Women's Run in München, 2012

Mitten in ... München

Ich mache montags Sport. Nichts Großes. Wirklich. Eher, damit mir der Schmerz am Folgetag anzeigt, welche Muskeln im Körper eines Mittvierzigers sich noch zurückmelden. Nach Hause geht's danach zu Fuß. Manche würden sagen: um runterzukommen. Ich sage: weil die Busverbindung ins Westend so mies ist. Immer gegen 21 Uhr schleppe ich mich über die Theresienwiese. Dort treffe ich dann jedes Mal: ihn, um die 30, athletisch. Bei jedem Wetter. Im Februar. Im Dunkeln. Die Trainingsmatte im fahlen Licht einer Straßenlaterne auf dem Asphalt ausgerollt, einmal sogar in einer Pfütze, ich schwöre. Und dann: Press-ups, Sit-ups, Star Jumps, name it. Diszipliniert? Ja, ja. Münchens härtester Winter-Freeleth? Schon gut. Vielleicht bin ich ja neidisch. Oder ist es eher so, dass unser Hang zur Selbstoptimierung hier und da ein bisschen verzweifelt wirkt?

Marten Rolff

SZ vom 26. Februar 2016

Bild: Florian Peljak 28. Februar 2016, 18:022016-02-28 18:02:31 © Süddeutsche Zeitung/ihe