Neuseeland:Schau' mir in die Augen, Pinguin!

Lesezeit: 2 min

Albatrosse, Seelöwen, Gelbaugenpinguine - auf der Otago-Halbinsel im Süden der Südinsel Neuseelands kann man sie alle ganz aus der Nähe betrachten.

Was aus der Ferne noch wie ein Felsblock am einsamen Strand gewirkt hat, beginnt sich träge zu bewegen. Mit einem Mal sehen sich die Spaziergänger einem Seelöwen-Koloss gegenüber: Majestätisch thront das riesige Tier im Sand.

Es sind ungewöhnliche Begegnungen wie diese, die einen Besuch der Otago-Halbinsel zu einem Höhepunkt jeder Neuseeland-Reise werden lassen. Die kleine Landzunge im Süden der Südinsel gilt als ein einzigartiges Tierparadies.

Die Otago-Halbinsel liegt nur wenige Kilometer von Dunedin, der viertgrößten Stadt Neuseelands, entfernt. Vom Charakter eines Naherholungsgebiets kann trotzdem keine Rede sein: Das hügelige Weideland im Landesinneren und die wild zerklüftete Steilküste erinnern an Schottland, die Highcliff Road in der Mitte des Landstreifens offenbart in beide Richtungen spektakuläre Blicke auf den Pazifik.

Schmale Pfade durch gelb blühende Büsche führen zu Buchten, in denen Hooker's Seelöwen, seltene Pinguine, Robben und Kormorane leben. "Ich könnte nie in der Stadt leben", erzählt der Gästehausbesitzer und Schaffarmer John, während er auf seiner Terrasse den Blick über den Meeresarm Otago Harbour genießt.

Die meisten Ausflügler aus Dunedin buchen geführte Touren zu den sichersten Tier-Beobachtungsposten. Ganz im Norden der Halbinsel liegt einer der stärksten Anziehungspunkte: das Vogelschutzgebiet am Taiaroa Head mit der einzigen Festlandkolonie von Königsalbatrossen.

Die Giganten bringen es auf eine Flügel-Spannbreite von bis zu drei Metern und können bequem vom Besucherzentrum aus betrachtet werden. Doch so stattlich die Vögel durch die Luft zu gleiten vermögen, so unbeholfen sind die Landungen - oft genug mit Bauchbremse.

An den Sandbuchten im Nordwesten ist mit der Kolonie der Gelbaugenpinguine auch eine absolute Seltenheit anzutreffen: Weltweit leben nur 1000 Exemplare dieser stark bedrohten Art. Aus Verstecken heraus können Touristen die Pinguine mit dem leuchtend gelben Streifen am Kopf beobachten, wie sie abends in der Dämmerung mit hoher Geschwindigkeit aus den Wellen geschossen kommen und über den Strand zu den Dünen watscheln, wo der Nachwuchs schon hungrig wartet.

Rosalie Goldsworthy hat sich den kleinen Frackträgern verschrieben. In der Kleinstadt Moeraki, die vor allem wegen ihrer tonnenschweren Steinkugeln am feinen Sandstrand berühmt ist, betreibt sie ehrenamtlich das einzige Pinguin-Hospital des Landes. Es liegt direkt neben einem Leuchtturm. Ob Barrakudabisse, Parasitenbefall oder Mangelernährung - die 58-jährige Neuseeländerin hat sich über die Jahre hinweg selbst beigebracht, wie sie den Tieren helfen kann.

Panoramablick von Larnach Castle

Den wohl schönsten Panoramablick auf Otago können Besucher vom Turm des Larnach Castle aus genießen, das auf einer Anhöhe auf der Halbinsel liegt. Das extravagante Schloss wurde 1871 für den Bankier und Politiker William Larnach gebaut und war das teuerste Bauprojekt Neuseelands.

Doch das Luxusheim im Naturparadies brachte seinem Besitzer kein Glück: Larnachs erste Frau starb an einem Herzinfarkt, seine zweite an einer Blutvergiftung. Larnachs dritte, erst 16 Jahre alte Frau, hatte ein Verhältnis mit seinem Sohn aus erster Ehe. Eine Tochter des Bankiers, für die er den Ballsaal bauen ließ, starb wenig später an Typhus. Zu den privaten Tragödien kamen finanzielle Desaster. 1898 erschoss sich Larnach im Parlament von Wellington.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: