Ngorongoro in Tansania:Safari in der Wiege der Menschheit

Elefanten, Giraffen, Geparden - wo schon vor Jahrmillionen die ersten Menschen umherstreiften, kommen Besucher heute den wilden Tieren ganz nah.

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Natürlich hat man hier all die Schädel, Knochen und Fußspuren gefunden, Millionen von Jahren alt. Wo sonst als im Garten Eden? Solche Gedanken sind unausweichlich beim Blick vom Rand des Ngorongoro-Kraters in Tansania hinab zur Savanne, wo Tausende Zebras, Gnus und Büffel grasen, zum Akazienwald, zum Flamingosee.

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Prof. Bernhard Grzimek, der Schützer der Serengeti, dessen Urne hier begraben ist, nannte den Krater das achte Weltwunder. Am Ende eines Safaritags kann man nur zustimmen. Dabei ist die Riesenschüssel nur das Juwel der Ngorongoro Conservation Area, die seit 2010 als eine von 28 Doppel-Welterbestätten in den Listen der Unesco steht. Weltnaturerbe ist das Schutzgebiet schon seit 1979, nun trägt es auch noch den Titel Weltkulturerbe. Den Grund finden Besucher eine gute Fahrstunde westlich des Kraters in der Oldupai-Schlucht.

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Der Geländewagen rumpelt über Geröll und schwarze Steine hinab bis zu einem Betonblock, der verlassen in der Hitze steht. Hier hat Mary Leakey 1959 den Schädel des Australopithecus boisei gefunden. Es sollte nicht die letzte Entdeckung der Paläoanthropologin im Ngorongoro-Hochland bleiben.

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"Früher war die Schlucht ein großer See, der viele Lebewesen anzog", sagt Ladislaus Kashaija Domician. Der Assistenzkonservator des Museums von Oldupai deutet hinunter auf die karge Landschaft, wo heute nur noch dürre Büsche und wilde Sisal-Agaven wachsen. Wenn Tiere starben, versanken ihre Gebeine im Schlamm und blieben so erhalten. Homo habilis, Homo erectus und Homo sapiens - in den Gesteinsschichten Oldupais war die Entwicklung des Menschen über zwei Millionen Jahre konserviert.

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Auch Faustkeile und Steinäxte gruben die Forscher aus. Die ältesten Spuren menschlicher Vorfahren fand Mary Leakey aber in Laetoli, 25 Kilometer südlich: Fußabdrücke, 3,6 Millionen Jahre alt. Ihre Abgüsse sind heute im Museum zu sehen und zu ertasten. Sie sind von denen moderner Menschen kaum zu unterscheiden. Aus der Anordnung der Zehen konnten Wissenschaftler erkennen, dass Australopithecus afarensis schon aufrecht ging. Nicht nur die Menschen haben sich in den vergangenen paar Millionen Jahren verändert. An der Wand des Museums hängen die Schädel ausgestorbener Vorfahren von Elefanten, Antilopen, Giraffen und Büffeln.

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Ihren Nachfahren geht es heute prächtig im Ngorongoro-Hochland. In den europäischen Wintermonaten kommen rund 1,4 Millionen Gnus und Hunderttausende von Zebras und Gazellen auf ihrer jährlichen Runde durch die Savannen im Westen des Schutzgebiets. Hier werfen die Gnus Anfang des Jahres zeitgleich Abertausende von Kälbern. Sie fressen sich an dem mineralreichen Gras satt, bis sie im Mai weiter in den Westen der Serengeti ziehen.

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Anderen Tieren im Krater steht der Sinn nicht nach Wandern. Warum auch? "Sie finden hier alles, was sie brauchen", sagt Abdieli Laizer. "Wasser, Gras, Salz zum Lecken." Abdieli ist Ranger, er führt Touristen auf Wanderungen entlang des Kraterrands. Abdieli hat eine Kalaschnikow geschultert, "es könnte sein, dass wir Tiere treffen", sagt er.

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Zebras grasen neben der Straße, Kronenkraniche und Riesentrappe staksen vorbei. Und dann der erste der Großen Fünf: Büffel, keine hundert Meter entfernt. "Das sind sechs alte Bullen", sagt Macdonald Machege, der Safariguide, der als Kind zehn Jahre in Österreich lebte. "Sie sehen aus wie lahme Enten, aber glaube mir, die können noch schnell rennen." Macdonald fährt seit 19 Jahren auf Safari, er schätzt, dass er 500 Mal im Krater war. "Aber es ist jedes Mal anders."

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Der Wagen erreicht die Fieberakazien des Lerai-Waldes, es beginnt zu regnen. Tropischer Regen. Selbst wenn ein Leopard nebenan in den Ästen säße, würde ihn jetzt keiner sehen. Also Mittagessen im Auto, das klassische Safari-Lunchpaket, Hühnchen, Sandwich, hartgekochtes Ei, Chips. Der Guss ist schnell vorbei, die Pirschfahrt geht weiter. Bis ein Stau sie stoppt.

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"Ein Gepard", ruft Macdonald. "Schau, der wollte jagen, und jetzt haben ihn die Hyänen vertrieben." Die Großkatze trabt ohne Scheu zwischen der Kolonne von Geländewagen hindurch, bleibt stehen, schaut sich um, als würde sie posieren, Dauerfeuer der Kameras. "Das ist ein Highlight", flüstert Macdonald. Geparde sind selten geworden.

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(Foto: REUTERS)

Noch bedrohter sind die Kolosse, wegen derer Macdonald wenig später abrupt bremst. "Nashörner, auf zehn Uhr!" Zwei graue Tonnen in der Ferne, erstarrt. Macdonald reicht das Fernglas. "Das sind Mutter und Kind", sagt er. In den frühen 1980er Jahren hatten Wilderer die Zahl der Nashörner auf 18 dezimiert, jetzt schätzen die Ranger, dass wieder 38 oder 39 Tiere im Krater leben. Vorerst sind die Nashörner gerettet. Zumindest in der Arche Ngorongoro.

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(Foto: AFP)

Informationen: Anreise: Aus mehreren deutschen Städten wie Frankfurt am Main oder Berlin gibt es Flüge mit Zwischenstopp nach Daressalam. Von dort fliegen mehrere tansanische Fluggesellschaften weiter nach Arusha, wo die meisten Safaris starten. Noch näher am Schutzgebiet liegt Karatu. Beste Reisezeit: Das Schutzgebiet kann das ganze Jahr über besucht werden. Optimal ist die Zeit von Dezember bis Mitte März, wenn das Gras nach der kleinen Regenzeit wieder saftig grün ist und die Wanderung der Gnus und Zebras angekommen ist. In der großen Regenzeit im April und Mai können die Wege schlammig und kaum befahrbar sein. Von Juni bis Oktober ist es trocken, aber kühler. Kosten: Eine Safari in Tansania ist teuer. Selbst wer zeltet, muss mit 100 Euro pro Tag rechnen - allein der Eintritt in die Ngorongoro Conservation Area kostet 50 US-Dollar (rund 40 Euro) pro Tag und Person. Am günstigsten ist ein Tagesausflug von Karatu aus. Bei Billiganbietern riskiert man allerdings, dass sie die Pirschfahrt im Krater kurz halten - oder bei der Rückfahrt das Benzin ausgeht. Für Übernachtungen in luxuriösen Safaricamps werden mehrere Hundert Euro pro Tag fällig. Deutsche Veranstalter bieten meist eine kombinierte Safari im Ngorongoro-Schutzgebiet und in der Serengeti an.

© Florian Sanktjohanser, dpa - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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