Mitten in ... Özbağ

Wer länger in Berlin lebt, kennt das Gefühl: Man kann sich keinen Ort auf der Welt vorstellen, der annähernd an Berlin heranreicht. Deshalb verlassen die Berliner ihre Stadt nur im Notfall - was soll man woanders, wenn man in Berlin sein kann? Die Berliner Familie, die in Zentralanatolien unterwegs ist, fühlt sich deshalb sehr, sehr fremd. Graue Hügel, mehr Steppe als Landschaft. Die Orte karg und einsam, keiner versteht einen. An einer Autobahnraststätte das erste Gespräch. Ein älterer Mann fragt in gebrochenem Englisch, woher man komme. Berlin, sagt die Familie. "Ah, Berlin!", sagt er und wechselt in das flüssige Deutsch von Türken, die in Deutschland gelebt haben. "Kreuzberg, Kottbusser Tor!" Und mit einem Mal fühlen sich die Berliner wie so viele Deutsche, wenn sie auf Mallorca ein Schnitzelrestaurant entdecken: angekommen.

Verena Mayer, SZ vom 14./15. Juni 2014

Bild: AFP 26. Juli 2014, 12:312014-07-26 12:31:47 © SZ/cag/ihe