Oldtimer auf Kuba:Schrauben ohne Ende

Viele verbinden Kuba mit funkelnden Ami-Schlitten aus den Fünfzigern: Vier Kubaner berichten, woher sie ihre Oldtimer haben und wie sie diese reparieren.

Von Andreas Glas und Matthias Kolb, Havanna

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Quelle: Matthias Kolb

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Nach mehr als einem halben Jahrhundert beenden die USA ihre Isolationspolitik gegenüber Kuba. Ein erster Schritt zu einer Modernisierung des Landes, die sich irgendwann auch auf den Straßen zeigen wird. Doch bis es soweit ist, werden weiterhin die Ami-Schlitten aus den Vierziger- und Fünfzigerjahren das Straßenbild beherrschen. Und viele Kuba-Touristen weiterhin begeistert die Fotoapparate zücken, wenn sie den liebevoll hergerichteten Modellen von Cadillac, Chevrolet oder Ford begegnen. Vier Kubaner berichten, woher sie ihre Autos haben und mit welchem Mechaniker-Geschick diese repariert werden.

Auf die kubanische Revolution von Fidel Castro im Jahr 1959 folgte die Handelsblockade der USA. Deswegen gab es jahrzehntelang für die Kubaner kaum Möglichkeiten, neuere Autos zu kaufen. Seit dem 1. Januar 2014 erlaubt das Castro-Regime seinen Bürgern, ohne staatliche Genehmigung neue Autos zu kaufen. Doch die Oldtimer prägen bis heute das Stadtbild von Havanna.

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Name: Mileidys. Ort: Havanna. Modell: Cadillac (Baujahr 1959)

"Das Auto hat meinem Großvater gehört. Es gibt nicht viele Frauen, die hier Taxi fahren, so ist eben unsere Kultur. Früher war das Auto grün lackiert und ein bisschen heruntergekommen. Wir haben es nach und nach re­pariert, der Motor ist nicht mehr der alte, sondern ein Chevrolet-Dieselmotor."

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"Wir haben viel Arbeit in das Auto gesteckt, auf der Rück­bank eine Minibar mit Kühlschrank eingebaut und irgendwann das Dach abgemacht. Jetzt ist es ein Cabrio, um mehr Touristen anzulocken. Deswegen kleide ich mich auch in den Farben meines Autos, das ist die perfekte Kom­bination und fällt auf. Ich habe mir eine Menge rosa Klamotten ge­kauft, damit ich auch jeden Tag was Passendes habe."

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"Viele sagen, dass es das schöns­te Auto in ganz Ha­vanna ist. Das sagen nicht nur Touristen, sondern auch Kubaner. Ich kann die Faszina­tion der Touristen schon verstehen: Sie kennen diese alten Autos einfach nicht - und was man nicht kennt, ist immer interessant."

Cuba Cars

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Name: Raul Ort: Matanzas. Modell: Chevrolet (Baujahr 1958)

"An meinem Auto repariere ich alles selbst, ich sage immer: Alle Kubaner sind Mechaniker. Sogar den alten Motor habe ich selbst gegen einen Hyundai-Motor ausgetauscht, obwohl ich von Beruf eigentlich Sportlehrer bin. Aber inzwischen arbeite ich nicht mehr als Lehrer, weil man da ja kaum Geld verdient. Seit ein paar Jahren bin ich Kapitän auf einem Ausflugsschiff in Varadero, da gibt es gutes Trinkgeld von den Touristen.

Cuba Cars

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"Mit meinem Auto pendle ich von Montag bis Samstag zwischen meinem Wohnort Matanzas und Varadero. Hin und zurück sind das fast hundert Kilometer am Tag. Das ist ziemlich viel für so ein altes Auto, aber ich habe jede Menge Werkzeug im Kofferraum - für den Fall, dass ich mal wieder irgendwo liegenbleibe."

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Name: Jorge. Ort: Havanna. Modell: Baujahr 1948

"Das Auto ist sozusagen ein Familie­nerbstück, ich habe es von meinem Vater bekommen. Es hat einen Mercedes-Motor mit vier Zylindern, jetzt ist es ein Diesel. Er schluckt einen Liter auf zehn Kilometern. Dafür, dass er schon so viele Jahre auf dem Buckel hat, läuft er ziemlich gut."

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"Hinten habe ich einen Rücksitz aus einem Bus drin. Das Auto gehörte früher dem Senat. Ich fahre vor allem längere Touren für die Ku­baner, Richtung Osten. Ich bin selbständig und abends arbeite ich als Koch. Es ist schwierig, so ein Auto zu unter­halten, denn die Ersatzteile sind teuer und manchmal sind sie schwer zu kriegen. Trotzdem findet man immer irgendwo noch Original-Ersatzteile."

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"Wenn etwas kaputt ist, repariere ich es selbst. Ich kriege fast alles selbst wieder hin, das lernt man hier mit den Jahren. Die alten Autos sind ja im Ver­gleich zu den neuen relativ leicht zu verstehen."

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Name: Dariel. Ort: Havanna. Modell: Plymouth (Baujahr 1952)

"Mein Motor ist kein Originalteil mehr, das ist bei fast allen Autos hier so."

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"Meiner hat einen Peugeot-Dieselmo­tor, der verbraucht weniger als der alte. Wenn etwas kaputt ist, repariere ich das selbst, ich bin gelernter Autome­chaniker. Meine Gangschaltung ist von ei­nem Toyota, das Bremssystem ist von Peugeot. Zuletzt hatte ich Probleme mit dem Kühler, er hat Flüssigkeit verloren, und ich musste einen neuen kaufen, der aus einem Hyundai-Klein­laster ausgebaut wurde."

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"Einen Neuwagen zu kaufen, das geht nicht. Ein Peugeot kostet hier eine Viertelmillion Dollar - das ist völlig verrückt. Dabei hätten wir natürlich alle gern neue Autos, vor al­lem wegen der Klimaanlage, weil die weniger Sprit brauchen und eben verlässlicher sind. Bei unse­ren alten Autos ist es so: Mal funktionieren sie, mal nicht. Aber wir Kubaner sind daran gewöhnt, wir können trotzdem lachen."

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Egal, wie lange man auf Kuba unterwegs ist und mit wie vielen Oldtimer-Besitzern man gesprochen hat - von den wunderbaren Autos kriegt man nie genug.

Cuba Cars

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Vor allem in der Altstadt von Havanna warten Kubaner mit ihren prächtigen Cabrios und Limousinen auf zahlende Kundschaft - bei Preisen von mindestens 25 Dollar pro Stunde können sich nur Touristen eine Rundfahrt leisten.

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Mitunter entdecken Besucher sogar Autos von längst vergessenen Marken. Edsel gehörte einst zum Ford-Konzern, doch seit Anfang der Sechziger Jahre werden keine neuen Autos mehr produziert - die Marke gilt als einer der größten Flops der Autogeschichte. In Havanna fährt zumindest noch ein Edsel durch die Straßen.

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Doch für den Fall der Fälle hat auch der Edsel-Besitzer jede Menge Werkzeug im geräumigen Kofferraum dabei.

© Süddeutsche.de/mane
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