Tourismus "Wir bauen das hier ganz in Ruhe auf"

In Ramsau am Dachstein beginnt die Tour auf einem eingeschneiten Pfad im Wald hinter dem Langlaufstadion des Ortes. Die Spur zwischen den Bäumen ist eng, und wenn die Reifen in den Tiefschnee geraten, kostet es erst etwas Mühe, das Rad in Balance zu halten. Routine auf dem Mountainbike ist aber keine Voraussetzung, um eine Tour im Schnee zu genießen. Auf den frisch gespurten Loipen der Hochebene am Dachstein rollen die fetten Räder sowieso gutmütig dahin.

"Grüß dich! Hallo! Danke!" Michael Stix grüßt jeden Langläufer, der an diesem Januartag an den Radlern vorüber zieht. Die offensive Freundlichkeit soll helfen, das Räder-Projekt möglichst geschmeidig zu etablieren. Auf der Loipe sorgen die Räder denn auch für Aufsehen, aber für wenig Aufregung. Was daran liegen kann, dass die Reifen kaum Spuren hinterlassen.

Ein Langläufer unterbricht seine Runde. "Was sind das denn für Räder?", fragt der Wintersportler. Michael Stix erklärt, und der Langläufer nutzt die Gelegenheit, um von seiner verflossenen Radsportkarriere zu erzählen - ein potenzieller Fan. Andere Wintersportler fotografieren die zwei komischen Typen, die sich scheinbar in der Jahreszeit oder dem Sportgerät geirrt haben. Nur zwei Mal beschweren sich an diesem Tag Langläufer, dass Radler nichts auf der Loipe zu suchen haben.

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An einem Anstieg im Wald feuert eine Reisegruppe aus einem Pferdeschlitten heraus die Fatbiker an. Oben an der Halseralm stürmt die Kutschenbesatzung dann auf die Radler zu. Die verschwitzen Pferde dampfen in der Kälte, die Urlauber vom Niederrhein probieren die Räder aus oder lassen sich mit Fatbike vor Pferden im Schnee fotografieren. Das Auswilderungsprojekt von Michael Stix lässt sich gut an, vielleicht auch, weil ohne seine Begleitung zunächst niemand über die Loipen radeln darf und die Fatbiker-Gruppen noch eine exotische Erscheinung sind. "Wir bauen das hier ganz in Ruhe auf, damit sich alle aneinander gewöhnen können", sagt er. Über das dichte Netz von Wanderwegen und Loipen rund um Ramsau kann er bereits jetzt zig verschiedene Tourenvarianten anbieten. Wenn sich alle gut vertragen, darf man dann auch auf eigene Faust losradeln? "Das sehen wir dann", sagt Stix.

Auf der anderen Seite des Ennstals blicken die zwei Skifahrer in der Hochwurzen-Gipfelbahn kurz irritiert, als zwei Räder zu ihnen in die Gondel geschoben werden. Am Hang oberhalb von Rohrmoos, nahe Schladming, teilen sich Fatbiker das Revier nicht mehr mit Langläufern und Pferdeschlitten, sondern mit Rodlern, Skifahrern und Snowboardern. Dass die dicken Reifen auch bergab Grip haben, beweisen sie auf der Rodelbahn: Gut 700 Höhenmeter geht es von der Hochwurzen bergab. Die ersten Kurven noch zögerlich, dann mutiger - das Rad gerät trotz hoher Geschwindigkeit nie außer Kontrolle.

Ob das nun unter "artgerechte Haltung" fällt, ein Fatbike mit der Gondel auf einen Berg zu befördern und bergab zu schießen? Es macht auf jeden Fall irre Spaß.

Reiseinformationen

Anreise: Mit dem Auto über die A8 Richtung Salzburg und die A10 bis zur Ausfahrt Ennstal; über Schladming nach Ramsau. Mit der Bahn bis Schladming, ca. 50 Euro, mit dem Bus nach Ramsau (www.rvb.at).

Unterkunft: Zum Beispiel Hotel Matschner in Ramsau am Dachstein. DZ mit 3/4 Pension ab 128 Euro. www.matschner.at; Telefon: 0043/3687/ 81 72 10

Touren mit dem Fatbike: Der Anbieter Alpinefatbike bietet zwei- bis vierstündige Touren zwischen zwölf und 40 Kilometern. Reine Abfahrten auf der Naturrodelbahn der Hochwurzen sind auch möglich. Preis: 69 Euro pro Person, inklusive Leihmaterial (Fahrrad, Helm, Knieschützer, etc.).

Kontakt und Buchung: info@alpinefatbike.com, Telefon: 0043/676/936 79 07

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