Süddeutsche Zeitung

Mit der Dampflok auf den Brocken:Ein Harzer Wintermärchen

Aus den Zugfenstern blicken Reisende auf von Schnee und Eis verzierte Bäume, während die betagte Dampflok heftig schnaubend ihren Weg macht. Eine Zugfahrt auf den Brocken ist nicht nur eine Winter- sondern auch eine Nostalgiereise.

Manche Fahrgäste legen Schal und Mantel ab. Der Heizer auf der betagten Dampflok schaufelt und schaufelt. In den Holzabteilen des Traditionszuges der Harzer Schmalspurbahn von Wernigerode ist es wohlig warm.

Er fährt auf den nahen, 1141 Meter hohen Brocken in Sachsen-Anhalt. Grog, Kaffee und Glühwein aus Thermoskannen lassen die Körpertemperatur steigen.

Gebannt blicken die Ausflügler aus dem Fenster. Verschneite, dichte Nadelwälder mit Ästen, die sich unter der weißen Last biegen, wechseln sich mit schneeverwehten Hochflächen ab. Längerer Halt am Bahnhof Drei Annen Hohne in 542 Meter Höhe: Im Schneetreiben bunkern zwei Dampflokomotiven nochmals Wasser. Fahrgäste lockt die Gaststätte "Harzquerbahn". Täglich halten hier fünf und mehr reguläre Züge - alle Ein-Meter-Schmalspur mit Dampflok. Die schnauft mächtig die nächsten 50 Minuten auf dem 19 Kilometer langen Teilstück bis zum Gipfel. Zugführer Rolf Apel prüft Tickets und plaudert mit den Passagieren. Er hat zu DDR-Zeiten bei der Reichsbahn gearbeitet, seit Jahren ist er nun mit Leib und Seele bei der Harzer Schmalspurbahnen GmbH tätig. Beim Halt in Schierke erzählt der 57-Jährige von früher: "Hier endeten fast drei Jahrzehnte lang die Züge. Alle mussten aussteigen." Während der Zeit des Mauerbaus sperrte die DDR den Brocken - von 1961 bis Ende 1989.

Unweit des Gipfels wird der Baumbestand spärlich. Etliche vom Wind gebeugte und von Schnee und Eis modellierte kleinwüchsige Fichten und Ziersträucher erinnern an Gnome, Hexen und andere Fabelwesen. An guten Tagen kommen bis zu 15 000 Menschen auf den Gipfel. Heute ist die Sicht äußerst mäßig. Dennoch scheinen die meisten Besucher happy. Der Schnee ist tief, die Hinweisschilder sind voller Eiszapfen. Zwischen vereisten Gewächsen, an denen Kristalle glitzern, toben Kinder mit Schlitten und Schneebällen. Auch im Winter ist die Brockengastronomie mit Imbiss, Gaststätte und Hotel gefragt. "Nur bei heftigem Schneesturm ist geschlossen. Das ist selten", sagt Juniorchef Daniel Steinhoff.

Die Schmalspurbahn steuert auch Orte mit Weihnachtsmärkten an, zum Beispiel Wernigerode (im Bild), Quedlinburg und Nordhausen. Ein ausgedehnter Christmarktbummel kann zur Drei-Länder-Tour werden. Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen teilen sich den Harz.

Die Entfernungen sind überschaubar. Der Harzer Tourismusverband listet über 30 Gemeinden auf, die mit Christmärkten locken: Auch Aschersleben und Altenau, Sangerhausen, Thale und Wildemann gehören dazu. Altstadt von Wernigerode

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Bernd Kubisch, dpa
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