Mitten in AbsurdistanSzenen im öffentlichen Verkehr

Verzweiflung am Straßenrand, dankbare Fahrgäste und Eheversprechen im Großstadtlärm: Kuriose Erlebnisse von SZ-Autoren.

Mitten in ... Ebersberg

Es kann anstrengend sein, erstmals nach Monaten wieder in Deutschland zu sein. Vor allem, wenn man aus Moskau kommt, ist Russland doch in einer Hinsicht sehr praktisch: Die alte Zeitung gesellt sich im Mülleimer zur leeren Glasflasche, Apfelschalen faulen neben Joghurtbechern.  Ein schlechtes Gewissen muss deshalb keiner haben, Mülltrennung gibt es nicht. Aber jetzt ist nicht Moskau, sondern Ebersberg, vergessen geglaubte Mühen werden wieder eingefordert. Sogar im Fastfood-Restaurant, in dem Müllberge zum Konzept gehören. Missmutig fällt der Blick auf ein Tablett mit Fremdabfall, das einer auf meinem Tisch stehen ließ. Was tun? Etwa aufräumen? Bekleckerte Pappe auch noch trennen, wie gefordert? Der Kompromiss: Wegbringen und neben die Sortierboxen stellen. Sogleich kommt die Bedienung und wirft alles - in den Restmüll. Wie in Moskau.

Frank Nienhuysen, SZ vom 28./29.8.2010

Bild: istockphoto 9. Juli 2010, 17:482010-07-09 17:48:00 © sueddeutsche.de/dd/kaeb