Urlaub in Portugal:Oliven und Operationen

Monte da Estrela

Umgeben von Olivenbäumen, deren Ernte bald ansteht: Das Landhaus Monte da Estrela im heißen Südosten Portugals.

(Foto: Hans Gasser)

Die halbe Woche Ärzte, die halbe Woche Gastgeber: Ein portugiesisches Ehepaar hat sich mit einem Hotel im Alentejo seinen Traum vom Landhaus verwirklicht.

Von Hans Gasser, Monte da Estrela

Die "zwei Welten", in denen Brites Pires und ihr Mann Manuel Farrancha leben, könnten unterschiedlicher nicht sein. Von Montag bis Mittwoch behandeln die Augenärztin und der Gynäkologe ihre Patienten in Setúbal und Lissabon. Dann setzen sie sich ins Auto und fahren drei Stunden bis zu ihrem inmitten von Olivenbäumen, aber ansonsten mitten im Nichts gelegenen Landgut Monte da Estrela im Alentejo. Dort leben sie bis zum Sonntag und kümmern sich zusammen mit angestelltem Personal um ihre Gäste, die eines der sieben Zimmer gebucht haben.

"Das war immer ein Traum von mir", sagt Brites Pires beim Abendessen auf der Terrasse unter einem sehr klaren Sternenhimmel, "ich habe allerdings nicht geahnt, dass es so viel Arbeit ist." Dennoch mache ihr das Gastgeben großen Spaß. "Ich möchte aber auch auf meine Arbeit als Augen-Chirurgin nicht verzichten." Die beiden haben lange nach einem Grundstück gesucht und schließlich dieses Zehn-Hektar-Olivenfeld in der Nähe der spanischen Grenze bei Mourão gefunden. Darauf ließen sie nach ihren Vorstellungen ein traditionelles, weiß gekalktes Landhaus bauen, mit hohen Räumen und großen Schattendächern, schließlich ist das hier eine der heißesten Gegenden Portugals. Selbst Mitte Oktober kann es untertags noch 30 Grad haben.

Brites Pires hat das Haus geschmackvoll eingerichtet, mit dem Fokus auf schönen Antiquitäten wie alten, mit Silberblech beschlagenen Holztüren und eleganten Möbeln, die sie im ganzen Land gekauft hat. Ein moderner, verglaster Kaminofen spendet an kühleren Herbstabenden die nötige Wärme im Wohnzimmer.

Monte da Estrela

Die halbe Woche Augenärztin in der Stadt, die halbe Woche Gastgeberin in der Natur: Brites Pires.

(Foto: Hans Gasser)

Es fühlt sich hier nicht so sehr wie in einem Hotel an, sondern als wäre man zu Besuch bei Bekannten in ihrem großzügigen Landhaus. Dazu trägt die natürliche Gastfreundschaft von Manuel und Brites viel bei, die gerne auch mal mit den Gästen essen oder ihnen schöne Plätze in der Umgebung zeigen. Öfters ist auch Pedro da, einer der drei erwachsenen Söhne; er kümmert sich um die Olivenbäume und den Wein, die hier, anders als auf den Gütern rundherum, biologisch angebaut werden. Im Keller zeigt Pedro stolz eine große alte Ton-Amphore, Talha genannt, in der er, wie es hier traditionell üblich ist, den Wein gekeltert hat. Er entnimmt eine erste Kostprobe des Jahrgangs 2021, ein Verschnitt aus drei einheimischen Rotweinen, und freut sich, dass er gelungen ist: "In den ersten zwei Wochen muss ich alle drei Stunden umrühren, auch nachts, damit die Gärung gleichmäßig stattfindet - das fühlt sich an wie ein eigenes Baby."

Sein Vater Manuel, der Gynäkologe, hilft ihm dabei und ist sich auch nicht zu schade, stundenlang in der Hitze Olivenbäume zu beschneiden, um sie für die Ernte im November vorzubereiten. "Wir lieben es, hier zu sein, auch wenn es Arbeit macht", sagt Manuel. Er ist auch ein leidenschaftlicher Esser und kann bei Tisch gar nicht genug die Kochkünste der angestellten Köchin Paula Maria loben, die sich auf traditionelle, aber verfeinerte portugiesische Küche versteht.

Monte da Estrela

Das Wohnzimmer mit Kaminofen ist gleichzeitig herrschaftlich und gemütlich.

(Foto: Hans Gasser)

Untertags, wenn es heiß ist, steht ein Swimmingpool zur Abkühlung zur Verfügung, rundherum duftet es selbst jetzt im Herbst nach ätherischen Ölen; Oleander und Rosmarin blühen. Das Frühstück auf der Terrasse fühlt sich an wie im Sommer. In den Morgen- oder Abendstunden kann man über die sanften Hügel spazieren, zum Beispiel zu Manuels Lieblingsplatz, einem winzigen Ausläufer des riesigen Alqueva-Stausees. Glatt und friedlich liegt das Wasser im gelben Morgenlicht, Fische hüpfen, Enten fliegen auf. Manuel Farrancha weist auf eine alte, voll mit Eicheln behangene Steineiche hin. "Schön, nicht?" Ihm ist anzumerken, wie sehr er diese Natur abseits der Großstadt genießt. Und das ist ansteckend für seine Gäste.

Informationen: Monte da Estrela, Countryhouse & Spa, DZ mit Frühstück ab 150 Euro, zwei Nächte Mindestaufenthalt, Halbpension ist auch möglich, montedaestrela.pt

Hinweis

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.

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