Mitten in AbsurdistanDürndl für Mutige

SZ-Autoren berichten von kuriosen Erlebnissen.

Mitten in ... München

Münchner S-Bahnhöfe haben bisweilen den Charme von Straßentunnels in Ankara. In einer dieser Untertagewelten ist jüngst ein ranziger Imbiss verschwunden und hat sich, Simsalabim, in einen Dirndl-Laden verwandelt. Heraus aus dem Geschäft tritt Herr Cavet und flötet: "Schöne Dirndl, musst du probieren." Das bayerische "Du" geht dem Schnauzbärtigen flüssig von der Zunge. "Oder hast du keinen Mut?"

Von wegen! Das letzte Dirndl habe ich mit 13 abgelegt, mit dem Schwur: nie mehr! 1000 Dirndl habe er in der Türkei schneidern lassen, supergünstig, gehen weg wie Sesamkringel, ärgern sich die anderen Läden. So sagt Herr Cavet und grinst.

Tja. Drei Dürndl probiert, eines gekauft. Grün. Die Farbe des Propheten. Gibt auch Rosa und Hellblau. Im nächsten Jahr bringt er Lederhosen. Herr Cavet hat München verstanden.

Christiane Schlötzer, SZ vom 25./26.9.2010

Bild: dpa 9. Juli 2010, 17:482010-07-09 17:48:00 © sueddeutsche.de/dd/kaeb