Mitten in Absurdistan – Mitten in ... Dresden

Es ist: Sonntag, schlittenhundekalt, weit vor 10 Uhr. Im Kalender steht: "Rede Jürgen Rüttgers über Politikverdrossenheit". Man würde sich gern noch mal umdrehen und den lieben Herrn Rüttgers einen guten Staatsmann sein lassen. Aber dann steht er plötzlich in Gedanken allein im Schauspielhaus: Nanu, keiner da? Muss an der Verdrossenheit liegen, sag ich doch. Also geht man hin und hört zu: "Verantwortungsräume... Allzuständigkeit der Politik... Zuständigkeitsvermutung". Man ist wieder in Gedanken, bei F.W. Bernstein, seinen Elchen und deren Kritikern. Rüttgers fragt, woher die Politikverdrossenheit denn nun komme. Vortragskünstlerpause. Jetzt wird man unsicher: War seine Rede nicht langatmig, sondern eine rhetorische Performance? Er redet weiter, die Unsicherheit verfliegt. Man hätte sich noch einmal umdrehen sollen.

Cornelius Pollmer, SZ vom 09.03.2013

Bild: picture alliance / dpa 19. April 2013, 18:022013-04-19 18:02:17 © SZ