Osttirol Fantastisch auf den Pisten, mühsam im Tal

Dennoch habe es nach den großen Schneefällen Anfang Februar 15 bis 20 Prozent Absagen gegeben. "Aber es rufen auch Freerider an, die am nächsten Tag hier sind und Hänge runterfahren, in die sich jetzt kein Einheimischer trauen würde." Bisher ist nur eine Lawine abgegangen und zwar vom steilen Dach der Kirche auf den Friedhof, dessen eiserne Kreuze nicht mehr zu sehen sind.

Obertilliach erinnert gerade ein bisschen an Schlumpfhausen, der Schnee liegt über zwei Meter hoch auf den Dächern und bildet einen schönen Kontrast zum dunklen Holz der Häuser. Das ist sehr romantisch für den, der nicht Schnee schaufeln muss. Mancher Hausbesitzer steht bis zu den Oberschenkeln eingesunken auf seinem Dach und schippt wenigstens den Rand frei, damit die Dachrinnen nicht abbrechen. Die Dächer halten es aus, so hat ein von der Regierung geschickter Statiker befunden.

Österreich Villarriba gegen Villabajo in Vorarlberg Bilder
Schneereichste Dörfer in Österreich

Villarriba gegen Villabajo in Vorarlberg

Angeblich fällt in keinem Dorf der Erde mehr Schnee als in Damüls. Der Ort im Bregenzerwald ist mächtig stolz auf seinen Titel "schneereichstes Dorf der Welt". Die Nachbarn in Warth-Schröcken kontern mit eigenen Rekord-Schneestatistiken. Ja, wer ist denn nun das größte Schneeloch?   Von Marcel Burkhardt

Eine ältere Dorfbewohnerin fragt den Tourismuschef und Schneemesser im Vorbeigehen hämisch, ob es ihm jetzt genug Schnee sei. Direkt aus dem Dorf führt ein alter Sessellift in das kleine Skigebiet. Von oben sieht man während kurzer Wetteraufhellung sogar den Großglockner, der zurzeit aussieht wie der K2.

Auf den Pisten und daneben tut der viele Schnee phantastische Dienste, es fährt sich wie auf Watte. Unten muss er mühsam mit Lastwagen aus den Gassen hinausgekarrt werden. Auf einer Wiese am Dorfrand wächst ein Schneehaufen, auf dem man sicher bald Olympische Spiele veranstalten kann.

Straße frei, Ofen warm, Sauna heiß - Sepp Lugger, Juniorchef des Gasthofs Unterwöger, versteht nicht, warum "die Medien da fast ein zweites Galtür konstruiert haben". Auch er hat Stornos zu beklagen, dabei sei die Straße durch das Lesachtal erst hinter dem Ort gesperrt gewesen. Und, anders als zu Weihnachten, als drei Tage lang der Strom weg war, habe diesmal alles funktioniert. "Wir haben dazu gelernt", so Lugger.

Die ersten zwei Tage zu Weihnachten ohne Strom hätten die Gäste noch als romantisch empfunden, den dritten dann weniger. Das habe aber seiner Ansicht nach weniger an der eingeschränkten Menüauswahl als am zusammengebrochenen Mobilfunknetz gelegen: "Ohne Facebook waren die Kinder nicht mehr ruhig gestellt."

Der Schnee fällt schon wieder in dicken Flocken, als man von Obertilliach nach Innervillgraten fährt. Das eine Tal runter, das andere hinauf. Im Radio sagen sie diesmal, dass sich das Bundesheer zurückgezogen hat, aber in Bereitschaft bleibe. Also erst mal Waffenruhe. Das Villgratental war drei Tage lang wegen Lawinengefahr gesperrt. In der Pension Gannerhof in Innervillgraten steht der Bergführer Hannes Grüner unter alten Holzbalken und referiert vor Skitourengästen die Schnee- und Lawinenlage.

Der Wirt hat ihn eingeladen und sich einleitend bedankt, dass die lieben Gäste "trotz der Hiobsbotschaften gekommen sind". Im Villgratental gibt es keine Skilifte, man hat sich hier auf Tourengeher spezialisiert. In Bergführer Grüners Rede kommen oft die Worte "Gleitschneerisse", "kein normaler Winter" und "Vorsicht!" vor. Er erläutert, dass die Schneedecke sich zwar ganz gut gesetzt habe, aber so mächtig sei, dass Lawinen große Ausmaße erreichen können. Ganz hinten im Tal wurde der Schneepflugfahrer von einer solchen getötet.

"Ich bin da sehr defensiv", sagt Grüner am nächsten Tag beim sehr defensiven Aufstieg zur Öwelenke, der über die kalenderfotoverdächtige Kamelisenalm führt, mit ihren dick verschneiten Hütten samt Kapelle. "Ein toter Tourengeher wäre eine Katastrophe für das Tal."

Paradoxerweise profitiere er als Bergführer von der angespannten Schneelage, sagt Grüner. "Die Leute sind dann unsicher und nehmen sich eher einen Bergführer." Lieber wäre es ihm anders, aber man kann es sich nicht aussuchen. Entgegen dem Wetterbericht kommt während der Tour immer mehr die Sonne heraus. "Nur nicht zu viel Sonne, sonst wird der Schnee schlecht", sagt Grüner immer wieder. Nach der Abfahrt ist klar: Seine Befürchtung bewahrheitet sich nicht.

Schneeland Osttirol

(Foto: SZ Grafik)

Informationen

Anreise: Per Bahn nach Lienz, von dort gibt es Busverbindungen in alle größeren Seitentäler, www.bahn.de, www.vvt.at; mit dem Auto über den Felbertauern oder die A 10.

Unterkunft: Gasthof Unterwöger in Obertilliach, DZ mit Halbpension ab 60 Euro, Tel.: 0043/48 47 52 21, www.unterwoeger.at

Bergführer: Alpin Aktiv Hochpustertal, Hannes Grüner, www.bergschule-aah.at

Lawinen/Straßenlage: Die Straßen sind bis in die Hochtäler gut geräumt, bei starkem Neuschneefall zur Sicherheit Schneeketten mitnehmen, Verkehrslage: www.oeamtc.at;

Lawinenlagebericht: www.lawine.at

Weitere Auskünfte: www.osttirol.com

Weitere Reportagen und Bilder von Hans Gasser finden Sie unter hansgasser.de.