Wer sich angesichts der Wiesn wundert, warum sie auch Oktoberfest heißt, obschon sie größtenteils im September stattfindet, ist sehr wahrscheinlich ein Auswärtiger. Denn als ob dieses Fest eine Angelegenheit von reichlich zwei Wochen wäre und es bei der Benamung darauf ankäme, in welchem Monat genau es stattfindet. Die Münchner wissen: Die Wiesn hört im Grunde nie auf, nach der einen ist vor der nächsten.
Es muss kein Bier fließen, damit die Wiesn die Gemüter erregt, also zumindest in den Köpfen der Leute allemal stattfindet. In den Monaten zwischen den eigentlichen Festen wird traditionell gegen Wirte wegen Steuerhinterziehung ermittelt, rangeln Brauereien um die Zulassung, und spätestens, wenn bekannt wird, wie viel eine Maß diesmal kosten wird, sind die Münchner im Wiesnmodus.
Haben die Österreicher den Schilling wieder eingeführt oder warum stehen so hohe Zahlen auf den Preisschildern?
Man kann sich über diesen Wucher entweder aufregen oder ihn stoisch hinnehmen, kann die Wiesn boykottieren oder trotzdem genießen. Oder man unterzieht sich einer Rosskur. Indem man mit dem Auto nach oder durch Österreich in den Urlaub fährt und Station an einer Raststätte macht. Sieht man die Preise, die dort für Speisen und Getränke aufgerufen werden, glaubt man im ersten Augenblick, die Österreicher hätten den Schilling wieder eingeführt. Dann schaut man auf der Nachrichtenwebsite der Wahl nach, ob man vielleicht nicht mitbekommen hat, dass es eine Hyperinflation gibt.
Um schließlich festzustellen: Nichts von alledem ist der Fall. Und trotzdem kostet eine Breze 5,40 Euro. Keine Wiesnbreze, sondern eine ganz gewöhnliche kleine Bäckerbreze. Von Schnitzeln und Gulaschsuppen nicht zu reden. Eine Cola, 0,33 Liter: mehr als sechs Euro. Hochgerechnet auf den Liter ist das mehr, als man auf der Wiesn für eine Maß bezahlt. Keiner zwingt einen, dort einzukehren. Es hilft aber, sich die Wiesn billig zu rechnen.


