Mitten in AbsurdistanBikini-Pose an der Bushaltestelle

Poppige Farben in Uganda, chillende Hunde in München, Salz-Verbot in Buenos Aires und ratlose Scheibenputzerinnen in Berlin: SZ-Autoren berichten Kurioses aus aller Welt.

Mitten in ... Mineo

Das Auffanglager von Mineo in Ostsizilien liegt inmitten von Wiesen und Zitrusplantagen, der nächste Ort ist zehn Kilometer entfernt. 2000 Flüchtlinge, die nur mit ihren Kleidern am Leib die Überfahrt von Afrika nach Lampedusa geschafft haben, sind hier hergebracht worden. Nun heißt es warten: auf Papiere, auf Hilfsdienste, auf Anwälte, die bei Härtefällen beraten, oder darauf, dass endlich ein Busservice in den Ort eingerichtet wird.

Einige Flüchtlinge vertreiben sich die Zeit vor dem Camp; auf dem Parkplatz bei den Journalisten, die ihnen Zigaretten zustecken. Plötzlich hält ein mit bunten Plakaten beklebter Kleinlaster; ein Mann steigt aus, lacht fröhlich und öffnet eine Luke: Gelato für ein Euro aufwärts. Er wird heute nichts verkaufen. "Italien kann so peinlich sein", stöhnt ein Dokumentarfilmer aus Padua, "es fehlt an allem, und wer kommt? Der Eisverkäufer!"

Marten Rolff, SZ vom 30.4./1.5.2011

Bild: AP 6. Mai 2011, 14:392011-05-06 14:39:00 © Süddeutsche Zeitung/dd/kaeb