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"Museum der gescheiterten Beziehungen":Trümmer der Liebe

Wohin mit all den Gegenständen, die uns an eine vergangene Romanze erinnern? Nach Zagreb. Dort zeugen Beziehungs-Souvenirs vom Vergehen der Liebe. Das kann durchaus unterhaltsam sein.

Da steht ein Gartenzwerg mit zerbrochener Nase im Museum, und es stellt sich die Frage: Ist das Kunst oder kann das weg? Auf einer Tafel wird erklärt, dass er seinen Platz verdient hat, denn das scheußliche Ding hat eine Geschichte: Er flog am Scheidungstag seiner ehemaligen Besitzer aus Slowenien gegen eine Windschutzscheibe und landete mit der Nase voraus auf dem Asphalt, am Ende einer zerbrochenen Beziehung. Die Besitzerin schreibt über die Flugbahn des Zwergs: "Es war eine lange Schleife, zeichnete einen Bogen der Zeit, und dieser definierte das Ende der Liebe." Jetzt trägt er einen neuen Namen: "Der verrückte Scheidungstag-Gartenzwerg".

Museum der gescheiterten Beziehungen

Zündstoff in Zagreb

Oh, nein, das ist ja traurig hier!" Das Paar aus Deutschland realisiert erst im Ausstellungsraum, in welchem Museum sie da in Zagreb gelandet sind: Es ist das Museum der zerbrochenen Beziehungen. Tja, hier wird nichts weltbewegend Historisches seziert oder allgemein Gesellschaftliches analysiert. Hier sind 100 Gegenstände versammelt, die am Ende der Liebe übriggeblieben sind, grell ausgeleuchtet: eine Axt, eine Unterhose, ein Brautkleid.

Wenn man es genau nimmt, müsste der Stoffteddy mit dem kitschigen Polyesterherz in einer Kiste auf dem Dachboden verstauben und sollten die alten Socken im Müll landen, doch hier bekommen die Beziehungstrümmer einen neuen Wert: Sie werden zur Erinnerung - die mal schmerzhaft, mal belustigend ist. Die Geschichte jedes Gegenstands im Museum wird von den Ex-Besitzern persönlich beschrieben.

Olinka Visitca und Drazen Grubisic, ein Künstlerpaar aus Kroatien, hatten nach Ende ihrer Liebesbeziehung im Jahr 2004 die Idee für das Museum entwickelt, weil sie nicht wussten, wohin mit ihren Beziehungsssouvenirs. Zuerst sammelten sie die Gegenstände von Freunden und tourten mit Wanderausstellungen durch 20 Städte. Mit wachsender Bekanntheit trudelten regelmäßig neue Exponate von freiwilligen Spendern ein. Die meisten sind froh, dass die schmerzlichen Objekte eine neue Bestimmung erhalten.

"Was auch immer die Motivation für die Spende ist - purer Exhibitionismus, therapeutische Hilfe, oder einfach Neugier - Menschen begrüßen die Idee, das Erbe ihrer Liebe auszustellen", erklären die Besitzer.

Seit einem Jahr ist das Museum in Zagreb dauerhaft geöffnet, es wurde als innovativstes Museum Europas ausgezeichnet. Die Idee ist verblüffend schlicht, nahezu frech, aber der Effekt ist groß.