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Nachtleben in Lissabon:Roter Alarm

Lux Fragíl Club Lissabon Portugal

Seit mehr als zehn Jahren der Club der Stadt: das Lux Fragíl, das John Malkovich gehört.

(Foto: Imago Stock&People)

Im Lissabon bei Nacht geht es nicht nur beim anstehenden Finale der Champions League heiß her. In ehemalige Bordellen sind Kneipen eingezogen, ein Laden ist umso besser, je voller er ist - und spätnachts isst man Fisch aus der Dose.

Türsteher bauen sich auf, Frauen werben in kurzen Röcken um Einlass, Betrunkene fixieren die Röcke, so gut sie noch können. Es ist zwei Uhr früh in der Rua Nova do Carvalho, vor den Clubs reiht sich Menschenschlange an Menschenschlange. Doch der vollste Laden ist kein Club, im Sol e Pesca gibt es auch nichts umsonst, es gibt dort: Dosenfisch.

Schon klar, nachts folgt die Nahrungsaufnahme eigenen Gesetzen, aber: "Eine Hafenstadt, in der man Fisch aus Dosen isst, das ist schon ziemlich rough", sagt Kellner Rodrigo Contino. Und er sagt: "Das ist genau der Grund, warum die Leute zu uns kommen. Weil sie es rough mögen."

"Rough" also, rau, derb. Kein schlechtes Wort, um das neue Zentrum des Lissabonner Nachtlebens zu beschreiben. Früher war das Hafenviertel Cais do Sodré ein Rotlichtbezirk, erst vor drei, vier Jahren sind Restaurants, Kneipen, Clubs in die ehemaligen Puffs und Striplokale eingezogen. Sie haben den Asphalt lippenstiftrosa gestrichen, aber die Fassade ist so abgeschminkt wie zuvor. Überall blättert Putz, auch von der grauen Hauswand des Sol e Pesca.

Eng wie in einer Sardinenbüchse

Der Laden ist winzig und schmal. Enger ist es höchstens in den Sardinenbüchsen, die hübsch drapiert hinter Vitrinenglas liegen. Ein Glück, dass Rodrigo Contino so dürr ist, so fällt es ihm leichter, sich durchs Gewusel zu zwängen und die Biergläser auf die Terrasse zu balancieren. Er hat Ärmchen wie Streichhölzer und Beinchen wie Stelzen, trägt Jeansröhre und Chucks, die Schürze ist eine Nummer zu groß für ihn. Oder er eine Nummer zu klein für die Schürze. Eben ein dürrer Hering, will man sagen, aber das wäre dann doch zu billig, um den Kellner eines Fischlokals zu beschreiben.

Die Menschen bilden eine Mauer, doch er will da jetzt durch. Er will raus, er hat jetzt Schichtpause. Ein paar Minuten später steht Rodrigo Contino in einer Seitengasse, dreht sich eine Zigarette, atmet durch und sagt: "Anthony Bourdain ist an allem schuld." Vor zwei Jahren sei der amerikanische Pop-Koch im Sol e Pesca aufgetaucht, "danach war der Laden chic und ging durch die Decke."

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Um im Bild zu bleiben: Die frühere Puffmeile ähnelt jener Welt, die Bourdain in seinen Büchern über die Koch-Szene entworfen hat. Grob, ein bisschen versaut. Ziemlich rough eben.

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