Mythen in den Bergen:Sagenhaft, diese Orte!

Wie kam die Steinerne Agnes zu ihrem Namen, wer steckt im Watzmann und wo ist der Teufel bereits zum zweiten Mal auf denselben Trick hereingefallen? Zehn Orte in den Bergen und ihre Legenden.

Daniela Dau

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(Foto: N/A)

Wie kam die Steinerne Agnes zu ihrem Namen, wer steckt im Watzmann und wo ist der Teufel bereits zum zweiten Mal auf denselben Trick hereingefallen? Zehn Orte in den Bergen und ihre Legenden. Das vergessene Kind im Grimming (Steiermark in Österreich) Mächtig erhebt sich der Grimming zwischen Ennstal und Salzkammergut aus dem Talboden - kein Wunder, dass man den 2351 Meter hohen Gebirgsstock früher sogar höher einschätzte als den nahen Dachstein. Vom Ennstal aus ist in einer steilen Felswand eine rundbogenartige überwölbte Vertiefung zu sehen, das sogenannte Grimmingtor. Dieses Tor spielt in der Sage vom vergessenen Kind eine zentrale Rolle. Einmal pro Jahr, an Peter und Paul (29. Juni), soll sich das Tor öffnen und den Blick auf die Schätze freigeben, die der Berg in sich birgt. Davon hörte auch eine verarmte Witwe, die eines Tages mit ihrer kleinen Tochter den Weg auf den Berg wagte. Als das Tor aufging, hastete sie hinein, setzte das Kind auf einem Stein im Inneren des Berges ab und raffte so viel Gold an sich, wie sie tragen konnte. Als sie ihre Last vor dem Berg abgelegt hatte und erneut hineingehen wollte, schloss sich das Steintor. Die Mutter konnte ihr Kind nicht mehr herausholen. Da verfluchte die Witwe das viele Gold und kehrte ohne den Schatz, aber auch ohne ihre Tochter ins Tal zurück. Ein Jahr lang musste sie warten, bis sich das Grimmingtor wieder öffnete und sie ihr Kind wohlbehalten in die Arme schließen konnte. Das Gold im Berginneren würdigte die Witwe diesmal keines Blickes.

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(Foto: N/A)

Der tote Schnee am Dachstein (Oberösterreich/Steiermark, Österreich) Der knapp 3000 Meter hohe Dachstein ist teilweise von Gletschern bedeckt. Eine der beliebtesten Aufstiegsrouten verläuft über den Gosaugletscher und den Westgrat. Die wenigsten denken beim Gang über dieses und andere Schneefelder daran, dass sich darunter der Sage nach verwunschene Almwiesen befinden. So soll eine der besten Almweiden früher hoch oben am Dachstein in einer Mulde gelegen haben: Das Gras wuchs üppig und fett und die dort weidenden Kühe gaben viel und gute Milch. Bald schaffte die Bäuerin die Almwirtschaft nicht mehr allein und beschäftigte Mägde, die ihr neben der Viehhaltung auch bei der Herstellung von Butter, Schmalz und Käse halfen. Als nach einem heftigen Gewitter die Stege und Brücken über die angeschwollenen Bergbäche zerstört waren und der Weg zur Alm hinauf abgeschnitten war, wollten die Mägde Holzfäller rufen. Diese sollten die Brücken reparieren. Doch die Bäuerin sagte: "Die Holzfäller brauchen wir nicht. Wir bauen uns unsere Brücken selbst!" So errichteten die Frauen die Brücken aus ihrem besten Käse neu, sie hatten ja so viel davon, und verklebten die Einzelteile mit extrafeiner Butter. Als der letzte Steig fertig war, traf sie die Strafe des Himmels, der so viel Hochmut und die sündhafte Vergeudung von Gottesgaben nicht ungestraft hinnehmen konnte: Die Brücken schmolzen und fortan bedeckte ewiger Schnee die einst so saftigen Weiden.

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(Foto: dpa-tmn)

Der grausame König Watzmann (Berchtesgadener Alpen, Bayern) Mit seiner charakteristischen Form beherrscht der Watzmann (2713 Meter) das Panorama über Berchtesgaden und man kann sich gut vorstellen, dass die Hauptfiguren der Watzmann-Sage im Fels verewigt worden sind. Der Hauptgipfel (im Bild rechts) steht für den König Wazemann, der Gipfel links symbolisiert dem Namen nach die Watzmannfrau, auf dem Grat dazwischen sitzen die Watzmannkinder aufgereiht. Variantenreich sind die Gründe, warum der König samt Familie zu Stein verwandelt wurde: Mal soll er Bauersleute mit seinem Pferd totgetrampelt haben und dafür verflucht worden sein, mal soll er Knechte und Hunde auf Untertanen gehetzt haben, bis sich die Meute schließlich gegen ihn selbst wandte. Auch für die Entstehung von Königs- und Obersee gibt es eine sagenhafte Erklärung: In ihnen sei das Blut der Königsfamilie zusammengeflossen.

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(Foto: dpa)

Der Hexenplatz auf dem Säuling (Ammergauer Alpen, Bayern) Markant erhebt sich der Säuling (2047 Meter) über Füssen im Allgäu, einer der ersten namentlich bezeugten Berge in den Alpen. 895 ist in der Vita des Heiligen Magnus vom Berg "Siulinch" die Rede. Fast genauso alt sind die vielen Legenden, die sich um den weithin sichtbaren Gipfel ranken. Hexen sollen das Gipfelplateau als Tanzplatz nutzen und zu allerlei Schabernack fähig sein: Bald nachdem anlässlich des Todes des Märchenkönigs Ludwig II. im Jahr 1886 eine schwarze Fahne auf der Gipfelstange des Säuling gehisst worden war, fand man diese derartig kompliziert verknüpft vor, dass niemand in der Lage war, den Knoten zu lösen. Das konnten dem Volksmund nach nur Hexen vollbracht haben. Einen Felsbrocken nahe Roßhaupten soll der Teufel persönlich vom Säuling heruntergeworfen haben, um den Bau einer Kirche in dem Dorf zu verhindern. Als das Abendläuten begann, fiel der Stein senkrecht zu Boden - vor dem Dorf. Ein Steinkreuz markiert seit 1630 den imposanten Gesteinsbrocken, der im Übrigen gar nicht vom Säuling stammen kann. Denn dort findet man unter anderem Kalkstein, der Findling dagegen besteht aus Nagelfluh. Doch so genau wollen das wohl nur geologisch interessierte Wanderer wissen.

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Teufelsbrücke über die Tuxerklamm (Tirol, Österreich) Der Tuxerbach im Zillertal fließt 70 Meter tief in einer Klamm. Über diese Kluft eine Brücke zu bauen, trauten sich die Bauern aus dem nahen Finkenberg der Sage nach nicht zu - sie baten den Teufel um Hilfe. Als Lohn für seine Arbeit forderte Satan die Seele desjenigen, der als Erster über die fertige Brücke gehen würde. Doch die schlauen Finkenberger jagten einen Geißbock über den Steig, den der Teufel unter lautem Wutgeheul bei den Hörnern packte und mit ihm durch die Lüfte ritt. Die 1876 in Tiroler Holzbautechnik errichtete Brücke überspannt die Klamm bis heute im Original, die Sage hingegen können die Finkenberger nicht für sich allein beanspruchen: Die erste Teufelsbrücke über die Schöllenenschlucht im Schweizer Kanton Uri soll bereits im 13. Jahrhundert unter genau den gleichen Umständen errichtet worden sein. Ein Glück für die Finkenberger, dass der Teufel noch einmal auf denselben Trick hereinfiel.

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König Laurin und sein Rosengarten (Südtirol, Italien) Wenn die ersten und die letzten Sonnenstrahlen dieses Felsmassiv in den Dolomiten in rotem Licht leuchten lassen, dann weiß der sagenkundige Tourist: König Laurins Rosengarten erblüht. Laurin herrschte über ein Volk von Zwergen, das im Inneren des Berges nach Kristallen, Silber und Gold schürfte. Er besaß zwei Zauberwaffen: einen Gürtel, der ihm die Kraft von zwölf Männern verlieh, und eine Tarnkappe. Hoch oben in den Felsen, im meist schneebedeckten "Gartl", lag sein Rosengarten. Einst verliebte sich der Zwergenkönig in eine schöne Prinzessin und entführte sie in sein Paradies. Die Ritter ihres Vaters stellten ihn dort und konnten ihn trotz Zaubergürtel und Tarnkappe überwältigen. Laurin belegte den Ort seiner Gefangennahme mit einem Fluch: Weder bei Tag noch bei Nacht sollte ein Menschenauge jemals wieder den Rosengarten sehen. Doch er hatte die Zeit der Dämmerung vergessen.

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(Foto: N/A)

Die Engelswand im Ötztal (Tirol, Österreich) Eine große Wiese am Wandfuß sowie ein Angebot von mehr als 70 Routen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden machen den Klettergarten in Tumpen im Ötztal zu einem familienfreundlichen Ausflugsziel. Während man an Karabinern und Haken hängt, sollte man sich die Legenden, die sich um einen Teil der Engelswand ranken, vielleicht nicht ins Gedächtnis rufen. Das verschiebt man am besten auf die Jause danach. Eine der bekanntesten Sagen lautet: Ein Graf von Hirschberg hatte vor vielen hundert Jahren seine Burg im nahen Umhausen, der ältesten Ansiedlung im Ötztal. Der Graf war mit irdischen Gütern reich gesegnet, doch es bedurfte einer Pilgerfahrt nach Jerusalem, damit seine Frau endlich den ersehnten Stammhalter zur Welt bringen konnte. Bei einem Spaziergang unterhalb der Engelswand stürzte sich ein Jochgeier auf die Familie und entführte das Baby in seinen Horst hoch oben in den Felsen. Die entsetzten Eltern sandten Gebete und Gelübde gen Himmel - und siehe da: Ein glänzender Engel erschien, hob das Kind aus dem Horst, schwebte hernieder zum Fuß der Wand und legte es dort ab. So kam die Engelswand zu ihrem Namen.

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Die Steinerne Agnes (Bayern) Wer im Lattengebirge zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden wandert, kann ihn schon von weitem sehen: Der alleinstehende, etwa 15 Meter hohe Fels erinnert entfernt an eine Sennerin mit Hut. Agnes soll der Sage nach eine gottesfürchtige Frau gewesen sein, die der Teufel unbedingt für sich gewinnen wollte. In verschiedenen Gestalten versuchte er sie zu verführen: als Wilderer, als Holzknecht und als schneidiger Jägersbursche. Agnes blieb standhaft. Als ihr der Leibhaftige eines Tages persönlich vor die Augen trat, rief die keusche Sennerin die Heilige Maria an und wurde erhört: Der Berg vor ihr öffnete sich und schloss sie in sein Inneres ein. Warum die brave Agnes für ihre Tugendhaftigkeit derart büßen musste, war den Menschen offenbar nicht ganz einsichtig. Die Sage wurde abgewandelt. Die Sennerin bekam ein uneheliches Kind mit einem Jäger angedichtet, dass sie - dem Rat des Teufels folgend - aus Scham tötete und zur Strafe dafür versteinert wurde. Generationen junger Mädchen werden dieser Version mit Schaudern gelauscht haben. Geologen haben eine ganz andere Erklärung für die Form der etwa 230 Millionen Jahre alten Felssäule: Materialunterschiede. Die weicheren Gesteinsschichten im Fels verwittern einfach schneller als die härteren.

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(Foto: TomK32/creative commons_cc-by-sa)

Kaiser Karl im Untersberg (Bayern/Salzburg, Österreich) Erdgeister, Feen und Zauberer sollen in dem Bergmassiv zwischen Berchtesgaden und Salzburg leben, sie allein bieten schon Stoff für viele Erzählungen und Legenden. Am bekanntesten aber ist die um ihren berühmten Untermieter: Kaiser Karl der Große liegt zwar eigentlich in Aachen begraben, soll aber im Untersberg auf seine Auferstehung warten. Umsorgt von den Zauberwesen schläft er dort und wacht nur alle hundert Jahre auf. Dann schickt er einen Knappen hinaus, um zu zählen, wie viele Raben den Berg umkreisen. Wanderer in dieser Gegend sollten auf ihren Wegen also genau mitzählen: Wenn sie auf 24 Raben kommen, könnte ihnen der Kaiser mit seinem Gefolge über den Weg laufen: In diesem Fall würde sich Karl der Große der Sage nach auf den Weg machen, um Deutschland wieder zu regieren. Zählt der Knappe weniger als 24 Raben, legt sich der Kaiser wieder hin und schläft erst einmal weitere 100 Jahre.

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(Foto: N/A)

Der Durchschlupfstein am Wolfgangsee (Salzburg, Österreich) Auf der Flucht vor dem Teufel gelangte der heilige Wolfgang auf den Falkenstein am Wolfgangsee im Salzkammergut. In seiner Not bat Wolfgang um Hilfe, da öffnete sich der Fels und ließ ihn ein. Die Höhlung, in der Wolfgang fünf Jahre lang ein Eremitendasein gelebt haben soll, ist heute von der Falkensteinkirche (im Bild) umgeben. Unter Klaustrophobie sollte nicht leiden, wer sich hier hineinbegibt. Der Eingang in die Höhle ist knapp mannshoch, in der Höhle selbst gibt es eine enge Spalte, den sogenannten Durchschlupfstein. Zwängt man sich daran vorbei, streift man angeblich alles Übel, alles Negative ab - vermutlich ist dieses Versprechen neben der von Wolfgang der Legende nach geschlagenen Heilquelle einer der Hauptgründe, warum bis heute viele Pilger an diesen "Kraftort" kommen.

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