bedeckt München 22°

Mittelamerika:Natur rechnet sich

Gelbert ist nicht weit von hier geboren. Die Ticos, wie sich die Costa-Ricaner selbst nennen, lieben ihre Natur. Soviel kann er sagen. Und warum? "Sie haben gelernt, dass sich das rentiert. Früher dachte man noch, ein Grundstück mit Bäumen drauf sei nichts wert."

Der Wald, der große Schatz Costa Ricas. Mehr als die Hälfte der Fläche versteckt sich unter Baumkronen. Ende der Achtzigerjahre war es nur ein Fünftel, weil man Abholzen produktiv fand. Dann kam die Kehrtwende. Auch für die CO₂-Bilanz ist der Wald ein entscheidender Faktor. Wir tragen einen Baumsetzling, einen Spaten und eine Machete dorthin, wo Gelbert und seine Freunde zwei Hektar Grasland gekauft haben, um einen natürlich-chaotischen Wald wachsen zu lassen, rein mit heimischen Sorten. Auch Obstbäume sind dabei, deren Früchte nicht so beliebt sind und die daher kaum noch gepflanzt werden. Oder langsam wachsende Bäume, die sich für die Holzwirtschaft nicht lohnen, aber für die Natur. "Wir wollen die Vielfalt erhalten", sagt Gelbert. Jeder Gast darf sich einen Baum aussuchen. Heute wurde es ein Pilón. Sein Name bedeutet Trog, weil sein Holz so hart ist. Wobei dieser hier Zeit seines Lebens ein Baum bleiben darf.

Costa Rica (für die Reise - Autorin: Anja Martin)

Symbol der Vielfalt: Ein Rotaugenlaubfrosch, nachts im Garten von Otto Méndez.

(Foto: Anja Martin)

Mit dem Wert der Natur wächst der Wunsch, sich vorbildliches Verhalten bestätigen zu lassen. Ein Dschungel an Lizenzen hat sich etabliert - manche gibt es nur hier. Etwa die Blätter des Programms CST (Certificado para la Sostenibilidad Turística), die für Nachhaltigkeit vergeben und hier teils mehr beachtet werden als Hotelsterne. Ein Fünf-Blätter-Hotel braucht keinen Safe und kein Marmorbad, muss sich aber um Recycling, Kompostieren und die Probleme der lokalen Bevölkerung kümmern.

Selbst Mietwagenanbieter machen mit. Jüngst lassen sich immer mehr Hotels, Touranbieter, sogar Kaffeeplantagen und Wasserkraftwerke als CO₂-neutral zertifizieren. Und die ökologische, blaue Flagge breitet sich von den Stränden auf andere Einrichtungen aus, etwa auf Schulen. Es gibt aber auch Kritik am CST-Verfahren: zu viel Papierkram, die Bedingungen zu starr, Kleine haben es schwerer als Große.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite