Am Mittwoch sind zwei wahrlich denkwürdige Dinge passiert. Zum einen wurde beim Österreichischen Skiverband (ÖSV) die Nachfolge des seit 31 Jahre regierenden Präsidenten Peter Schröcksnadel geklärt. Sowohl Komplexität als auch Spannungsbogen bei der nächtlichen Entscheidung für den Thronfolger waren der Bedeutung dieses Amtes absolut angemessen, weil es natürlich größere, aber sicherlich keine wichtigeren Verbände für Leibesertüchtigung in Österreich gibt. Von Juni an soll jedenfalls der ÖVP-Nationalratsabgeordnete Karl Schmidhofer als Sportsoberhaupt des Landes fungieren.
Ob Schmidhofer seine überraschende Wahl in einem Schanigarten feierte, ist zwar nicht überliefert. Möglich wäre es aber gewesen - und damit kommen wir zum fast noch wichtigeren Ereignis. Denn zum anderen dürfen seit Mittwoch wieder im ganzen Land die Restaurants und Theater aufsperren. Manche Gasthäuser, wie das Lokal mit dem schönen Namen Blumenwiese am Wiener Donaukanal, legten Medienberichten zufolge schon um 5.20 Uhr Musik auf; nicht wegen des ÖSV, sondern einfach weil wieder aufgemacht werden durfte. Es gab Bier, Champagner, Tequila und sogar Frühstück. Yes!
Zuletzt kam man aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus
Vielleicht geht dieser 19. Mai der heiß ersehnten Öffnungen damit als eine Art - und das ist der parlamentarischen Farbenlehre zum Trotz jetzt völlig unpolitisch gemeint - Green Wednesday, als Mittwoch der Hoffnung, in die Geschichte Österreichs ein. Tanzende oder sogar Tequila kippende Menschen sind auch wirklich mal ein willkommener Farbtupfer nach diesen eher schwarzen Wochen für die türkise Partei. Zuletzt ließen Auftritte der ja eigentlich telegenen Bussibussi-Fraktion um Kanzler Sebastian Kurz und Finanzminister Gernot Blümel so manchen ernsthaft zweifeln, ob man aus dem Kopfschütteln jemals rauskommt. Da hilft es vielleicht, wenn die Corona-Krise und auch die bemerkenswerten Vorgänge in der Innenpolitik dank geöffneter Hotels und Kinos und Blumenwiesen nicht mehr so stark auf den Magen schlagen.
Die Frage ist natürlich weiter, was man angesichts gelockerter Quarantäneregelungen und kostenloser Corona-Tests für Urlauber jetzt eigentlich genau darf, und ob das, was man nicht darf, überhaupt noch kontrolliert oder gar sanktioniert wird.
Kontrollen und Sanktionen sind ja so eine Sache
Als ich an dem späten Mittwochabend der Öffnung über einen kleinen Grenzübergang von Bayern nach Tirol reiste, war das Beamtenkabuff nicht besetzt. Bei mir löste das eine größere Ungewissheit und eine kleinere Überraschung aus. Ungewissheit darüber, ob ich mir das in germanischer Gewissenhaftigkeit ausgefüllte Einreiseformular namens Pre-Travel-Clearance und den Test nun hätte sparen können. Überraschung darüber, wie schnell man sich doch an Kontrollen gewöhnen und sich die einstige Reisefreiheit in der EU abgewöhnen kann.
Überhaupt sind in Tirol Kontrollen und Sanktionen ja so eine eigene Sache. So gerieten kürzlich - endlich - einige Teststationen in die Kritik, weil sie schon nach teilweise 72 Sekunden das Testergebnis lieferten. Eigentlich ist dafür eine Viertelstunde nötig. In einem Kaufhaus in Innsbruck warb eine Teststation sogar mit offiziellen Zertifikaten, die nach nur fünf Minuten ausgestellt sind.
Allerdings begannen sich die Behörden dafür offenbar erst dann zu interessieren, als es die von dem Ötztaler Blogger Markus Wilhelm angeführte Öffentlichkeit thematisierte. Warum das so ist, darüber will ich mich aber erst wieder nächste Woche ärgern.
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