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Mitten in Absurdistan:Eine Wassermelone, immer wieder

Originelle Antwort Fehlanzeige. Aber was soll Johnny Depp auch anderes auf die immer wieder gleichen Fragen sagen? Angesichts so vieler verlorener Seelen im Seouler Nachtleben ist sogar den Straßenkatzen zum Heulen zumute. Und ein Ehepaar in Hamburg beweist lautstark, dass das Alter nichts für Feiglinge ist.

SZ-Korrespondenten berichten Kurioses aus aller Welt.

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Johnny Depp "Lone Ranger" Japan Premiere Tokio

Quelle: Getty Images

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Originelle Antwort Fehlanzeige. Aber was soll Johnny Depp schon auf Fragen antworten, die ihm immer wieder gestellt werden? Angesichts so viel verlorener Seelen im Seouler Nachtleben ist sogar den Straßenkatzen zum Heulen zumute. Und ein Ehepaar in Hamburg beweist lautstark, dass das Alter nichts für Feiglinge ist. SZ-Korrespondenten berichten Kurioses aus aller Welt.

Mitten in ... Berlin

Es gibt drei Fragen, die Hollywood-Schauspieler immer beantworten müssen, wenn sie auf Tingeltour quer durch die Welt sind, um ihre aktuellen Filme anzupreisen: Wie man die jeweilige Stadt so finde, ob einem das regionale Essen schmecke und ob man etwas in der Landessprache sagen könne. Vor der Premiere zu "Lone Ranger" am Freitag in Berlin macht es sich Schauspieler Armie Hammer einfach und lobt Wiener Schnitzel (geht noch als Landesspezialität durch), während Johnny Depp die Frage nach seinen Deutschkenntnissen kreativer beantwortet und sagt: "Mein Vater ist ein Stierkämpfer. Ich bin eine Wassermelone." Verzücktes Lachen im Publikum. So originell! Eine Google-Recherche ergibt: Das sagt er schon seit 1996. Aber auf die immer gleichen Fragen kann man auch wohl nur die immer gleichen Antworten geben.

Judith Liere, SZ vom 20./21. Juli 2013

Katzen

Quelle: AFP

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Mitten in ... Seoul

Das Bermudadreieck nennen die Studenten diesen Ort zwischen der Universität Hongik und der Ewha-Universität für Frauen. Denn in Partynächten sollen alle Pärchen irgendwann hierher verschwinden, in eines der Hotels, die Vogue oder La Nuit heißen und auch für ein paar Stunden günstig zu haben sind. Doch statt knutschender Studenten sieht man Lieferwagen mit getönten Scheiben vorfahren, Mädchen springen heraus, huschen in die Hotels. Manchmal sind es auch fünf oder sechs, die in einen der "Business Clubs" verschwinden. Eine Frau liegt auf dem Asphalt vor dem La Nuit, so zugedröhnt, dass sie nur noch jammern kann. Ein Mann versucht entnervt, sie aufzurichten, wieder und wieder, vergeblich. Auf einmal hört man ein Baby weinen. Familien, hier? Nein, nur laute Katzen. Selbst den Tieren ist zum Heulen zumute.

Charlotte Theile, SZ vom 20./21. Juli 2013

Eiswürfel Zange Glas

Quelle: Robert Haas

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Mitten in ... Stäfa

Schokolade, Uhren, Käse - jedes Kind kennt typisch schweizerische Produkte. Aber was ist schon wirklich schweizerisch an ihnen? Sie werden heutzutage auch anderswo hergestellt: Cadbury-Schokoriegel, sowjetische Poljot-Chronometer oder finnischer Emmentaler. Dafür hat, was noch in der Schweiz hergestellt wird, den besten Ruf. Das Prädikat "Swiss made" hat, Fußball vielleicht ausgenommen, weltweit ein besseres Image als "Made in Germany". Grenzen gibt es keine, noch das schlichteste Produkt wird durch das Schweizer Gütesiegel veredelt - selbst eine so vergängliche Ware wie der Eiswürfel. Fragt sich nur, was den Schweizer Würfel nun genau auszeichnet. Kristallklares Quellwasser? Präzise vermessene Kantenlängen? Eine hohe Schmelzresistenz? Hauptsache, die Würfel tragen den Stempel "Made in Switzerland".

Wolfgang Koydl, SZ vom 20./21. Juli 2013

Rollstuhlfahrer Mann Rollstuhl

Quelle: iStockphoto

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Mitten in ... Hamburg

Ein Frühstück auf dem Balkon, Sonne, gute Stimmung. Dann hört man Gepöbel. "Arschloch" keift eine Frau. "Sau", brüllt ein Mann. Nanu? Was ist das für ein Ton? Der Streit tobt jetzt direkt vorm Haus, zu sehen sind: eine Dame und ein Herr, beide um die 80. Er sitzt im Rollstuhl. "Plage!" Sie schiebt. "Teufel!" So entfernen sie sich. Plötzlich reißt das Schimpfen ab. "Inga! Inga!" ruft der Mann nur noch. Das klingt nicht gut - schnell nach unten. Und wirklich: Auf der Straße eine Szene lupenreiner, lebenslang eingeübter Bosheit. Inga sitzt eine Ecke weiter auf einer Bank. Ihren Mann hat sie stehen lassen. Mitten auf der Kreuzung. Im Rollstuhl. Der Bordstein ist zu hoch für ihn. "Jaja!" ruft Inga. Gefragt nach seinem Ziel sagt der Mann trotzdem: "Zu meiner Frau, dem Ekel." Wie sagte schon Goethes Arzt Hufeland: Das Alter ist nichts für Feiglinge.

Charlotte Frank, SZ vom 20./21. Juli 2013

Aix-en-Provence - Mitten in Absurdistan

Quelle: Duranti/oH

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Mitten in ... Aix-en-Provence

Die alte Residenz-Stadt der Provence hat sicherlich viel Flair, doch bei 35 Grad im Schatten und gefühlten 150 Prozent Luftfeuchtigkeit erlahmt der Besichtigungseifer. Am liebsten würde ich mich jetzt auf die legendäre Terrasse des Café Les Deux Garçons unter die Platanen setzen und ein frisch gezapftes Leffe-Bier trinken. Nur ist es dafür um zwei Uhr nachmittags eher noch zu früh.

Also flüchte ich mich in die Église Saint-Esprit, weniger auf der Suche nach Kunst als nach Kühle. Drinnen ist es fast genauso heiß wie draußen, nur noch stickiger. Vielleicht ist es doch schon Zeit für ein Leffe? Gerade will ich mich zum Café aufmachen, als mein Blick auf ein Plakat in der Kirche fällt. Es zeigt einen gefüllten Bierkrug mit prächtiger Schaumkrone. Darunter steht geschrieben: "Dieu seul comblera ta soif" - "Nur Gott wird deinen Durst stillen."

Stefan Ulrich, SZ vom 13./14. Juli 2013

Für Elbschafe wird Futter knapp

Quelle: dpa

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Mitten in ... München

Die Sonne neigt sich bereits, die Mücken stechen in Hochform, und trotzdem herrscht eine beschauliche Idylle im Nordteil des Englischen Gartens. Stadtschäfer Johannes Rosenhuber ist mit seiner Herde unterwegs. Die Schafe stehen großzügig eingezäunt auf der Wiese. Einvernehmliches Grasrupfen, vereinzeltes Geblöke. Eine Horde Lämmer übt sich in übermütigen Bocksprüngen. Ein paar abendliche Spaziergänger haben sich am Weidezaun verteilt und beobachten mit verträumten Blicken das Treiben.

Zwei Damen mit einem unruhigen Vierbeiner an der Leine nähern sich. "Ach, er würde ja so gerne die Schafe jagen. Hütehund wäre wohl sein Traum", säuselt die eine zur anderen. Zu ihren Füßen steht ein schwarz-weißer Zwergpudel mit blau gefärbtem Schwanz und blauen Strähnchen auf dem Kopf. Aber man darf ja mal träumen.

Gabi Klein, SZ vom 13./14. Juli 2013

Germans Prepare Their Cars for Winter

Quelle: Getty Images

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Mitten in ... Debrecen

Ein tiefes Schlagloch auf einer Landstraße in Ostungarn, Luftlinie 50 Kilometer von der rumänische Grenze entfernt. Ein Knall - und zwei kaputte Reifen, aber nur ein Ersatzreifen. Einsamkeit, Stille, ab und zu rast ein Laster vorbei. Kurze Telefonkette, nach fünfzehn Minuten ist ein Retter da. Alter Reifen ab, neuer drauf. Weitere 30 Minuten später ist ein zweiter Reifen beschafft, alter Reifen ab, neuer drauf. Über den Maisfeldern färbt sich der Himmel rosa, große Freude: Der Abend ist gerettet. Oder doch nicht?

Das Schlagloch hat auch die Hydraulik geliefert, der Wagen liegt fast auf der Straße. Also auf zur Werkstatt nach Debrecen. 200.000 Einwohner, sozialistischer Spätbarock - und eine hypermoderne Werkstatt. Einen Tag lang wird geschraubt, gefräst, gemessen und gewerkelt. Für 250 Euro. Wenn also eine Panne, dann in Ostungarn.

Cathrin Kahlweit, SZ vom 13./14. Juli 2013

Leipzig - Mitten in Absurdistan

Quelle: AFP

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Mitten in ... Leipzig

Die Bierbar "Gleis 8" im Leipziger Hauptbahnhof ist ein Ort für alle, die den Anschluss verpasst haben - sei es nur jenen zum ICE nach Dresden, oder sei es den an die Gesellschaft. Ein Mittwochabend im Juli: Eilig rauscht ein junger Mann herein, schmal geschnittener Anzug, ölig-schwarze Haare, Lackschuhe. Er geht zu dem dicken Mann, der an der Theke sitzt: Ist hier noch frei? Der Mann dreht seinen Kopf wie eine Schildkröte, dann zieht er wortlos die tresenfarbene Lederjacke vom Hocker neben sich.

Der junge Mann setzt sich, bestellt ein Bier, wischt auf seinem Telefon herum. Der dicke Mann schaut immer wieder rüber, sein Blick sagt: Ich mag dich nicht. Der junge Mann vergisst die Zeit, plötzlich muss er zum Zug. Er steht auf und trinkt das große Bier in einem Rutsch. Der dicke Mann strahlt jetzt. "Bist in Ordnung", sagt er.

Cornelius Pollmer, SZ vom 13./14. Juli 2013

Men compete in the Muscle Beach Independence Day bodybuilding contest on Venice Beach in Los Angeles, California

Quelle: Reuters

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Mitten in ... Hermosa Beach

Der "Iron Man" ist eine mörderische sportliche Herausforderung. Auch in Hermosa Beach, einem Strandstädtchen im Südwesten von Los Angeles, findet seit 1974 am amerikanischen Unabhängigkeitstag so ein Wettbewerb statt. Nur sind die Regeln nicht ganz so mörderisch wie bei einem gewöhnlichen Triathlon: Die Teilnehmer müssen erst 1,6 Kilometer am Strand laufen, danach 1,6 Kilometer auf einem Surfboard im Pazifischen Ozean paddeln und am Ende ein Sixpack Bier trinken. Leichtbekleidete Frauen, auch das ist hier Tradition, feuern die Teilnehmer am Strand hysterisch kreischend an. Am Ende gewinnt ein Mann namens Jeff Bellandi. Sein Preis: ein Eintrag in die Geschichtsbücher von Hermosa Beach - und der nicht zu unterschätzende Vorteil, einer der wenigen an diesem Tag zu sein, die sich nicht übergeben haben.

Jürgen Schmieder, SZ vom 6./7. Juli 2013

Im Bild: Nein, diese Männer posierten nicht am "schönen Strand" - sie ließen ihre Muskeln bei der Konkurrenz spielen: dem "Muscle Beach Independence Day bodybuilding contest" in Venice Beach.

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Quelle: AFP

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Mitten in ... Grindavik

Die Blaue Lagune ist wohl Islands bekannteste Attraktion. Ein künstlicher Thermalsee von 5000 Quadratmetern, mitten im Lavafeld. 20 Minuten vom Flughafen entfernt, sehr viele Stop-over-Gäste, entsprechend international ist das Publikum. Briten, Iren oder Deutsche erkennt man daran, dass sie mit roten Gesichtern und Bierhumpen im flachen Uferbereich herumliegen. An ihnen vorbei quält sich eine Muslima in Ganzkörper-Neopren und Badekappe ins fast 40 Grad heiße Wasser. Dahinter: eine japanische Gruppe.

Die Japaner arbeiten sich kichernd bis Brusttiefe vor. Mit der einen Hand balancieren sie Smartphones oder riesige Kameras über dem Kopf, mit der anderen schmieren sie sich den berühmten weißen Quarzschlamm ins Gesicht. Für eine Stunde haben sie hier den meisten Spaß. Das Thermalbad? Nebensache. Jetzt ist Fototermin.

Marten Rolff, SZ vom 6./7. Juli 2013

Charles Chaplin in "Zirkus", 1928

Quelle: Scherl

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Mitten in ... München

Der Laden im Hauptbahnhofviertel, in dem iPhones mit zerbrochener Glasscheibe liebevoll "Patienten" genannt werden, ist noch geschlossen an diesem Morgen. In zehn Minuten erst öffnet er, steht an der Tür. Halb so schlimm, in München scheint an diesem Tag tatsächlich mal die Sonne, und auf dem Gehsteig vor dem verrammelten Handyshop kann man wunderbar sitzen, auf Einlass warten und dabei Zeitung lesen. Nach ein paar Minuten taucht im rechten Augenwinkel ein grauhaariger Herr auf, Mitte 50 vielleicht, gepflegt gekleidet, mit brauner Aktentasche in der Hand. Er passiert die Sitzende und wirft, ohne auch nur kurz stehen zu bleiben, im Vorbeigehen ein in der Sonne glänzendes Euro-Stück auf die Zeitung, die da ausgebreitet am Boden liegt. Jetzt nur noch 79 weitere Passanten, dann bezahlt sich das neue Display von selbst.

Katharina Riehl, SZ vom 6./7. Juli 2013

Im Bild: Charles Chaplin als Tramp in "Zirkus", Originaltitel: "The Circus", USA 1928

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Quelle: SZ

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Mitten in ... Nuwara Eliya

Bahnfahren in Sri Lanka ist laut, sehr laut. Denn egal, ob ein moderner Zug eingesetzt wird oder eines dieser maroden stählernen Schlachtrösser, die vermutlich schon unter den Briten gedient haben, die Gleise sind so alt, dass es überall quietscht und rattert und kreischt. Auf der Fahrt durch die Teeplantage zwischen Ella und Nuwara Eliya ist noch dazu kaum ein Sitzplatz frei. Kinder in ihren weiß-blauen Schuluniformen quetschen sich auf ihrer Klassenfahrt zu fünft in einen Doppelsitz. Zunächst rattert die wohlerzogene Truppe still dahin. Doch dann, als der Zug in den ersten Tunnel rauscht, fangen die Kinder lauthals an zu brüllen. Und dieses Brüllen steigert sich - von Tunnel zu Tunnel. Am Ende kreischt ein vielstimmiger Chor gut gelaunt seinem Ziel entgegen. Und siehe: Lärm, wird er mit Lärm bekämpft, kann sogar glücklich machen.

Evelyn Vogel, SZ vom 6./7. Juli 2013

Passkontrolle Pass Einreise

Quelle: dpa

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Mitten in ... Tel Aviv

Wenn man an den Passkontroll-Schalter eines Landes kommt, in das einzureisen man die feste Absicht hat, gibt man wenig darum, dass der Beamte den Namen des Ankommenden richtig ausspricht. Für die notwendige Information sorgt ja ohnehin der Magnetstreifen im Reisepass und das biometrische Passbild, auf dem man aussieht wie ein Östrogen-Kalb. Am Tel Aviver Flughafen Ben Gurion wird man allerdings immer nach diesem und jenem gefragt, meist von angenehm gelangweilten Menschen. Diesmal aber fiel der Blick des sehr wachen Beamten auf den Vornamen des Reisenden, und weil er mehr über den Fremden erfahren wollte, fragte er: "What's your profession, Himmlar?" Israel, drei Uhr nachts und jetzt ein freches historisches Wortspiel als Antwort? Wer klug ist, verzichtet darauf und sagt artig, was er beruflich so macht.

Hilmar Klute, SZ vom 29./30. Juni 2013

Weißwurst

Quelle: Robert Haas

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Mitten in ... Saint-Cloud

Die ganze Welt schwärmt von der französischen Küche. Doch in Saint-Cloud, einem traditionsreichen Städtchen bei Paris, stehen deutsche Wurstwaren hoch im Kurs. Im Supermarkt Monoprix drängen sich die Kunden vor der "Charcuterie allemande", einem Stand mit Nürnberger Rostbratwürsten, Sauerkraut, Kartoffelpuffern, Maultaschen, Radi-Salat und ähnlichen Leckereien. Natürlich gibt es auch Münchner Weißwürste, die vakuumverpackt im Zehnerpack eingeführt werden, und süßen Senf. Ich habe mich oft gefragt, was französische Hausfrauen mit Münchner Weißwürsten anstellen. Ich fasse mir ein Herz und deute auf die Würste, die eine junge Französin in ihren Wagen packt. "Wie bereiten Sie die denn zu?" Sie schaut mich erstaunt an und sagt: "Ich schneide sie in Stücke und brate sie in der Pfanne heraus. Wie denn sonst?"

Stefan Ulrich, SZ vom 29./30. Juni 2013

Pyjama

Quelle: REUTERS

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Mitten in ... Chinesisches Meer

Auf einem Schiff mit 1000 chinesischen Touristen. Abends Bauchtanz, Bingo, Bordgeflüster. Ein Plakat lädt ein zur "Pyjamaparty für die unter Zwölfjährigen". Am nächsten Morgen findet statt: Die inoffizielle Pyjamaparty für die Erwachsenen, im Bordrestaurant. Frühstück à la chinoise: Reisbrei, gesalzenes Gemüse, gebratene Nudeln. Um die Töpfe herum stehen vier mehr oder weniger ausgeschlafene erwachsene Männer in Schlafanzügen, drei gestreift, einer geblümt. Der Pyjama ist für manche Chinesen so was wie der Jogginganzug für manche Deutsche: gesellschaftsfähige Wohlfühlkluft. Bemerkenswert auch: keine einzige Frau im Nachtgewand. Gerade die Partnerinnen der Schlafwandler sind vielmehr auf's Eleganteste herausgeputzt, eine gar in perlmuttglänzenden Pumps. Ihr Mann trägt Plastiklatschen.

Kai Strittmatter, SZ vom 29./30. Juni 2013

Grill Wurst Würste Grillzange

Quelle: picture alliance / dpa

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Mitten in ... Töging

Ein Grillfest. Erweiterter Freundeskreis des Nachbarn. Der Grill ist ein guter Ort: Hier lernst du Menschen kennen. Halsgrat oder Maiskolben - das sagt viel aus. Also her mit der Grillzange, Herr Nachbar! Und dann gibt es drei Metzgereien in Töging: Huber, Kopfhammer, Kurz - das Tier wird bei allen noch gestreichelt vor dem Schlachten. Wer kauft wo? Gutes Smalltalk-Thema. Aber die Leute reißen Tüten vom Billig-Discounter auf und schlenzen, wenn sie nicht gerade synthetische Wurstimitate aus Einschweißfolien quetschen, Fleischfetzen auf den Rost, die violetten Rauch absondern. Ah, die Anabolika aus der Mast. Ein Mann erzählt, bei ihm im Chemiekonzern werde jetzt ein Stoff für die Lebensmittelindustrie entwickelt. Der Stoff verhindere, dass Fleisch stinkt, wenn es alt wird. Eine Wurst brennt an. Soll sie doch brennen! Ein Fanal!

Rudolf Neumaier, SZ vom 29./30. Juni 2013

Musik

Quelle: iStockphoto/Anna Bryukhanova

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Mitten in ... München

Rechts sitzt das kleine Mädchen, fünf Jahre vielleicht, Hello-Kitty-Kappe auf dem Kopf. Links eine junge Frau. Sie hört Musik über ihr iPhone - so laut, dass alle im S-Bahn-Wagen mithören können. Am Stachus sagt das Mädchen etwas und schaut auf zu seiner Begleiterin. Keine Reaktion. Am Marienplatz zieht vor dem Fenster eine Schulklasse vorbei. Das Mädchen zählt die Kinder, "24" sagt es stolz und schaut wieder auf zur Nachbarin. Keine Reaktion. Am Isartor schaut das Mädchen still vor sich hin, am Rosenheimer Platz stehen die beiden wortlos auf und gehen zur Tür. Der Zug hält, das Mädchen will den Öffner drücken, doch die Tür bleibt zu. Nun meldet sich die Frau, und wie: "Hey, wir müssen raus!", faucht sie das Mädchen an. Dann nimmt sie es an der Hand, beide verschwinden in der Menge. Hoffentlich ist es nicht ihre Mutter.

Kassian Stroh, SZ vom 22./23. Juni 2013

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Quelle: SZ

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Mitten auf dem ... Olymp

Der Olymp, der griechische Berg der Götter und der Schinderei, 2917 Meter hoch, vom Meer aus volle 13 Stunden Aufstieg. "Und denk immer dran, das ist eine Art Beten", raunt der Grieche vor dem Einstieg zu den letzten - und schwierigsten - 100 Metern zum Gipfel Mytikas. Neben dem Steig, der eigentlich nur aus ein paar Felsvorsprüngen besteht, geht es einen halben Kilometer in die Tiefe. Alle paar Schritte sausen losgetretene Steine in den Abgrund. Ihr Aufprall ist nur zu erahnen. Dann endlich der Gipfel. Ein amerikanischer Möchtegern-Tibeter stapelt flache Steinchen zu einer Pyramide, ein Russe telefoniert per Satellitenhandy mit seiner Mutter, und drei alternde Deutsche zischen Dosenbier. Alles klar. Das also meinte der Grieche von vorhin, als er sagte, dass jede Nation am Olymp auf ihre eigene Art beten solle.

Frederik Obermaier, SZ vom 22./23. Juni 2013

Freiland-Hühner Neuland

Quelle: dpa

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Mitten in ... Kaunas

Man tritt dem litauischen Volk hoffentlich nicht zu nahe, wenn man feststellt, dass eine seiner ganz großen Stärken die Zubereitung und der nachfolgende Verzehr riesiger Mengen Fleisch ist. Um dieses Pensum zu bewältigen, wird in Litauen zum Fleisch auch gern mal etwas Fleisch gereicht. Es sprach also viel dafür, dass man in Kaunas ein Steak essen konnte, zumal in einem "Steakhouse". Weitere Indizien: das kolossale Stoffrindviech an der Tür, die Bilder von Büffelherden an der Wand, die Cowboy-Hüte auf den Köpfen der Kellner. Durchaus auch der freundlich grienende Ochse vorne auf der Speisekarte. Nun denn: Ein Steak, bitte! Die Kellnerin tippt die Hutkrempe nach oben und sagt: "Ehrlich gesagt, wir haben zur Zeit kein Fleisch." Ach, was haben Sie denn dann? "Huhn. Wir glauben wirklich, das ist gesünder."

Roman Deininger, SZ vom 22./23. Juni 2013

Lichterfest Diwali in Indien

Quelle: dpa

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Mitten in ... Delhi

Der Indien-Reisende bekommt viele Ratschläge mit auf den Weg. Der gängigste: Auf Hygiene achten! Kein Obst, kein Eis, keine Säfte an Straßenständen kaufen, Hände ständig waschen. Ein Kollege erzählt mit einem gewitzten Zwinkern, er habe immer ein Fläschchen mit Desinfektionsflüssigkeit in der Tasche, das nach jedem Händeschütteln zum Einsatz komme. Für Delhi sieht der Reiseplan nur einen Tag vor. Sofort geht es zum berühmten Humayun-Mausoleum. Es ist ein Werktag. Daher sind kaum Touristen unterwegs. Auf dem schnurgeraden Weg kommt einem stattdessen eine endlose Reihe von Schülern in Uniform entgegen. Hunderte Kinder recken dem Besucher aus dem Westen ihre Hände entgegen, mit einem strahlenden Lächeln. Ich schlage in jede Hand ein. 100 Mal, 200 Mal, 300 Mal. Hygienisch schwierig? Einfach menschlich.

Harald Hordych, SZ vom 22./23. Juni 2013

Produzentenfest 2013

Quelle: dpa

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Mitten in ... Berlin

Wenn die Allianz der Filmproduzenten ihr alljährliches Sommerfest mit prominenten Gästen feiert, liest man danach oft, die Party sei "ganz großes Kino" oder "filmreif" gewesen sei - auch wenn die Realität eher so aussieht, dass Schauspieler herumstehen, sich unterhalten und Bratwurst essen. Das ist noch kein Plot, da fehlt der Konflikt. Einen kleinen, zumindest kurzfilmtauglichen, lieferten vier barbusige Femen-Frauen, die direkt neben der ebenfalls anwesenden Bundeskanzlerin den roten Teppich stürmten. Doch zum Drama mit Überlänge wurde der Abend erst später, als eine Kreatur aus der Spree namens Kriebelmücke auf der Party auftauchte. Wer auf deren Bisse allergisch reagiert, mutierte über Nacht zum Elefantenmenschen und musste in ärztliche Behandlung. Für die Rechte an diesem Horrorfilmstoff kann man sich gerne an mich wenden.

Judith Liere, SZ vom 14./15. Juni 2013

Passengers queue in front of check-in counters inside Athens airport

Quelle: REUTERS

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Mitten in ... Athen

Athens Flughafen, der letzte Flieger aus Istanbul, 45 Minuten Verspätung, kurz vor Mitternacht. Die Gurtschnallen klicken schon lange, bevor der Pilot es gestattet. Die Meute will einfach nur raus, sie drückt und drängelt sich aus dem Flieger. Aber erst mal: Passkontrolle. Lange Schlangen, sehr genervte Menschen. Und dann das: falsche Schlange. Ich gehöre nicht zur Crew, bin weder Pilot noch Steward, bin kein Diplomat. Sei's drum, irgendeine Ausrede muss her. Doch die Freundin sieht nicht schwanger aus, ich selbst trotz Sonnenbrand nicht nach medizinischem Notfall. Da stehe ich vor dem Grenzbeamten. Und was macht der? Er winkt mich durch. Stört sich nicht mal daran, dass ich ihm vor lauter Hektik den Stempel von der Einreise in die Türkei zeige anstelle meines Passbilds. Warum auch? Griechenland hat Wichtigeres zu tun.

Frederik Obermaier, SZ vom 14./15. Juni 2013

Halbiertes Flaschenpfand

Quelle: DPA

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Mitten in ... München

Jetzt also Flaschen. Erst haben die beiden Jungen Fußball gespielt, dann Stöcke gesucht, die sich als Gewehre und Schwerter eignen. Sie tragen lange Haare, aber keine T-Shirts. Rennen barfuß über die spitzen Isarkiesel, sind schon wilde Kerle, werden wohl mal Rock'n'Roller. Der Größere schickt den Kleineren vor: "Dürften wir das Pfand haben?" Nun ja, im Prinzip schon. Aber soll man Achtjährigen Bierflaschen geben, auch wenn sie leer sind? "Wir kriegen acht Cent für die aus Glas, 25 für die aus Plastik", referiert der Kleine. Und wenn genug zusammen sei, wollten sie sich ein iPad Mini kaufen. Ob sie denn wüssten, wie viele Flaschen sie dafür brauchen? "So 90", sagt der Junge. Bei dem Einwand, dass die Rechnung vielleicht nicht aufgeht, zuckt er mit den Schultern. "Nee, wir kaufen das ja in New York, da ist es viel billiger."

Moritz Baumstieger, SZ vom 15./16. Juni 2013

stanford university commencement (C) Stanford News Service

Quelle: Linda A. Cicero / Stanford News

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Mitten in ... Stanford

Professor Clifford I. Nass trägt ein Jackett und weiße Turnschuhe und hat eine ziemlich hohe Stimme. Nass lehrt an der Stanford University, der Herzkammer des Silicon Valley, und hat dennoch erstaunlich kritische Dinge über das Internet und unseren Umgang mit der Technik zu sagen, über die Sucht. Handy, Computer, Facebook, Multitasking, alles gleichzeitig, das schade dem Geist, sagt Nass. Er wirft Fotos an die Wand, zeigt auf einen Bereich des Gehirns, der verkümmere. Dazu das Soziale: Keiner könne mehr zuhören, dem anderen in die Augen schauen. Applaus. Nass setzt sich wieder hin. Während seine Professorenkollegin nun den nächsten Vortrag hält, holt Nass seinen Laptop raus und fängt an zu daddeln, checkt Mails auf dem Handy, schreibt SMS. Er kann offensichtlich gut trennen zwischen Beruflichem und Privatem.

Bernd Dörries, SZ vom 14./15. Juni 2013

Bild: Ein Absolvent der Stanford University hinterlässt am Tag seiner Abschlussfeier eine Karte. Quelle: Stanford News Service

Schilder Videoüberwachung Schweiz Hunde

Quelle: oh

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Mitten in ... Zürich

Hunde sind intelligenter, als man es ihnen unterstellt. Es gibt sogar die Theorie, dass sie ihre Begriffsstutzigkeit nur vortäuschen. Nur lesen, das können sie wirklich nicht. Schweizer sind sehr intelligent. Es gibt sogar die Theorie, dass sie ihre Langsamkeit nur vortäuschen. Sie wissen, dass Hunde nicht lesen können. Deshalb kommunizieren sie über Piktogramme mit ihnen. Sie sind auf Cockerspaniel-Augenhöhe angebracht und von erstaunlicher Detailliebe. So illustriert das kleine Corpus Delicti unter dem gekrümmten Hund offensichtlich, dass eine einfache Darmkolik, sofern sie folgenlos bleibt, auch hier erlaubt ist. Über alle anderen Fälle wacht das Kameraauge, schließlich kennt man auch in der Schweiz die Schwächen von Herrchen und Hunden. Letztere freilich schert weder Verbot noch Überwachung. Dazu sind sie viel zu klug.

Wolfgang Koydl, SZ vom 8./9. Juni 2013

Metro Moskau

Quelle: REUTERS

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Mitten in ... Moskau

"Ein Terroranschlag", murmelt die Sitznachbarin in der Metro, und jetzt, da sie es ergeben so dahinsagt, ist es gleich noch viel ungemütlicher. Mehr als 20 Minuten schon steckt der Zug vor der Station Park Kultury in der Röhre fest, und es wird immer stiller im Waggon. Vor drei Jahren gab es hier einen Anschlag und viele Tote. Jetzt gibt es die Erinnerung. "Aus technischen Gründen" sei eine Metrostation auf der Linie geschlossen, heißt es über Lautsprecher. Und das heißt nichts Gutes. Eine Frau starrt erschrocken ins Nichts, ein Mann tippt ins Handy. Es stellt sich heraus: Feuer im Metrosystem, Kabelbrand, Rauch im Schacht, Dutzende Verletzte. Der Zug rollt in den Bahnhof, alle raus. Dort herrscht Chaos, und eine Enge, als würden die Stones in einen Jazzkeller bitten. Moskaus Untergrund ist heillos überlastet, leider nicht nur an diesem Tag.

Frank Nienhuysen, SZ vom 8./9. Juni 2013

Briefmarke Italien Bernini

Quelle: DPA

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Mitten in ... Lucca

Die Hauptpost von Lucca hat zehn Schalter. Drei sind besetzt. Vor der gläsernen Front von Schalter vier steht niemand. Radebrechend trage ich mein Begehr vor: vier Briefmarken, per favore, für Postkarten. Die Schalterfrau schickt mich zu einer Ticketmaschine, so eine wie beim Metzger im Supermarkt. Also gut: Nummer 107. In dem Moment wird 105 aufgerufen. Niemand rührt sich. 106 - keiner tritt vor. 107 - ich stehe wieder vor Schalter vier. Wiederhole meine Bitte. Die Postfrau guckt mich an, steht auf und geht. Verschwindet wortlos durch eine Tür in die Tiefen des Postamts. Eine Kundin am Schalter nebenan guckt mich an und sagt, wie entschuldigend, dass man Briefmarken in Italien eigentlich nicht auf der Post kaufe, sondern am Kiosk. Ich warte noch eine Weile. Die Postfrau kommt nicht zurück. Dann gehe ich. Zum Kiosk.

Reymer Klüver, SZ vom 8./9. Juni 2013

Blaulicht

Quelle: picture alliance / dpa

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Mitten in ... München

Am Morgen. Noch nicht ganz wach, schlurft die übliche Truppe bekannter Gesichter zur S-Bahn am Isartor. Die Ampel schaltet gerade auf Grün. Wir sind dabei, den Fuß auf die Fahrbahn zu setzen, als plötzlich aus Richtung Deutsches Museum ohrenbetäubendes Tatütata die morgendliche Routine unterbricht. Inmitten des Berufsverkehrs bildet sich mühsam eine Gasse. Alles glotzt. Dann rauschen drei schwere Limousinen und ein Jeep in einem Affentempo an uns vorbei. Auf den Vordersitzen: schwarz vermummte Gestalten. Viel mehr ist nicht zu erkennen, die hinteren Scheiben sind verdunkelt. Wir gucken uns alle irritiert an. Filmdreh? Banküberfall? Dann fällt der Groschen. Die mutmaßliche Terroristin Zschäpe wird ins Gerichtsgebäude gekarrt! Am Abend: wieder Tatütata. Gleiche Szenerie, gleiche Stelle. Nur die Richtung ist eine andere.

Gabi Klein, SZ vom 8./9. Juni 2013

The Board's Head Pub Großbritannien

Quelle: Esslinger

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Mitten in ... Aberhonddu

In Wales scheint die Sonne, in München wird auch die Siegesparade an diesem Wochenende im Regen stattfinden. Nur: Dem Waliser ist ein Champions-League-Finale so was von schnurz. "The Boar's Head" in Aberhonddu - immerhin ein Pub, der es zeigt. Andere Wirte fragten bloß zurück: Wer spielt? Welcher Sender? Sieben Deutsche zittern schließlich unterm Fernseher, fünf Bayern, zwei Borussen. Sie stehen, sie stampfen, sie sind praktisch die einzigen Gäste. Erst in der zweiten Halbzeit poltert ein Dutzend Kerle herein, aber Fußballfans sind die nicht: Sie tragen Stirnbänder mit japanischen Schriftzeichen, einer von ihnen kommt im Geisha-Gewand. Ein Junggesellenabschied. Einer will wissen: "Was machen all die Deutschen hier?" Die Wirtin später im Hotel sieht die roten Trikots, sie fragt: "Habt ihr Fußball oder Rugby geschaut?"

Detlef Esslinger, SZ vom 1./2. Juni 2013

Angler unter Regenschirm

Quelle: DPA/DPAWEB

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Mitten in ... Neuötting

Was wohl die Fische machen, wenn es regnet und regnet? Könnte ihnen eigentlich egal sein, nass ist es ja dauernd bei ihnen. Das Blöde ist, dass die Strömung immer stärker wird. Wenn's übel kommt, verwandeln sich die gemütlichsten Gumpen in reißende Strudel. Mit der Zeit geht das ganz schön auf die Flossen, also rein muskelkatermäßig, wenn man sich als Karpfen nicht wegspülen lassen will. Du dümpelst durch die Isen in Ampfing und genießt den Schlamm, dann kommt ein Regenguss und noch einer - und plötzlich wachst du nach einem Schleuderwaschgang in Neuötting wieder auf. Gott sei Dank noch vor dem Wasserkraftwerk. Für die Angler ist das Wetter auch nicht gut. Den ganzen Tag kein Fisch. Gerade meldet sich ein Kumpel per SMS. Er hat einen Bierkasten gefangen. Vom Hochwasser angeschwemmt. Leider leer.

Rudolf Neumaier, SZ vom 1./2. Juni 2013

Royal Opera House London Großbritannien Publikum

Quelle: Reuters

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Mitten in ... London

Pause im Londoner Royal Opera House. Im Gang vor dem Amphitheatre - ganz oben, dort, wo sich die billigen Plätze befinden - wird kein Champagner im Stehen heruntergestürzt. Hier sitzt man behaglich beim Picknick. "Darf ich Ihnen etwas anbieten?", fragt die alte Lady, die sich als Eleanor vorstellt. Dazu reicht sie eine Tupperdose mit dreieckigen, krustenlosen Weißbrotscheiben. Man tauscht Höflichkeiten aus. "Oh, Sie sind Deutsche", stellt Eleanor schnell fest und schaut interessiert. Ihr Gatte Michael findet das "splendid", großartig. Zackig wie Loriots Opa Hoppenstedt beginnt er, mit den Fäusten herumzufuchteln, dazu imitiert er ein Orchester: "Tatatatata, Tatatatata, TATATATAAAAAA!" Das Ganze erinnert entfernt an den Walküren-Ritt. "Er ist Wagnerianer" , sagt Elenor lächelnd. "Und er ist so taub wie ein Türknauf."

Jutta Czeguhn, SZ vom 1./2. Juni 2013

Operation OP Ärzte

Quelle: iStockphoto

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Mitten in ... München

"Geht's jetzt los?", fragt der Patient beklommen. "Wir sind schon drin", antwortet der Kardiologe. Und tatsächlich: Auf dem Bildschirm ist sehr schön der Katheter zu sehen, wie er sich einen Weg bahnt durch das Herz, während im Rhythmus des Herzschlags die Kontrastflüssigkeit die Arterien erleuchtet. Man fühlt sich wie im Cockpit eines Jumbos, der während des Flugs von einem zweiten Flugzeug aus an der zentralen Steuerung repariert wird. Das Gehirn, auf Autopilot gestellt, kann derweil nur hoffen, dass nicht der kleinste Fehler passiert. "Jetzt schieben wir den Stent rein", sagt der Operateur. "Haben Sie einen speziellen Musikwunsch?" - "Bach wäre nicht schlecht." - "Wir haben Mozart", sagt der Assistenzarzt aus dem Hintergrund. "Was wollen Sie hören?" - "Vielleicht können wir uns auf eins einigen", sagt der Patient: "Alles, nur nicht das Requiem."

Achim Zons, SZ vom 1./2. Juni 2013

© Süddeutsche Zeitung/cag

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