One World Observatory 380 Meter über Ground Zero

  • Vom 29. Mai an wird das One World Observatory für Besucher geöffnet sein.
  • Die Aussichtsplattform befindet sich in 380 Metern Höhe.
  • Sie soll ein Touristenmagnet werden. Die Betreiberfirma Legend erwartet an guten Tagen mehr als 10 000 Besucher
Von Kathrin Werner, New York

In 47 Sekunden auf eine Höhe von 380 Metern

Von hier kann man auf alles herabblicken, zu dem man sonst aufschaut: Auf die Freiheitsstatue oder die Leuchtreklame am Times Square. Auf den klobigen Turm der Vereinten Nationen oder den Schuppenschmuck des Chrysler Buildings, auf die Brooklyn Bridge und sogar auf das Empire State Building. Auf die Hubschrauber, die Manhattan ständig umsummen. Hier auf der neuen Aussichtsplattform des One World Trade Centers ist man ganz oben.

Über den Dächern von New York

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Der Aufzug ist einer der schnellsten der westlichen Welt: Die Fahrt dauert gerade einmal 47 Sekunden und ist fast geräuschlos. Kaum genug Zeit für das Video, das auf die Fahrstuhlwände projiziert wird: die Architektur-Geschichte New Yorks seit dem 16. Jahrhundert. Aber genug Zeit für Druck auf den Ohren. Die "One World Observatory" genannte Plattform erstreckt sich über die obersten drei Etagen des neuen World Trade Centers in Höhe von rund 380 Metern. Am 29. Mai öffnet sie offiziell für Besucher.

Auf OneWorldObservatory.com kann man Tickets kaufen. Der Eintritt kostet für Erwachsene 32 Dollar, 26 Dollar für Kinder und 30 Dollar für Senioren. Die Betreiberfirma Legend erwartet an guten Tagen mehr als 10 000 Besucher. Von dort oben kann man auf die Aussichtsplattform des Empire State Buildings in der Mitte Manhattans hinabblicken, sie ist neun Meter niedriger. Bei gutem Wetter kann man bis zu 80 Kilometer in die Ferne schauen.

Von Freedom Tower zu One World Trade Center

Früher standen hier die Zwillingstürme, die bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 zu den markantesten Gebäuden in Manhattans Skyline zählten. Das neue Gebäude ist für die Amerikaner ein Symbol der Freiheit. Als die Pläne für den Neubau 2003 begannen, bekam es den Namen Freedom Tower. Wenn man seine Antenne mitrechnet, ist es genau 1776 Fuß hoch, 541 Meter. 1776 ist das Jahr der Gründung der Vereinigten Staaten, die dreizehn britischen Kolonien in Nordamerika erklärten am 4. Juli 1776 ihre Loslösung von Großbritannien.

Wenn man die Antenne nicht mitrechnet, ist das neue Nobel-Wohnhaus 432 Park Avenue am Central Park inzwischen größer als der Glasbau an Manhattans Südspitze. Und umbenannt haben die Immobilienentwickler das Gebäude inzwischen auch, seit 2009 heißt es One World Trade Center. Der alte Name galt als zu emotional aufgeladen, er hätte Mieter abschrecken können. Doch seinen Symbolcharakter wird der Turm behalten. Das Denkmal für die alten Türme liegt direkt an seinem Fuß.

Im neuen One World Trade Center erinnert nichts an die Anschläge. Alles ist Glas, Stahl und weißer Marmor. Hier soll alles im Zeichen der Zukunft stehen. "See Forever" ist das Motto der Aussichtsplattform, "Sieh die Ewigkeit". Das Gebäude ist Ende 2014 fertig geworden, kurz darauf die ersten Mieter eingezogen. Im November verlegte der Verlag Condé Nast seinen Hauptsitz mit rund 2300 Mitarbeitern in das Gebäude, die Redaktion des legendären Magazins New Yorker sitzt zum Beispiel jetzt in dem Glasbau. Das Medienhaus belegt 23 Stockwerke. Mehr als ein Drittel der Büros stehen aber noch leer, die Verwalterfirma sucht nach Firmen, die sich die teuren Mieten leisten können.