Mitten in AbsurdistanIch schau' Dir in die Augen, Kleiner!

Unter Beobachtung in München, kinderlieb in St. Petersburg und gut bei Stimme in Würzburg - kuriose Erlebnisse von SZ-Autoren.

Mitten in ... München

Wer im Glashaus sitzt, sollte manchmal rausschauen. Speziell wenn es der 22. Stock eines Büroturms am Rande Münchens ist. Ewig unzufriedene Kollegen jammern ja gerne, hier sei nichts los. Das stimmt aber nicht. Schon gar nicht aus ornithologischer Sicht. Denn der 99 Meter hohe Turm wird sehr gut angenommen. Abgesehen von Rabenkrähe und Mauersegler ist in dieser Höhe besonders der Turmfalke heimisch. Er nutzt die Thermik an den Glasplatten. Häufig fliegt er so nahe vorbei, dass man ihm in die Augen schauen kann. Vor zwei Tagen schoss er direkt auf die Glasscheibe zu, man musste befürchten, er zerschelle daran. Weit gefehlt.

In Fußhöhe der im Glaskäfig gefangenen Büroarbeiter krallte er sich an die Fassade. Etwa drei Minuten beobachtete er das Treiben, dann schwang er sich wieder in die Freiheit. Falke müsste man sein.

Hans Gasser, SZ vom 24./25.7.2010

Bild: dpa 9. Juli 2010, 17:482010-07-09 17:48:00 © sueddeutsche.de/dd/kaeb