mit welchen denn?

Es reicht nicht, nach dem Ziel zu fragen. Sondern es gehört sich, dem Fahrgast erst mal in die Augen zu schauen und guten Tag zu sagen, vielleicht sogar zu lächeln. Und der Gast darf sich seinen Sitzplatz immer selbst aussuchen und die Strecke bestimmen, egal wie weit der Umweg dann ist. Absolventen des Kurses verleihen wir das VIP-Zeichen, das nicht zum Auto gehört, sondern zum Fahrer und signalisiert: Hier sitzt ein kompetenter Taxifahrer hinter dem Steuer.

Weil er höflich grüßt?

Tipps für den Umgang mit den Gästen sind nur ein Teil des Kurses. Wir wollen auch das Wertgefühl des Fahrers stärken, indem er besser ausgebildet wird: Für die grundlegende Taxizulassung muss er lediglich gesund sein, ein anständiges Führungszeugnis haben und Ortskenntnisse - sich aber weder in der Taxi- noch in der Tarifordnung auskennen, geschweige denn in Haftungsfragen oder Verkehrsrecht. Und das in Berlin, wo ein Fahrer mit vier Punkten in Flensburg seinen Taxischein verliert!

Was ist denn das Mindeste, das Kunden erwarten können?

Ein Fahrgast will erst einmal stressfrei und zügig von A nach B kommen. Bei einem Profi steigt er außerdem besser gelaunt aus, als er eingestiegen ist. Das erreichen wir nicht, indem sich die Fahrer einen Schlips umbinden. Sondern indem sie sofort für gute Stimmung sorgen. Sonst ist das wie in einem Fahrstuhl, in dem Fremde dicht an dicht stehen und froh sind, wenn sie endlich aussteigen können.

Einige Taxifahrer verbreiten ja schon beim Einsteigen eine gewisse Stimmung, allerdings keine gute. Sie raunzen höchstens: "Wo soll es denn hingehen?"

Dabei ist es entscheidend, dass sich der Fahrgast sofort wohlfühlt, nicht nur für das Trinkgeld. Dazu gehört auch ein sauberes Taxi. Und der Fahrer kann dem Kunden das Gefühl vermitteln, ihm nicht ausgeliefert zu sein, zum Beispiel, indem er fragt, ob er das Fenster öffnen oder die Musik leiser drehen soll. Das sind grundlegende Sachen, an die manche aber nicht mehr denken.

Woran scheitern die zwanzig Prozent der Kursteilnehmer, die bei der Prüfung für den "VIP Quality Taxi Service" durchfallen?

Die Anforderungen sind eben hoch. Viele sind schon lange Fahrer und überschätzen sich vielleicht. Wenn dann die Frage nach dem Steuersatz bei einer bestimmten Streckenlänge kommt, hakt es. Doch das muss auf der Quittung korrekt ausgewiesen werden. Schwierig wird es manchmal auch bei der Frage, was eine gelbe Ampel bedeutet.

Jetzt bremsen oder aufs Losfahren vorbereiten?

Schlicht und ergreifend: anhalten! Und nicht wie etliche Vielfahrer - auch Taxifahrer - es machen: Vollgas zu geben, um noch über die Kreuzung zu kommen. Das ist gefährlich und beängstigend für den Fahrgast. Überhaupt muss ein Profi gelassen bleiben, egal wer da kommt: Einen Dialysepatienten muss man fahren wie ein rohes Ei. Und ein Jungmanager, der zu spät zum Flughafen losgefahren ist, wird einen so oder so beschimpfen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB