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Mountainbiken mit Kind:Schotter, Schweiß und Käfergucken

Die Sonne strahlt, die Kette surrt, der Schweiß fließt - mit dem Mountainbike unterwegs am Gardasee. Etwas ist anders als früher: Ein Kind sitzt im Fahrrad-Anhänger.

Zum Biken an den Gardasee? Jederzeit! Monte Baldo, Altissimo, wir kommen! Ach, ihr nehmt eure Zwerge mit? Den alten Sportsfreunden - genauer: den kinderlosen unter ihnen - kam dann kurzfristig doch etwas dazwischen.

Jahrelang verabredete man sich für anspruchsvolle Touren, die auch mal quer über die Alpen führten. Und nun ein Familienausflug mit drei Kindern zwischen neun und 19 Monaten im Fahrradanhänger?

Zugegeben: Auch die drei Elternpaare waren nicht sicher, ob das ein befriedigender Bike-Urlaub werden konnte.

Das Leben mit Kind unterliegt einem grundsätzlichen Interessenskonflikt. Gemeinsames Sandbuddeln ist lustig, Pfützenhüpfen ebenso, keine Frage. Eltern aber wollen, so sie nicht völlig selbstlos sind, auch mal Dinge tun, für die sie sich in ihrem früheren Leben begeistert haben. Ist keine Oma am Start, muss das Hobby eben kindgerecht gestaltet werden.

Für Mountainbiker heißt das dreierlei: Einen wendigen Fahrradanhänger besorgen und dabei keinesfalls bei der Federung sparen. Kurze Touren auswählen, auf dass die Kids nicht allzu lang ihrer natürlichen Bestimmung - krabbeln, rumrennen, die Welt entdecken - entzogen werden.

Und: Losfahren, wenn sie bereit für ihren Mittagsschlaf sind. Den können sie dann statt im Bettchen oder Kinderwagen im schunkelnden Fahrradanhänger halten.

Klingt einfach, erfordert bei drei Kindern mit höchst individuellen Schlafenszeiten aber ein ausgefuchstes Zeitmanagement. Endlich sind alle Rucksäcke gepackt und die drei Kinder im Anhänger verstaut. Die Zeit läuft.

Schnell noch einmal die Sicherung der Kupplungen kontrollieren, die Tachos eichen und los geht's. Die Eltern, noch keinen Höhenmeter gefahren, schwitzen bereits. Zwei Minuten später kehrt Mittagsruhe in den Anhängern ein.

Beim Pedalieren nach Riva macht es sich dann allmählich breit - das herrliche Gefühl, nach einem abstinenten Sommer wieder auf dem Mountainbike zu sitzen. Die Berge, der tiefblaue See, die einzigartige Brise um die Nase - wie früher.

Klar, die Touren mit Kind sind andere. Wurzelige Trails und geröllige Downhills sind selbst mit einem gut gefederten Anhänger nicht fahrbar. Jedenfalls nicht guten Gewissens. Sportlich ist Hänger-Biken aber in jedem Fall: Die rund 25 zusätzlichen Kilos von Anhänger samt Kind und Sandspielzeug machen jeden Anstieg um ein paar Prozentgrade steiler. Routen, die neben dem Trainingseffekt auch landschaftliche Highlights garantieren, bietet die nördliche Gardasee-Region genug.

Schotter, Schweiß und Käfergucken

Zum Beispiel ab Riva auf der alten Ponale-Straße. Die Schotterauffahrt, einst eine Militärroute und lange Zeit einzige Verbindung ins Ledrotal, schmiegt sich in Serpentinen stets am Fels entlang nach oben und gilt als eine der schönsten Mountainbike-Strecken in Europa. Lange Zeit war sie wegen Steinschlag-Gefahr gesperrt. Seit drei Jahren ist sie - auf ausgebessertem Belag und gesichert mit Fangnetzen - per Rad wieder befahrbar. Für echte Cracks beginnt hier die Tour zum legendären Tremalzo-Pass.

In der Mittagshitze sind vergleichsweise wenige Biker unterwegs, einige bereits wieder bergab. Begeistert sind sie vermutlich nicht, ihre rasante Abfahrt für die Anhänger-Kolonne zu bremsen. Respekt zollen sie ihr dennoch. Der Anstieg geht wahrlich in die Beine, doch dafür ist man hier und wird allenthalben mit spektakulären Blicken über den steilen Abgrund auf das funkelnde Wasser belohnt.

Nach knapp drei Kilometern gabelt sich der Weg. Rechts führt ein asphaltiertes Sträßchen weiter bergauf zum Ledrosee - eine mit Anhänger ebenso schweißtreibende wie lohnenswerte Route, die auf kurzzeitig sehr steilen Abschnitten durch verschlafene Dörfer und üppige Wiesen führt. Kleines Manko: Ein kurzer Streckenabschnitt verläuft auf der von Motorradfahrern stark frequentierten und damit nicht ganz ungefährlichen Hauptstraße.

Als pure Genusstour erweist sich hingegen der linke Abzweig. Er führt auf einem kaum befahrenen, von Olivenbäumen gesäumten Sträßchen in weiteren Schleifen hinauf nach Pregasina.

Am Ortseingang des kleinen Dörfchens, das förmlich am Hang zu kleben scheint, lockt eine Terrassenwirtschaft mit altem Obstgarten zur Einkehr. Der Blick über den See ist famos. Vorher aber noch sehen Elternaugen: Eine Rutsche! Eine Schaukel! Und eine Wiese zum Krabbeln und Käfergucken! Jana, Felix und Theo werden ihren Spaß haben.

Die Eltern auch. Bei einem Picknick im Gras planen sie bereits die Touren für die nächsten Tage - teils mit, teils ohne Anhänger. So ein Bike-Urlaub mit Kind macht richtig fit.

Anhänger-Touren auf der alten Ponale-Straße

Tour 1: Startpunkt: Riva del Garda (75 m) Ziel: Pregasina (545 m) Höhenmeter: 470 Fahrzeit: Insgesamt ca. 2 bis 2,5 Stunden Einkehr/Rast: Hotel Rosalpina in Pregasina

Tour 2: Startpunkt: Riva del Garda (75 m) Ziel: Molina di Ledro am Ledro-See (652 m) Höhenmeter: 577 Fahrzeit: Insgesamt ca. 2,5 bis 3 Stunden Einkehr/Rast: Zahlreiche Wiesen unterwegs, diverse Restaurants und Eisdielen am Seeufer unmittelbar hinter Molina di Ledro

Exakte Tourenbeschreibungen: Elmar Moser: Bike-Guide, Bd 12, Gardasee. Verlag Delius Klasing, Bielefeld, 4. Auflage (2003). ISBN-10: 3768810011

Karte: Kompass WK 071, Alpi di Ledro - Valli Giudicarie (1:50.000)

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