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Nach Notlandung bei Southwest Airlines:Boeing befürchtet weitere Risse in 737-Jets

Eine Maschine einer amerikanischen Billiglinie musste mit Loch im Kabinendach notlanden - nun werden 570 Boeing-Flugzeuge weltweit überprüft.

Das Loch im Dach, das eine US-Verkehrsmaschine zur Notlandung gezwungen hatte, wird für Hersteller Boeing zu einer ernsten Angelegenheit. Denn das Unglück scheint auf einen Konstruktionsfehler beim Verkaufsschlager 737 hinzudeuten.

The National Transportation Safety Board Displays Fuelage From Southwest Airline Plane

Fotografen nehmen in Washington DC die aufgerissene Außenhaut der Southwest Boeing 737-300 auf.

(Foto: AFP)

In Hunderten älterer Boeing 737 drohen Risse in der Außenhaut. "Das kommt nicht komplett unerwartet", sagte der verantwortliche Konzernmanager Paul Richter. "Wir haben grundsätzlich damit gerechnet, dass wir die Flugzeuge ab einem bestimmten Zeitpunkt kontrollieren müssen." Allerdings sei Boeing davon ausgegangen, dass sich eine Ermüdung des Materials erst "viel, viel später im Lebensverlauf" der Kurz- und Mittelstreckenmaschinen zeige. "Wir sind alle beunruhigt über die jüngsten Entwicklungen", sagte Richter.

Am Freitag hatte eine 15 Jahre alte 737-300 des US-Billigfliegers Southwest Airlines notlanden müssen, nachdem sich mit einen lauten Knall ein Loch im Dach aufgetan hatte. Wie durch ein Wunder wurde keiner der 123 Insassen ernsthaft verletzt. Southwest kontrollierte daraufhin alle ähnlichen Maschinen und stellte bei insgesamt fünf betagteren 737-Jets winzige Risse in der Außenhülle fest.

Schwachstelle sind nach ersten Erkenntnissen von Boeing die Schnittkanten, an denen die verwendeten Aluminiumplatten aufeinander treffen. Bislang habe Boeing keine speziellen Prüfungen vorgeschrieben, räumte Richter ein. "Vor diesem Unfall war unser Plan, mit den Inspektionen bei 60.000 Flügen zu beginnen." Keine der jetzt untersuchten Maschinen habe auch nur annähernd eine derart hohe Flugleistung.

Die Unglücksmaschine von Southwest hatte nach Angaben der Gesellschaft knapp 40.000 der strapaziösen Starts und Landungen hinter sich. Durch den unterschiedlichen Druck am Boden und in großen Höhen verformt sich das Material, besonders die Nähte leiden. Schon früher und bei anderen Flugzeug-Typen war es deshalb zu Unglücken gekommen.

Klafft erst ein Loch, drohen die Insassen hinausgesogen zu werden. Nach Angaben des Boeing-Managers müssen insgesamt 570 Flugzeuge der 737-Baureihe weltweit überprüft werden. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte noch von 175 Maschinen gesprochen. Problematisch sind diverse 737-Typen der alten, sogenannten "Classic"-Baureihe aus den Jahren 1993 bis 2000.